
Progressive Metal • Sludge Metal • Stoner Metal
(1:05:23; Vinyl (2 LP), CD, MC, Digital; Loma Vista Recordings/Concord/UMG; 28.08.2026)
Mastodon ohne Brent Hinds? Nach "Hushed And Grim" , das für mich bislang den Höhepunkt der Band markiert hatte, war ich zunächst skeptisch. Zumal ich mit den frühen Alben der Band erst spät warmgeworden bin.
"Marrow Deep" wischt diese Bedenken allerdings ziemlich flott vom Tisch. Mit Nick Johnston an der Gitarre und João Nogueira an den Keyboards klingen Mastodon verändert, aber keineswegs entwurzelt. Die Band verbindet progressive Vielschichtigkeit mit ordentlich Druck, kantigen Riffs und psychedelischen Ausflügen. Dabei blitzen immer wieder alte Mastodon-Trademarks auf, ohne dass das Ganze nach nostalgischer Rückschau klingt.
Der tödliche Motorradunfall von Hinds am 20. August 2025 muss für die Band ein einschneidendes Erlebnis gewesen sein. Allerdings war die Ära Hinds bereits im März beendet worden. Seine Stimme und sein Gitarrenspiel fehlen natürlich – klanglich hinterlässt das Spuren. Stilistisch oder qualitativ fehlt diesem Mastodon-Album dagegen überhaupt gar nichts.
Bereits im Opener 'Barbarians Blood' macht João Nogueira mit einem psychedelischen Keyboard-Solo klar, dass er hier mehr als nur ein paar kleine Farbtupfer beisteuert. Seine Keyboards mischen im Mastodon-Sound ordentlich mit und geben den Stücken immer wieder einen herrlich old-school-proggigen Anstrich. Mastodon sind vielleicht so verspielt wie seit "Crack The Skye" nicht mehr, gleichzeitig knallen die Riffs so heavy wie lange nicht. Kein „Back To The Roots“, sondern ein Schritt nach vorne – unter Rückgriff auf alte Stärken.
Und das funktioniert erstaunlich zugänglich. "Marrow Deep" ist komplex, ohne verkopft zu werden, und schwer, ohne unter der eigenen Riffgewalt zusammenzubrechen. Dazu steckt die Platte voller kleiner Details, die unter dem Kopfhörer entdeckt werden wollen.
'Your Ghost Again' bildet den emotionalen Fixpunkt des Albums und ist inhaltlich unmittelbar mit Hinds verbunden. Gerade vor dem Hintergrund seines Todes bekommt der Song eine Wucht, die sich kaum von der realen Geschichte der Band trennen lässt.
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'Out Like A Lamb' punktet mit epischer Gitarrenarbeit, 'In The Ruins' wächst langsam aus melancholischer Ruhe zu einem emotionalen Brocken heran und zeigt Mastodon zwischen Zerbrechlichkeit, Wucht und großer melodischer Klasse, während 'Moth And Bone' zunächst ausgesprochen atmosphärisch daherkommt, gegen Ende aber umso wuchtiger zuschlägt.
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Auch die Gästeliste kann sich sehen lassen. Josh Homme von Queens Of The Stone Age veredelt 'Snakes For Dinner' mit seiner unverkennbaren Stimme.
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Geezer Butler von Black Sabbath ist bei 'The Vanishing' am Bass zu hören. Dazu gesellen sich Joe Duplantier von Gojira, Neil Fallon von Clutch, Randy Blythe von Lamb Of God sowie Nate Newton und Ben Koller von Converge.
Überhaupt: 'The Vanishing' ist für mich das Highlight. Entrückte Atmosphäre, verfremdete Stimme, wunderbar old-school-proggige Passagen, ein episches Gitarrensolo – und dann plötzlich Growls und die Härteschraube auf Anschlag. Dass dabei unweigerlich 'Planet Caravan' im Hinterkopf herumspukt, dürfte bei Geezer am Bass kein Zufall sein.
'The Three Fates' überrascht gegen Ende noch mit Jazz-Elementen, wie man sie von Mastodon schon lange nicht mehr in dieser Form gehört hat.
Obwohl ich "Hushed And Grim" geliebt habe, hatte die fast anderthalbstündige Angelegenheit doch die eine oder andere Länge. "Marrow Deep" gefällt mir deshalb sogar besser: Die Songs kommen stärker auf den Punkt, die gute Stunde rauscht vorbei, ohne dass dabei musikalische Tiefe oder Experimentierfreude auf der Strecke bleiben. Hier gibt es deutlich weniger Gelegenheit, zwischendurch mal gedanklich den Müll rauszubringen.
Natürlich fehlen Hinds’ Stimme und Gitarrenspiel. Das lässt sich weder wegdiskutieren noch einfach ersetzen. Mastodon haben sich jedoch neu sortiert, ohne ihre Vergangenheit über Bord zu werfen oder Hinds kopieren zu wollen. Alte Stärken, neue Impulse, ordentlich Wumms – und verdammt viel Lust am musikalischen Ausprobieren. Kein „Back To The Roots“, sondern ein ziemlich überzeugender Schritt nach vorne.
Bewertung: 13.5/15 Punkten
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Besetzung:
• Troy Sanders - Bass, Gesang
• Brann Dailor - Schlagzeug, Gesang
• Bill Kelliher - Gitarre, Hintergrundgesang
• Nick Johnston - Gitarre
• João Nogueira - Keyboards
Gastmusiker:
• Josh Homme - Gesang ('Snakes For Dinner')
• Ben Koller - Schlagzeug ('Barbarians Blood')
• Randy Blythe - Gesang ('A Vampire's Demeanour')
• Nate Newton - Bass ('A Vampire's Demeanour')
• Geezer Butler - Bass ('The Vanishing')
• Joe Duplantier - Gesang, Gitarre ('The Vanishing')
• Neil Fallon - Gesang, Rhythmusgitarre ('The Three Fates')
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

