Nordic Art Pop • Folk • Experimental
(35:38; Vinyl, CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 27.02.2026)
Irgendwo zwischen Björk, Anna von Hausswolff und Emma Ruth Rundle sind diese sehr nordischen 36 Minuten zu verorten. "Verbrenne meine Erde" – so der Albumtitel übersetzt – erzählt von Orten, an denen man aufwächst, von denen man aber weiß, dass man sie lieber längst verlassen sollte und doch zieht es einen immer wieder dorthin zurück. Erinnerungen, Identität, Umbruch und Wiederaufbau sind Themen dieses hypnotisch musikalischen Statements.
Mit vielen Fragmenten, Stimmungen und Tonarten lässt sich die Künstlerin in keinster Weise eindeutig verorten. Ob Klangmalereien zwischen nordischem Bombast, hypnotischen Drones und sensiblen Ambient-Versatzstücken – hier findet und schraubt sich alles Stück für Stück ineinander, spielt und musiziert sich hörspielartig für Freunde der dunkel-atmosphärischen Nische schnell ins Herz.
Mit minimalem Piano, dunkel-schwedischem Gesang eröffnet man das Album ('Riv Mig'). Ein kurzer orchestraler Rausch schafft ein überraschendes Crescendo, die eigenwilligen Vocals erinnern mich an die spezielle Sangeskunst einer Sarah Mary Chadwick. 'Innen Malen Hittat In' hat dieses kaputte Slo Mo Blues/Folk Feeling, welches Bands wie die frühen Swans oder auch eine von Hausswolff gerne auf früheren Alben zur Schau stellten. Ein Hauch Noise, Industrial und Avantgarde schleicht sich gern in die Sounds hinein, wird aber nie zum Zerstörer des harmonischen Kerns im jeweiligen Stück.
Die Künstlerin hat mit einigem Aufwand sämtliche lokale Tänzer/Künstler ihrer Heimatstadt in die Entstehung dieses Albums involviert, sodass viele Klangfarben, Modulationen, Schreie, kurze avantgardistische Zwischenspiele und Field Recordings für das musikalische Spiel zwischen Licht und Schatten, Tristesse und Zärtlichkeit verschiedenste Ausdrucksformen fanden. 'Alla Mina Namn' ist leise, nordisch atmosphärisch..einfach nur wunderschön zerbrechlich. Düsteres Piano, ambiente Sequenzen/Fragmente sind von manch transzendentem Ulver-Moment nicht weit entfernt. Leider hier und da viel zu kurz, sind gerade die vorsichtig jazzig-trippigen, organischen Drum-Spielereien ein hypnotisches Magnetfeld.
'Det Blev Våra Liv' – mein absoluter Liebling – macht gleich mit dieser Art elektronischem Trip Rock weiter. Emotionale, sehr einnehmende Vocals, bombastisch klassische Elemente – am Ende trifft Susanne Sundfør auf mittlere Ulver..großartig. Björk mit schwedischem Gesang - so höre und fühle ich den eigenwillig, schwebend-orchestralen Titelsong. Der sanft-progressive, verspielt jazzige Rock-Sound vibriert und tänzelt die ganze Zeit und mit all den kleinen, schräg-experimentellen Gimmicks im Sound ergibt dies eine ganz eigene versponnene Märchenwelt. Feierliche Bläser geleiten den Hörer aus dem Album – einfach nur typisch skandinavisch.
Für mich ist "Bränn Min Jord" eine wunderbare Alternative zum Schaffen der Anna von Hausswolff, Emma Ruth Rundle und vielen anderen nordischen Eigenbrötlern. Nie zu schräg und zu weit draußen – immer mit ätherisch fordernden Melodien – wird es Freunde der Nische niemals überfordern. Stattdessen verliebt man sich schnell nach einigen Anläufen in diese individuelle, sehr intime Klang-Matrix.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Klara Andersson - vocals, electronics, synthesizers, guitar, bass,
choir, piano, field recordings
• Liam Amner - drums and percussion
• Lars Bylund - vocals on ‘Alla mina namn’, ‘Sång till ventilation’
and scream on ‘Skogsskrik 1’
• John Borglund - EPA driver on outro to ‘Det blev våra liv’
• Petter Eriksson - bass, guitar
• Stefan Isebring - self-built hurdy-gurdy on ‘Innan malen hittat in’
• Erik Natanael Gustafsson - brass and woodwind orchestration
• Samuel Reitmaier aka DAYDREAMER - remix of ‘Det blev våra liv’
• Nathalie Ruiz - movement and body percussion on ‘Innan malen hittat in’
and ‘Bränn min jord’
• Jimi Vall Peterson - body percussion on ‘Det blev våra liv’
• Amanda Zoric Wikholm - voice on ‘Stigen’ recorded at 24h Oskarström
Våxtorp-Båstad blåsarensemble - wind orchestra on ‘Riv mig’
and ‘Det djur som är du’
• Sennan Brass - brass orchestra playing hymn 414 ‘Led milda ljus’ on ‘Avslutning’
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Lauren/Rarely Unable zur Verfügung gestellt.


