Doom Folk • Dark Chamber Music
(40:55; Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung; 06.11.2026)
\David Barteczko\ (u. a. bei den Postrockern von BRUECKEN) veröffentlicht passend zum tristen Monat November eine sehr schwere, düstere Variante des Doom Folk, die aus meiner Sicht eine ganz eigene Sprache nutzt. Mit Cello, Piano und Gastmusikern schafft der Künstler aus Hannover einen sehr speziellen Tune, der aus meiner Sicht wohl eher für gewisse Stunden, Momente den Soundtrack generiert.
Ich bin ein Freund der dunklen Klänge, Kosmoberkh fordert selbst mich mit seiner intimen, tristen Gangart auf besondere Weise heraus. Das sparsame Setting, der weinerliche Habitus, die sehr emotionale Performance ist in jedem Fall sehr individuell, schafft einen eigenen Ansatz und Klangkosmos, man muss dafür aber offen sein – für diese Art Seelenstriptease einiges an Geduld aufbringen. Der Musiker benötigte einige Umwege, viele persönliche Brüche, um nun am Ende dieses Weges mit "Troglobiten.." seinen temporären Abschluss zu finden.
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Dunkle, filigrane Chamber-Klänge wie im Opener 'Fiz Oblon' weisen dem Hörer unverstellt den Weg – Streicher und akustische Gitarre dominieren das Szenario in einem leeren Raum – die Stimme und der fast Joy-Division-artige Bass versprühen eine graue, triste Bildsprache. Es wird irgendwann treibender, alles bleibt trotzdem hintergründig und schwarz. Mit 'Asche meiner Jugend' kommt erstmalig Gesang ins Spiel. \David\ klingt wie der kleine, noch fragilere Bruder von Klez.E-Sänger \Tobias Siebert\, einen Hauch der Blue Angel Lounge vermag ich auch herauszuhören. Schluchzende Geigen, konsequente Traurigkeit und so gut wie kein Licht am Ende des Tunnels machen das Gehörte zu einem schmalen Grat. Die pure experimentelle Ader von Dornenreich ist auch ein vorsichtiger Verweis, wirken die pure Verwendung akustischer Gitarre/Geige mit ähnlicher Tinktur. 'Sterngeworden' perlt mit vorsichtig agierender E-Gitarre, wimmert ohne Konsequenz im Tal der Tränen. Atmosphärisch ist all das, aber die brachiale Monotonie innerhalb der Tristesse wird zum Spalter. Poetisch und avantgardistisch klagen Songs wie 'Zugvogel' ihr Leid und die stille, fragile, fast lautlose Anklage des Sängers innerhalb dieses leeren Raumes berührt schon – gleichzeitig zerfrisst die Tristesse, das lückenlose Wimmern ungemein.
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Surrealer Gothic Folk in 'Hybris' und 'Telegramme' bringen mich an meine Grenzen, zugegebenermaßen. Ich möchte dieses Projekt eigentlich mögen, bin für Seelenstriptease und Goth-Einflüsse, aber mit Kosmoberkh komme ich trotz aller offenkundiger Seelenpein an jegliche Hörgrenzen. Brüchig, weinerlich, im Schmerz verloren, ohne Dynamik und Licht, weiß der doch sehr individuelle Sound Vergleiche abzustoßen, letztlich echte Höhepunkte zu vermeiden. Ich bade gerne mal im akustischen Schmerz, hier gelingt es mir nur temporär und schon gar nicht konsequent über die gesamte Album-Länge. Ein sicher sehr ambitioniertes Projekt (u. a. der Cellist von Mila Mar) voller persönlicher Poesie, bei dem der akustische Strick um den Hals im stoisch langsamen Tempo einiges an Überforderung erzeugt.
Bewertung: 9/15 Punkten
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Besetzung:
• David Barteczko - acoustic and electric guitars, voice and words, synths, percussion& electronic drums, field recordings and sounds
Gastmusiker:
• Jann Michael Engel - cello (Tracks 1-8, 10)
• Christoffer Grunau - drums (Tracks 6, 10)
• Udo Kirfel - bass, drones (Tracks 6, 10)
• Alex Pojda - bass, additional drums (Track 1)
• Christof Schlaak - piano (Track 10)
Surftipps:
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Abbildungen: Kosmoberkh


