Molybaron – Something Ominous

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Molybaron - Something Ominous (InsideOutMusic/Sony Music, 15.09.2023) COVER(37:36; Vinyl, CD, Digital; InsideOutMusic/Sony Music, 15.09.2023)
Molybarons Zweitling “The Mutiny” war für den Autor dieser Zeilen die Überraschung des Jahres 2021 schlechthin, denn ihnen war ein Album voller massentauglicher Rock-Hits gelungen, das in bester Tradition von Alben wie “Mezmerize”(System Of A Down), “Origin Of Symmetry” (Muse), “Puzzle” (Biffy Clyro) und Therapy?s “Troublegum” stand. Leider blieb “The Mutiny” einer größeren Öffentlichkeit verborgen. Nicht aber InsideOut Music. Denn das Label nahm die Franzosen und ihren irischen Sänger wenig später unter Vertrag und brachte “The Mutiny” im Jahre 2022 als Re-Issue auf den Markt. Ein Jahr später haben Gary Kelly (Gesang und Gitarre), Sebastien De Saint-Angel (Bass) und Camille Greneron (Schlagzeug), zusammen mit Neuzugang Florian Soum (Lead-Gitarre) endlich nachgelegt und “Something Ominous” veröffentlicht. Zudem steht eine Europa-Tournee als Support-Act von Soen kurz bevor. Ein Slot, der Molybaron die Möglichkeit eröffnet, sich in die Herzen eines größeren Publikums zu spielen. Dass sie das Potenzial hierfür haben, das haben sie nicht nur mit “The Mutiny” bewiesen, sondern auch mit ihrem Auftritt bei der diesjährigen Headbangers Parade in Den Bosch. Die einzigen Fragen, die da noch offenbleiben, sind die nach der Qualität und der stilistischen Ausrichtung des aktuellen Songmaterials. Können Molybaron mit “Something Ominous” das Niveau des Vorgängers aufrechterhalten? Schlagen die neuen Stücke musikalisch in eine ähnliche Kerbe oder können die Franzosen sogar mit einer stilistischen Neuausrichtung überraschen?
Zeit also, sich “Something Ominous” einmal näher zu Gemüte zu führen.
Um es vorwegzunehmen: Molybaron machen genau dort weiter, wo sie mit “The Mutiny” aufgehört haben. Sowohl was die Qualität der Stücke betrifft als auch bei deren Stil. Überraschungen hingegen sucht man auf “Something Ominous” leider vergeblich. Dafür findet man umso mehr Killer-Riffs, Melodien, die sich in den Gehörgängen festsetzen und Gesangslinien zum Niederknien.

Schon der Titeltrack ‘Something Ominous’ als Opener stellt dies unter Beweis und lässt binnen Sekunden erkennen, aus wessen Feder dieses Stück stammt. Der Klang der Saiteninstrumente, deren Wucht und Energie sowie das ganz besondere Timbre in der Stimme von Gary Kelly sind einfach unverkennbar Molybaron. Und dazu noch dieses wunderbare Solo von Neu-Gitarrist Florian Soum

Wie schon “The Mutiny” ist auch das dritte Album der Band recht abwechslungsreich. ‘Set Allright’ betört durch Streicher-Synthies, über den der Gesang Kelly wie ein Ein-Mann-Chor thront. Ein Stück, das durch seine Erhabenheit glänzt und gleichzeitig fett und wuchtig wie ein Vorschlaghammer wirkt.

Noch druckvoller geht es mit ‘Billion Dollar Shakedown’ und seinem straight-forward Metal weiter. Live wahrscheinlich ein Banger, aber weit entfernt von dem Hit-Potential des folgenden Stückes. Getragen vom treibenden Bass-Spiel Sebastien De Saint-Angels und geprägt vom Wechselspiel zwischen Gitarren-Riffs und tröpfelnden Klavier-Noten sind Moshpits bei künftigen Konzerten schon jetzt vorprogrammiert. Cause it’s just another fucking ‘Breakdown’!

Und auch ‘Anyway’ hält dieses Level aufrecht, High-Energy-Riffing und sich schnell einprägende Melodien. Ein weiterer Banger.

Zeit, um einen Gang zurückzuschalten, was Molybaron mit ‘Daylight Dies In Darkness’ dann auch machen. Eine bluesige Ballade, bei der Gary Kellys Stimme im Mittelpunkt steht und aufgrund ihres Timbres für wahre Gänsehautmomente sorgt. Ein Stück, das sich langsam aber sicher in Richtung Mid-Tempo aufschaukelt und letztendlich in einem kurzen aber prägnantem Gitarren-Solo gipfelt.

Mit dem sehr dynamischen ‘Dead On Arrival’ lassen Molybaron das Balladeske dann wieder hinter sich und machen noch peitschender weiter als
das Album begonnen hatte um kurz darauf in Richtung Pop Metal abzudriften, denn in ‘Pendulum’ treffen sich zuckersüße Melodien, ganz viel Pathos und messerscharfes Riffing. Eine Mischung, die jeden Soen-Fan erfreuen dürfte.

Dass es auf “Something Ominous” wirklich nichts Neues geben wird, dafür aber eine extra Portion Orwürmer, das wird dem Molybaron-Fan dann spätestens beim vorletzten Stück ‘Reality Show’ klar.

Das abschließende ‘Vampires’ war schließlich schon frühzeitig als erste Single ausgekoppelt und bereits live aufgeführt worden. So lassen die Franzosen ihr Album also mit zwei Stücken ausklingen, die in bester Band-Tradition stehen.

“The Mutiny” Part 2 möchte man dieses Album da fast schon nennen, obwohl das Hit-Potential der einzelnen Stücke vielleicht nicht ganz so hoch ist. Würde man “The Mutiny” nicht kennen, so könnte man von diesem Album genauso begeistert sein wie von seinem Vorgänger. Als Redakteur einer Webseite für progressive Musik hätte ich mir dagegen etwas mehr Wagemut gewünscht. Aber das ist vielleicht ein wenig zu viel der Erwartung gewesen. Insbesondere für eine Band, deren erster Opening-Slot im Vorprogramm einer renommierten Band noch aussteht Joel Ekelöf, Oleksii Kobel, Cody Ford und Lars Åhlund sollten sich auf ihrer kommenden Tour jedenfalls besser ganz warm anziehen.
Bewertung: 12/15 Punkten (FF 12, KR 11)


Molybaron - Something Ominous (InsideOutMusic/Sony Music, 15.09.2023)
Besetzung:
Gary Kelly (Gesang und Gitarre)
Florian Soum (Lead-Gitarre)
Sebastien De Saint-Angel (Bass)
Camille Greneron (Schlagzeug)

Diskografie (Studioalben):
“Molybaron” (2017)
“The Mutiny” (2021)
“Something Ominous” (2023)

Molybaron - Something Ominous (InsideOutMusic/Sony Music, 15.09.2023)

Credit: Teddy Masson

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Rezensionen:
“The Mutiny” (2021)

Live- & Festivalberichte:
15.01.23, ‘s-Hertogenbosch (NL), Mainstage Brabanthallen, Headbangers Parade #1


Abbildungen:
Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Molybaron – Something Ominous

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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