
Post Punk • Indie Rock • Alternative Rock • Art Rock
(53:17; Vinyl, CD, Digital; Partisasn Records; 28.08.2026)
Mein Eindruck von Interpol war nach dem Konzert vor zwei Jahren im Vorprogramm der Smashing Pumpkins gelinde gesagt desaströs. Ein Erlebnis, das mehr als enttäuschend war – vor allem, weil ich durchaus weiß, dass mir der Sound des New Yorker Quartetts auf Platte gefällt und mich phasenweise sogar begeistern kann. Und genau das beweist "This Mirror Weighs A Ton" zumindest teilweise ziemlich eindrucksvoll.
Denn Interpol bleiben ihrem Post-Punk-Unterbau treu, verpassen ihm aber ordentlich Frischluft. Elektronik, Piano, Akustikgitarren, Streicher und sogar ungewohnt viel Groove sorgen dafür, dass die Band nicht nur wieder im eigenen Schatten herumstochert. Paul Banks' Gesang steht dabei deutlich im Mittelpunkt und bekommt durch die erweiterten Klangfarben jede Menge Raum.
Schon der Titelsong schwebt geisterhaft und reduziert vor sich hin, getragen von Synthies und Bass. Vielleicht einen Ticken zu lang, aber atmosphärisch durchaus gelungen.
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'See Out Loud' rockt dagegen unterkühlt drauflos und klingt für mich wie eine Kreuzung aus R.E.M. und The Cure.
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'Iron City' lullt mit Vokalintro, Drumloop und elektronischen Spielereien angenehm düster ein, während 'Wounded Soldier' mit langsamem Midtempo und einem verletzlichen, eindringlichen Banks für ordentlich Tiefenwirkung sorgt.
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'Wings On Fire' liefert klassischen Interpol-Post-Punk im Spiel zwischen Licht und Dunkel.
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'Ever The Actor' überrascht mit ordentlich Groove und fast erhabenen Streicherpassagen. Und 'So Rides The Reindeer' dürfte dann endgültig all jene irritieren, die Interpol für eine reine Gitarrenangelegenheit halten: verdammt viel Akustikgitarre, Indie-Folk-Anleihen, interessante Synthies und eine spannende Rhythmik.
Mit 'Darling Thoughts' gibt es zwischendurch allerdings melancholische Interpol-Standardware ohne größere Überraschungen. 'Wake Up' macht das mit einem nervösen Gitarrenriff und einem elektronisch-orchestralen Finale wieder wett. 'Enemy' ist als gespenstische Voice-&-Piano-Nummer mit Backgroundgesangsbegleitung ein richtig tolles Ding, während 'Bird And The Serpent' mit flirrenden Gitarren, hypnotischem Refrain und einem detailreichen elektronisch-orchestralen Finale einen weiteren Höhepunkt setzt. 'Sudden' beendet das Album schließlich mit Piano, schwerer Atmosphäre und der vollen melancholischen Breitseite.
Nicht alles zündet gleichermaßen, dafür ist die Grundstimmung dann doch ziemlich homogen. Gerade die klassischen Interpol-Momente wirken neben den gelungenen Ausflügen in neue Klangwelten mitunter etwas blass. Immer wenn Interpol ihren angestammten Schattenwurf mit frischen Klangfarben und etwas schrägeren Arrangements auf links drehen, blitzt allerdings jene Klasse auf, die ich der Band in dieser Konsequenz gar nicht zugetraut hätte.
Interpol revidieren damit meinen Eindruck aus Mönchengladbach zumindest auf Platte gründlich. Und beweisen nebenbei, dass sie trotz gewisser Ähnlichkeiten in den Klangfarben nicht dem Shoegaze zugerechnet werden sollten. Dafür können sie schlicht zu viel, sobald sie aufhören, auf die eigenen Schuhspitzen zu starren. Für die ganz große Begeisterung reicht es bei "This Mirror Weighs A Ton" zwar nicht durchgehend, für eine überraschend gute und abwechslungsreiche Interpol-Platte aber allemal.
Bewertung: 11/15 Punkten (FF 11, RB 12)
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• Paul Banks - Gesang, Gitarre
• Daniel Kessler - Gitarre, Gesang
• Sam Fogarino - Schlagzeug
• Brad Truax - Bass
Gastmusiker:
• Brandon Curtis - Keyboard, Synthesizer
Surftipps:
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• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Lasoundcheck zur Verfügung gestellt.

