
Progressive Rock • Psychedelic Rock • Space Rock
(37:27; CD; Hard World; 04.09.2026)
Wer nach dem Konzert von Voyage 35 noch eine kleine akustische Zeitreise mit nach Hause nehmen möchte, bekommt mit "Departures" die passende Souvenir-CD in die Hand gedrückt. Und zwar wirklich nur dort: Die Mini-CD gibt es derzeit exklusiv auf der Europa-Tournee. Fünf Stücke sind darauf versammelt: mit 'The Nostalgia Factory', 'Signify' und 'Dark Matter' drei Neuinterpretationen von Porcupine-Tree-Stücken aus den Delerium Years sowie 'Even Less' vom 1999er "Stupid Dream". Dazu kommt ein Binaural-Mix von 'The Nostalgia Factory'. Also vier unterschiedliche Songs plus eine alternative Fassung – für den Sammler durchaus Pflichtprogramm, für alle anderen eine ziemlich kleine Portion Musik.
Dabei ist das Prinzip durchaus reizvoll. Colin Edwin, John Wesley, Lorenzo Esposito Fornasari und Alessandro Vagnoni spielen das alte Porcupine-Tree-Material nicht einfach nach, sondern verpassen ihm den Sound ihrer aktuellen Band. Edwins Fretless-Bass ist ein gewichtiger Anker, Wesleys Gesang oft erstaunlich nah an Wilsons Original, während Lef mit Keyboards und Gesang zusätzliche Farbe hineinbringt und Vagnoni das Ganze ordentlich nach vorne treibt. Lefs deutlich grungigere, rauere Stimme ist dabei allerdings gewöhnungsbedürftig. Gerade mit den Wilson-Originalen im Ohr braucht es ein paar Durchläufe, bis diese andere vokale Farbe selbstverständlich wirkt.
'The Nostalgia Factory' ist als Einstieg geradezu programmatisch. Die psychedelisch-surrealen Lyrics mit Raupe, angeschwollenem Kopf und einer ziemlich aus den Fugen geratenen Welt passen bestens zu diesem entrückten Stück. Die neue Version bewahrt den Charakter, klingt aber organischer und unmittelbarer.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
'Signify' und 'Dark Matter' profitieren ebenfalls vom kräftigen Bandgefüge. Groove und Zusammenspiel machen deutlich, dass Voyage 35 hier keine Porcupine-Tree-Platte nachbaut. Die Veränderungen bleiben allerdings überschaubar – der Reiz liegt vor allem darin, die bekannten Songs in dieser Besetzung neu zu hören.
'Even Less' erweitert den zeitlichen Horizont bis "Stupid Dream" und passt mit seiner melancholischen Grundstimmung erstaunlich gut in dieses Programm. Besonders reizvoll ist, dass Edwin hier seine eigene Geschichte mit dem Stück weiterschreibt: Er war bereits auf der ursprünglichen Aufnahme dabei. Trotzdem klingt die neue Version nicht nach Wiederholungsschleife, sondern nach einer Band, die den Song heute anders fühlt und spielt. Lefs rauere Stimme bleibt auch hier gewöhnungsbedürftig, gibt dem Stück aber eine eigene Färbung.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Genau darin liegt der Reiz von Voyage 35: Die vier Musiker behandeln die alten Songs mit Respekt, aber nicht mit musealer Ehrfurcht. Niemand versucht, das Rad neu zu erfinden – und das muss hier auch niemand. Die Chemie der Besetzung und die hörbaren Eigenheiten machen aus den Stücken mehr als bloße Kopien.
Der Binaural-Mix von 'The Nostalgia Factory' ist eine nette Dreingabe, aber kein eigenständiger Kaufgrund. Und damit sind wir beim Problem von "Departures": So gelungen die vier Neuinterpretationen sind, so schnell ist die Reise wieder vorbei. Das Artwork sieht "Voyage 34" zum Verwechseln ähnlich, die exklusive Tour-Veröffentlichung unterstreicht den Sammlercharakter zusätzlich. Als eigenständige Veröffentlichung bleibt "Departures" damit eher Appetithappen als vollwertiges Album.
Was Voyage 35 live aus diesen Songs macht, ist bereits eindrucksvoll. Auf Tonträger ist "Departures" bislang eher der Beleg für eine hervorragend funktionierende Besetzung als der Beweis für ein langfristig eigenständiges musikalisches Kapitel. Für die große Abfahrt braucht es dann doch etwas mehr als vier alte Songs und einen Binaural-Mix.
Bewertung: 11/15 Punkten
Tracklist:
- 'The Nostalgia Facotory' (8:27)
- 'Even Less' (6:50)
- 'Signify' (5:25)
- 'Dark Matter' (8:19)
- 'The Nostalgia Facotory (Binaural Mix)' (8:26)

Besetzung:
• John Wesley - Guitar & Vocals
• Lorenzo Esposito Fornasari AKA Lef - Keyboards & Vocals
• Colin Edwin Fretless Bass
• Alessandro Vagnoni - Drums, Percussion & Backing Vocals
Surftipps:
• Homepage
• Bandcamp
• YouTube
• Wikipedia
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Abbildungen: Voyage 35

