
Sludge • Black Metal • Hardcore • Death Metal
(13:28; Vinyl (10"), CD, Digital; Pelagic Records/Cargo; 06.02.2026)
"Atoned In Metamorphosis" in der Doppelbetreuung
Teil 1: Carsten Agthe
Nach dem Album "Seven Keys To The Discomfort Of Being" (noch auf Century Media) nun das Kleinformat, das es vom Potential und der innewohnenden Power durchaus mit dem Debütalbum aufnehmen kann. Hier debütiert erst einmal Bassistin Kris Auman (EndlingR), die durchaus als ein Zugewinn für die Band um Lennart Bossu (Amenra, Oathbreaker) und Sängerin Lina R (Cross Bringer) gewertet werden kann. Derweil Gitarrist Thijs Decloedt (Aborted, Cobra The Impaler) und Schlagzeuger Vincent Verstrepen (Carnation) das fast schon als Supergroup des Sludge zu wertende Ensemble komplettieren, stürzen sich Predatory Void in eine neue Phase ihrer Karriere, indem galant sie anzeigen, dass es durchaus noch ein paar Stufen intensiver und heftiger geht. Sängerin Lina R steigert sich von Clean Vocals in Screams und Grunts und zeigt uns, wo Barthel den Most holt, währenddessen die Band um sie herum ein wahrhaftes Feuerwerk aus Post- ('Make Me Whole'), Black ('New Moon', 'Contemplation In Time') und Death Metal ('Peeling Cycle') zündet. Auf jeden Fall reichen diese knapp 15 Minuten für ein Statement in anheimelnder Kompromisslosigkeit und sind fürs erste auch genug!
Bewertung: 9/15 Punkten
Teil 2: flohfish
Wenn in Belgien jemand „Supergroup“ sagt, ist der Weg zur nächsten Church of Ra-Messe bekanntlich nicht weit. Predatory Void liefern mit "Atoned In Metamorphosis" eine 4-Track-EP ab, die ihre Energie nicht mehr in Kathedralenform gießt, wie etwa mit 'Funeary Vision', sondern in vier präzise gesetzte Schnitte. Verdichtung statt Weihrauch.
Gegründet 2021 von Lennart Bossu (u.a. Amenra, Oathbreaker) als pandemisches Schreibventil, ist die Band inzwischen eine fokussierte Abrissbirne. Nach einer Rochade – Tim De Gieter konzentriert sich bekanntermaßen auf Doodseskader – wirkt das Line-up geschärft.
Was mich bei Predatory Void ohnehin immer packt, sind die Kontraste – vor allem zwischen Clean-Gesang und gutturalem Ausbruch. Der Opener 'Make Me Whole“' zelebriert das geradezu: ein langer, clean gesungener Einstieg, der Atmosphäre aufbaut, Spannung schichtet, die Luft anhält – und dann fährt plötzlich der Luzifer persönlich durchs Gebälk. Dieses Spiel mit Erwartung und Eskalation beherrschen sie inzwischen mit chirurgischer Präzision.
Überhaupt ist das Wechselspiel der Stimmen der große Trumpf der EP. Kris Auman erweist sich als klarer Zugewinn – nicht nur am Bass, sondern im Dialog mit Lina R. Wo Lina anklagt, leidet, beschwört, setzt Auman dunkle Kontrapunkte. Das wirkt weniger wie Backing Vocals und mehr wie ein innerer Disput über Schuld und Selbstannahme. Konzept und Umsetzung greifen hier endlich nahtlos ineinander.
Musikalisch bleibt man im Spannungsfeld aus Sludge, Doom, Black Metal, Death Metal und Hardcore. Reverb-getränkte Flächen kippen in metallische Eruptionen, das Schlagzeug pendelt zwischen kontrollierter Hysterie und Vulkanausbruch, Riffs dürfen atmen – nur um im nächsten Moment alles einzureißen. Stille wird als Waffe eingesetzt, nicht als Lückenfüller.
Keine zehnminütigen Death-Doom-Kathedralen mehr wie auf dem Debüt, keine ausufernden Peaceville-Verneigungen – stattdessen Disziplin, Zuspitzung, kontrollierte Eskalation. "Atoned In Metamorphosis" ist keine Fluchtmöglichkeit, sondern eine Konfrontation. Und sie tut genau das, was gute Transformation tun soll: wehtun.
Bewertung: 11/15 Punkten

Besetzung:
• Lina R - vocals
• Lennart Bossu - guitar
• Kris Auman - bass, vocals
• Thijs Decloedt - guitar
• Vincent Verstrepen - drums
Surftipps:
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• Wikipedia
• Predatory Void
Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Hold Tight zur Verfügung gestellt.

