Cinematic Progressive Metal
(39:51; Vinyl, CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 08.08.2026)
Bärenstark und absolut überraschend durchkreuzt diese Platte meine Pfade und schnell läuft sie im Dauer-Repeat. Emotional, kraftvoll, ausufernd, majestätisch finden die Briten einen leidenschaftlich wühlenden Ausdruck, der sich weit, erhaben, mächtig und voller Intensität ganz direkt ins Herz spielt.
Ein schwerer, sehr verdichteter Klang, voller Dynamiken, Riffs, epischer Melodien und einer beseelten Stimme, die diese Akkorde über Berge und Klippen trägt. Ich sehe bei dieser Musik ohne viel Anstrengung die weiten, niemals endenden Küsten des Atlantiks in Irland vor mir, wie sie sich kilometerlang im Regen machtvoll aufstellen und Jahrtausende überdauern. Pathetisch? Auf alle Fälle!
Diese knapp 40 Minuten vereinen auf strange Weise progressive Doom-Metal-Einflüsse von Iotunn bis hin zu rockigen, schweren Grunge-Elementen, Mastodon'sche Post-/Prog-Sounds und einen Sänger, der mich an Matt Page von Dream The Electric Sleep erinnert. Meist werden die eindringlichen Melodien in mehrstimmiger Form präsentiert und es ist immer wieder erhebend, wie das Bollwerk von Sound-Teppich mit Samples, Streichern und einer beständigen Kraft voranschreitet, die so richtig leise Parts nie zulassen möchte.
Stattdessen wogt ein Füllhorn an Arrangements und großen Melodien über's tosende Meer – eine schwer zu stillende Sehnsucht treibt die Mannen an und immerzu laufen Schauer von Gänsehaut durch den Körper. Die Band aus South Wales schaut stolz und wehmütig in die eigene Geschichte zurück, weiß in Stücken wie 'Clychau Arian/Celyn' vom versunkenen walisischen Atlantis Cantre'r Gwaelod zu berichten. Hier werden passende folkloristische weibliche Chöre ins Spiel gebracht.
Im abschließenden 'In The Voice Of Rhodri Mawr' intoniert man walisische/englische Weisen berühmter Figuren des Landes und weiß einmal mehr, starke, stolze heimatliche Gefühle im emotionalen Ausdruck zu manifestieren. Wie die Waliser sämtliche härteren Stilistika wie Sludge, Progressive, Folk, Post und Grunge im bandeigenen Sound verschmelzen, das hat eine beeindruckende Tiefe und sollte jeden, der offene Ohren für eigenständig atmosphärische Metal-/Rock-Klänge mitbringt, neugierig machen. Große, ausufernde, cinematische Klänge, ein beseeltes Stück Musik und ich fühle mich mehr als überrollt. Ähnlich dem The Anaton Project werde ich hier mit Bildern, symphonischen Parts und tollen Melodien weit hinausgetragen.
Bewertung: 14/15 Punkten
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Abbildungen: HAAST/Bandcamp


