Molybaron – The Mutiny

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Molybaron – The Mutiny (Editions Hurlantes/Seaoson Of Mist, 21.05.21)(44:37, CD, Vinyl, Digital, Editions Hurlantes / Season Of Mist, 2021)
Whitfield Crane: ein Name, der mir sofort ins Auge stach, als ich ihn in den Credits von „The Mutiny“ entdeckte, dem aktuellen Album der Progressive Alt-Metal-Formation Molybaron. Denn Crane ist, im Gegensatz zum irisch-französischen Quartett, kein Unbekannter mehr. Zuletzt öffentlichkeitswirksam in Erscheinung getreten war er, als er Ende der 90er die Nachfolger von Keith Caputo bei Life Of Agony antrat. Seine größten Erfolge hatte der Sänger jedoch vor knapp 30 Jahren feiern können, als er mit seiner Band Ugly Kid Joe und Hit-Singles wie ‚Everything About You‘, ‚Neighbour‘ und dem Harry Chapin-Cover ‚Cats In The Cradle‘ die weltweiten Charts eroberte. (Anm. des Autors: In einer früheren Version des Artikels war fälschlicherweise Cat Stevens als Originalkünstler angegeben.) Sie alle stammten vom Debütalbum der Band aus North Hollywood: „Americas Least Wanted“, einer Scheibe, auf der sich ein Ohrwurm an den nächsten reiht und das bei vielen Musikfans noch heute Kultstatus besitzt. Meine Aufmerksamkeit war geweckt, doch hatte ich kaum damit gerechnet, dass mich „The Mutiny“ noch stärker begeistern würde als seinerseits „Americas Least Wanted“. Doch das Album besitzt Hit-Potential, das einen leicht in die Abhängigkeit treibt.

Molybaron haben mit „The Mutiny“ etwas vollbracht, zu dem nicht viele Bands in der Lage sind, nämlich technisch anspruchsvolle Musik mit süchtig machenden Hooklines zu verbinden. Bestes Beispiel hierfür ist der Opening Track ‚Animals‘, welcher, in bester System Of A Down-Manier, sägend-druckvolle Riffs, fette Grooves, eingängige Melodien, beeindruckend flexible Stimmakrobatik und freudige La-Lala-Lala-La-Lala-Lala-Passagen miteinander verbindet.

Doch sprechen wir hier nicht von nur ein oder zwei herausragenden Singles, sondern von einer Aneinanderreihung zehn ‚massentauglicher‘ Rock-Hits, die in bester Tradition von Alben wie „Mezmerize“ (System Of A Down), „Origin Of Symmetry“ (Muse), „Puzzle“ (Biffy Clyro) und Therapy?s „Troublegum“ stehen. Gleichzeitig klingen Molybaron jedoch auch um Weiten reifer, abwechslungsreicher und progressiver als noch auf ihrem selbsbetitelten Erstlingswerk aus dem Jahre 2017, das stark von Bands wie Mastodon und Clutch geprägt war.

Denn Molybaron vermögen es, unterschiedlichste musikalische Einflüsse in ihren Stücken zu verarbeiten und diese in ihren bandtypischen Sound einfließen zu lassen, den sie auf „Molybaron“ begründeten. Das Spektrum reicht dabei von metallisch-hymnenhaftem Irish-Folk-Punk in Form von ‚Amongst The Boys And The Dead Flowers‘, bei dem Molybaron den Gefallenen des Ersten Weltkriegs Tribut zollen…

…über einen thrashlastigen Nackenbrecher wie ‚Slave To The Algorithm‘, das balladesk angehauchte Groovemonster ‚The Lighthose‘, über Muse-artigen Stadionrock in Form von ‚Prosperity Gospel‘ und leicht symphonisch angehauchten ‚The Hand That Feeds You‘ bis schließlich hin zum düsteren Bass-Orgasmus namens ‚Something For The Pain‘.

Und dass Molybaron bei der Up-Tempo-Single ‚Twenty Four Hours‘ sogar stellenweise an die anfangs erwähnten Ugly Kid Joe erinnern, ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass Sänger Gary Kelly hier mit Whitfield Crane im Duett antritt, sondern auch seiner eingängigen Gitarrenmelodie.

Highlight des Albums ist jedoch, neben dem eingangs erwähnten ‚Animals‘, das bereits im April 2020 erschienene ‚Lucifer‘, das so verdammt noch mal Kick Ass ist, dass mir kaum weitere Worte dazu einfallen.

Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW20/2021

Da ist es dann auch nicht schade, wenn man nach knapp 45 Minuten mit dem Ende von ‚Ordinary Madness‘ auch das Ende der Scheibe erreicht hat, da dieser Song einen auf solch hohem Adrenalin-Niveau zurücklässt, dass man am liebsten gleich wieder von vorne anfängt.

Um es mit einem Satz zusammenzufassen: für mich hat „The Mutiny“ das Zeug zum Klassiker.
Bewertung: 14/15 Punkte

Molybaron – The Mutiny (Eigenveröffentlichung/Seaoson Of Mist, 21.05.21)
Tracklist:
1. ‚Animals‘ (5:22)
2. ‚Lucifer‘ (3:23)
3. ‚Amongst The Boys And The Dead Flowers‘ (4:13)
4. ‚Prosperity Gospel‘ (4:14)
5. ‚The Lighthouse‘ (4:37)
6. ‚Slave To The Algorithm‘ (4:51)
7. ‚Something For The Pain‘ (4:09)
8. ‚The Hand That Feeds You‘ (4:10)
9. ‚Twenty Four Hours‘ (4:54)
10. ‚Ordinary Madness‘ (4:44)

Besetzung:
Gary Kelly (Gesang und Gitarre)
Steven Andre (Gitarre)
Sebastien De Saint-Angel (Bass)
Camille Greneron (Schlagzeug)

Gastmusiker:
Whitfield Crane (Gesang – Track 9)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Incendia Music zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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