
Progressive Metal • Modern Metal • Progressive Rock
(41:03; Vinyl, CD, Digital; Frontiers Music s.r.l.; 21.08.2026)
Ex-Kollege Dario hat "Origin" 2016 dermaßen abgefeiert, dass es seinerzeit sogar zum Teapot Of The Week gereicht hat. Meine Begeisterung hielt sich dagegen in deutlich überschaubareren Grenzen – ähnlich wie bei Klaus, der Oddland 2024 im Vorprogramm von Soen als kompromisslosen Progressive Metal wahrnahm. Und bei "Origin" hat sich an meiner Einschätzung bis heute auch nicht grundlegend etwas geändert: Das Album ist für mich weiterhin der düstere, druckvolle und kompromisslose Prog-Metal-Brocken der Finnen.
"Vermilion" war dagegen schon damals ein Album, das mich deutlich stärker gepackt hat. Die atmosphärische Seite, die Ruhe, die Dynamik und die ungewöhnlichen Klangfarben mit Keyboards, Saxofon, Sitar und orientalischen Elementen waren mir durchaus bewusst. Heute erscheint mir allerdings noch deutlicher, wie wichtig genau diese Erweiterung des Oddland-Klangkosmos für die Entwicklung der Band war. Denn "Unilluminate To Illuminate" setzt genau dort an und führt diese Idee inzwischen mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Reife weiter, dass das Ergebnis für mich das bislang rundeste Album der Finnen ist.
Das liegt vor allem daran, was hier hinter dem fetten Bass, den druckvollen Gitarren und der komplexen Rhythmik passiert. Oddland schichten ihre Musik geradezu obsessiv, ohne dass sie dadurch überladen wirken würde. Synthies und Saxofon bekommen noch einmal mehr Raum, dazu kommen Percussion, akustische Gitarren, Piano, Streicher, elektronische Klangflächen, Chorgesang und natürlich die Metal-Grundausstattung. Manchmal ist es nur eine kurze Folge einzelner gezupfter oder angeschlagener Töne, ein kleines rhythmisches Detail oder irgendein unscheinbarer Klangfarbenspritzer, der plötzlich dafür sorgt, dass eine Passage deutlich mehr Tiefe bekommt.
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Und das Ganze ist erstaunlich dynamisch. Nach dem gemeinsamen Touren mit Soen scheinen Oddland nicht nur live an Erfahrung gewonnen zu haben, sondern auch ein noch besseres Gespür dafür entwickelt zu haben, wann ein Song Druck braucht und wann er Luft zum Atmen benötigt. Das betrifft auch Sakari Ojanens Gesang. Der ist überwiegend clean, gelegentlich kommen Growls zum Einsatz, und bei einigen Phrasierungen drängt sich inzwischen unweigerlich der Vergleich mit Joel Ekelöf auf. Allerdings ohne dessen gelegentlich arg schmachtende Schwedenschwere. Oddland bleiben wesentlich fester im Prog verankert, wodurch die Gesangslinien eher nach spannungsgeladenem Art-Metal als nach gepflegtem Kuschel-Prog klingen.
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Auch strukturell haben die Finnen aufgeräumt. Elf Stücke in gerade einmal 41 Minuten – für Prog-Verhältnisse beinahe schon eine Frechheit. Kein neuer überlanger Mehrteiler, der erst nach mehreren Jahreszeiten seinen dramaturgischen Höhepunkt erreicht, sondern viele kürzere Songs und Zwischenspiele. Und das funktioniert erstaunlich gut, weil auch die kleinen Stücke ihren Platz im Gesamtkonzept haben. 'Amokinus' eröffnet mit atmosphärischen Sounds, Elektronik, Percussion und Saxofon, 'Soar' entwickelt aus der komplexen Rhythmik heraus einen der stärksten Spannungsbögen des Albums, während 'Unilluminate' und 'Illuminate' das zentrale Motiv des Albums musikalisch ausleuchten.
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Dieses Motiv ist die Polarität von Dunkelheit und Licht. Die Band versteht beides nicht als simple Gegensätze, sondern als voneinander abhängige Zustände: Ohne Dunkelheit kein Licht, ohne Tiefpunkte keine echte Freude. Dazu passt die Kritik an der modernen Jagd nach dem permanenten Dopamin-Kick und der möglichst schnellen Verabreichung von Glück. Das könnte nun ziemlich schnell nach Kalenderspruch mit Klangteppich riechen. Tut es aber nicht, weil Oddland die Idee nicht mit plakativen Pathosbomben zukleistern, sondern in wechselnde Spannungen, Stimmungen und Klangfarben übersetzen.
Besonders schön zeigt sich das bei 'Red Canvas', das mit seinem prominenten Saxofon endgültig klarstellt, dass Oddland inzwischen keinerlei Bedürfnis mehr haben, sich auf die klassische Prog-Metal-Instrumentierung zu beschränken. Überhaupt ist dieses Saxofon mehr als ein exotischer Farbtupfer. Es fügt sich selbstverständlich in den Bandsound ein und erweitert ihn, ähnlich wie schon die ungewöhnlichen Elemente auf "Vermilion". Nur wirkt das hier nicht mehr wie ein Experiment, sondern wie ein völlig natürlicher Bestandteil der musikalischen Sprache.
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Damit sind wir auch wieder bei "Origin". Darios damalige Begeisterung für die technische Seite des Albums kann ich durchaus nachvollziehen: schwere Riffs, komplexe Rhythmen, Präzision, moderne Prog-Metal-Härte. Aber genau diese Dinge interessieren mich bei Oddland inzwischen weniger als die Frage, was sie damit anstellen. Und da hat sich die Band weiterentwickelt. Die Komplexität ist noch immer da, nur muss sie nicht mehr permanent mit dem Holzhammer vorgeführt werden. Sie steckt in den Schichten, in den rhythmischen Verschiebungen, den kleinen Instrumentaleinsprengseln und den Übergängen zwischen Schwere und Atmosphäre.
Das macht "Unilluminate To Illuminate" für mich zum bislang stimmigsten Oddland-Album. Heavy, atmosphärisch, dynamisch, melodisch und vielschichtig – mit reichlich kleinen Farbtupfern, die auch nach mehreren Durchläufen noch etwas Neues aus dem Hintergrund holen. Nicht jeder Song zündet dabei gleich stark, und gerade bei den weniger ungewöhnlichen Passagen verliert das Album gelegentlich etwas von seiner faszinierenden Eigenwilligkeit. Dafür gibt es genügend Momente, in denen Oddland ihren ohnehin schon eigenständigen Sound um neue Facetten erweitern.
Oddland sind damit endgültig an dem Punkt angekommen, an dem ihre Eigenständigkeit nicht mehr daraus entsteht, möglichst komplizierten Prog Metal zu spielen. Sie entsteht daraus, wie sie ihn spielen. Und das ist ein ziemlich großer Unterschied. "Unilluminate To Illuminate" ist ein ausgesprochen gelungenes und eigenständiges Prog-Metal-Album, das die bisherige Entwicklung der Finnen konsequent weiterführt und dabei einige ihrer bislang interessantesten musikalischen Momente hervorbringt.
Bewertung: 13/15 Punkten
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Besetzung:
• Sakari Ojanen - Gesang, Gitarre
• Joni Palmroth - Bass
• Ville Viitanen - Schlagzeug
• Jussi Poikonen - Gitarre
Gastmusiker:
• Teo Pyykkönen - Saxofon
Surftipps:
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• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von cmm zur Verfügung gestellt.

