Retro Rock • Retro Pop
(69:56; Vinyl, CD, Digital; No Coincidence Records/Eigenvertrieb; 12.06.2026)
Das sechste Album der US-Amerikaner erschien im Juni und ist in unserem Jahrzehnt alles andere als modern. Außer man ist voll auf dem Nostalgietrip der 80er Jahre, als die Welt und die Mode so schön bunt waren und die Musik fluffig-poppig. Und tanzbar. Und radiotauglich, aber nicht eindimensional wie heute. Und man spielte noch Vinyl ab. Und überhaupt ist Retro doch wieder voll angesagt. Auch Vinyl. Die Welt war da noch in Ordnung und die Menschen (ohne Social Media) umgänglicher, toleranter und weniger verbissen. Naja, wer das alles einfach so glaubt, hat damals nicht gelebt. Einiges aber stimmte schon....... Vinyl zum Beispiel war klangmäßig wesentlich besser als viele Musikfans das heute wahrhaben wollen. Bis sie Vinyl mal wieder auf einer guten Anlage hören.
Goose entführen uns in unsere eigene Vergangenheit. Sie vermischen eingängigen Pop mit Funk und manchmal einem kleinen bisschen Soul und packen das Ganze in eine absolut cleane Produktion. Diese dürfte hartgesottenen Progfans natürlich nicht schmecken, aber ehrlicherweise muss jeder Musikfan zugeben, dass er hier ein Album mit einer unfassbaren Klangqualität vorliegen hat. Die Bässe sind stets präsent, das Schlagzeug, erstaunlicherweise ganz im Gegenteil zu den 80ern sehr trocken und überhaupt nicht gekünstelt fett, die Stimme leicht hallig und so ist die gesamte Produktion einfach perfekt. Bereits der Titeltrack zu Beginn würde heutzutage noch jede größere Disco zum Beben bringen. Und wenn das als Single veröffentlichte 'Good2B' erklingt, erinnern mich die Percussions an Joe Jackson in seiner "Night & Day"-Phase. Auch er legte Wert auf absolut perfekten Klang und eingängige aber dennoch durchdachte und hochwertige Kompositionen.
Doch trotz aller Verknüpfungen mit dem Sound der 80er schimmert zwischendurch auch mal die Gitarre durch und soliert sich teils erstaunlich heftig durch einige Tracks. Das ist jetzt zwar immer noch weit entfernt von hartem Rock oder Prog, hat aber durchaus tolle Momente.'Torero' als zweite Single zeigt in etwa den Weg, den man gehen kann zwischen Anspruch und Pop. Modern zwar, aber teils auch fest auf den Putz hauend. Außerdem kennt die Band ihre Vorbilder. Wer beim Track 'Pop' nicht sofort an die skandinavische Band a-ha denkt, der hat nicht in den 80ern gelebt. Doch auch hier schaffen sie es, den Track im Mittelteil zu kippen und teils in proggig-aggressive Töne zu verwandeln. Ähnlich an Prog erinnert auch 'savengerspell'. Das Instrumental erinnert durch seine Gitarre an die in den 70ern und 80ern erfolgreiche niederländische Band Focus. Jan Akkerman lässt hier grüßen.
Bleibt mir noch, ein Wort zum Longtrack 'Salt' loszuwerden. Hier zeigt die Band, dass sie auch in langen Tracks überzeugen kann. Der Hauch von teils heftigem Prog weht hier durch den Song und dennoch integriert er sich mühelos auf dem Album. Das darauf folgende 'Nocturne' vervollständigt dann meine Gedanken, dass die Band trotz allem nostalgischen Poprock tatsächlich auch im Prog einen Fuß in der Tür hat.
"Big Modern!" ist ein sehr abwechslungsreiches und vielfältiges Album, das sich trotz vieler eingängiger Kompositionen nicht so schnell abnutzt. Es hat einfach seine ganz magischen Momente und, ehrlich gesagt, ich höre lieber gut gespielten Rock mit Niveau und Popappeal als schlechten Prog. In diesem Sinne sollten unsere Leser sich mal ran trauen.
Bewertung: 11/15 Punkten
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