
Rock Opera • Progressive Metal • Symphonic Metal • Konzeptalbum
(1:11:02; Vinyl, CD+Blu-ray, Digital; InsideOut Music/Sony Music; 06.11.2026)
Mit "The Moth" hat Devin Townsend sein bislang wohl ambitioniertestes Werk vorgelegt und inzwischen auch für eine gewisse Veröffentlichungsvielfalt gesorgt. Neben der regulären Studioversion gibt es mit "The Moth – The Afterlife" eine alternative Fassung, die Orchester und Chor noch stärker in den Mittelpunkt rückt und sowohl im Earbook als auch in der limitierten Doppel-CD enthalten ist. "The Moth – The War – Live In Groningen" dokumentiert dagegen die Uraufführung des Werks im März 2025. Der Konzertmitschnitt war bislang ausschließlich im umfangreichen Earbook enthalten und erscheint nun auch separat als CD- und Blu-ray-Kombination. Wer also nicht gleich beim großen Paket zugeschlagen hat, bekommt eine weitere Gelegenheit, sich diese Aufführung ins Haus zu holen.
Und das lohnt sich durchaus. Was die spätere Studioversion bereits erahnen ließ, wird auf der Bühne unmittelbar greifbar: "The Moth" ist Musik für die großen Bühnen dieser Welt. Devin Townsend steht als Frontmann eines gewaltigen Orchesters und Chors im Zentrum, während die Prog-Musiker mit ihren verstärkten Instrumenten beinahe wie eine Begleitband wirken. Unter der Leitung von Jukka Iisakkila prägen die klassischen Musiker den Charakter der gesamten Aufführung, statt lediglich als opulente Klangkulisse zu dienen. Darby Todd, Mike Keneally und James Leach setzen ebenfalls ihre Akzente, müssen sich aber mitunter damit begnügen, Teil des großen Ganzen zu werden.
Vor allem gesanglich verlangt die Aufführung höchsten Respekt ab. Wie mühelos Townsend zwischen opernhaftem Gesang und brachialen Growls wechselt, reicht stellenweise bis an Mike Patton heran. Auch Lynn Wu setzt markante Akzente. Die orchestrale Umsetzung von Joseph Stevenson und Niels Bye Nielsen lässt die klassischen Elemente organisch mit der Rockbesetzung verschmelzen. Steve Vai, der an 'Intermission' mitgeschrieben hat, war an diesem Abend ebenso wenig vor Ort wie Anneke van Giersbergen. Ihre Stimme wurde für die Figur Lexin eingespielt, während Lynn Wu die weiblichen Gesangsparts auf der Bühne übernimmt.
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Die 24 Teile des Werks entfalten live eine eigene Dynamik. Orchester und Chor geben den Kompositionen zusätzlichen Raum, ohne sie lediglich mit einer Extraportion Bombast zu versehen. Die Musik war von Anfang an für eine solche Aufführung gedacht und wird in Groningen mit Leben gefüllt. Was auf dem später erschienenen Studioalbum bereits bemerkenswert war, gewinnt hier eine zusätzliche Dimension. Für diejenigen, die bei der Uraufführung dabei waren, muss das ohne vorherige Vorstellung davon, was sie erwartet, schlicht überwältigend gewesen sein. Aber selbst auf der heimischen Anlage vermittelt der Mitschnitt noch eine Ahnung davon, was sich damals im Saal abgespielt haben dürfte.
In meinen Ohren ist "The Moth" für Philharmonien und Opernhäuser gemacht. "The Moth – The War – Live In Groningen" ist deshalb weit mehr als eine weitere Variante eines ohnehin schon mehrfach veröffentlichten Albums. Wer das Earbook nicht besitzt, bekommt hier die Gelegenheit, die ursprüngliche Bühnenfassung kennenzulernen. Und wer das Studioalbum bereits kennt, kann nachvollziehen, warum diese Musik ihre eigentliche Bestimmung offenbar erst auf der Bühne findet. Dass ausgerechnet der Mann, der sonst gerne sämtliche musikalischen Sicherungen gleichzeitig herausdreht, ein derart geschlossenes Großprojekt auf die Beine stellt, darf man durchaus bemerkenswert finden.
Bewertung: 13/15 Punkten
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Besetzung:
• Devin Townsend – Gesang, Gitarre
• Darby Todd – Schlagzeug
• Mike Keneally – Gitarre
• James Leach – Bass
• Pete Rinaldi – Gitarre
• Lynn Wu – Gesang
• Noord Nederlands Orkest – Orchester
• Noord Nederlands Koor – Chor
• Jukka Iisakkila – Dirigent
• Anneke van Giersbergen Gesang (als Einspielung)
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

