Crown – The End Of All Things

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rown – The End Of All Things (Pelagic Records, 16.04.21)

Credit: Maks L.

(45:44, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records, 2021)
Manchmal begehen Bands musikalische Quantensprünge, mit welcher sie ihren Klang auf derart drastische Weise verändern, dass es für viele Fans nur schwerlich nachvollziehbar ist. Und genau so verhält es sich mit dem neuesten Album der Colmarer Gruppe Crown, denn „The End Of All Things“ ist für die Elsässer ungefähr das, was „Host“ im Jahre 1999 für Paradise Lost war. Natürlich kann man die die Genres, aus welchen die Engländer und die Franzosen stammen, nicht wirklich miteinander vergleichen. Denn während Paradise Lost in ihren Anfangstagen Gothic Metal spielten, waren Crown bislang vor allem für Industrial Metal mit extremen Gesangseinlagen bekannt. Und doch sind die Parallelen zwischen „Host“ und The End Of All Things“ nicht von der Hand zu weisen, denn beide Alben stellen die Öfnnung der jeweils bandtypischen Sounds für Einflüsse aus New Wave, Dark Wave und EBM dar, die mehr als einmal an Depeche Mode erinnern.

Zwar ist auch „The End Of All Things“ mit seiner Finsternis und inustriellen Kälte noch immer unverkennbar Crown zuzuordnen, doch klingt die Musik des Trios – bestehend aus Stephane Azam (Gesang, Gitarren, Synths, Samples, Schlagzeug-Programmierung, Orgeln), David Husser (Gitarren, experimentelle und synthetische Gitarren, Bass, Synths, Samples, Orgeln, Schlagzeug-Programmierung, Soundscapes-Experimente) und Nicolas Uhlen (Schlagzeug, Perkussion) – hier so tanzbar und zugänglich wie niemals zuvor. Und daran hat neben der musikalischen Neuorientierung hat vor allem der veränderte Gesangsstil, hin zum vermehrten Gebrauch cleaner Vocals, einen erheblichen Anteil.

Und so ist „The End Of All Things“ eine bewusste Abkehr von der eigenen musikalischen Vergangenheit, die am Ende des Albums in ‚Utoπia‘, einer musikalischen Zusammenarbeit mit der schwedischen Künstlerin Karin Park (Årabrot) gipfelt. David Husser zu dieser Entwicklung:

Leben bedeutet Veränderung. Sie ist das einzige, was wir immer erwarten können. Ich persönlich fühle mich beleidigt, wenn eine Band einfach ihre eigenen Ideen zurück hochwürgt und eine wieder und wieder eineKopie des vorherigen Albums abliefert… Ich möchte Risiken eingehen, mich auf Abenteuer einlassen und in neue Territorien hervorwagen, denn anderenfalls wäre es keine Kunst mehr

Life is change, its the only thing we can always expect. It’s the same with music. I personally feel offended when a band just regurgitates their own ideas and delivers a copy of the previous album, over and again… I want to take risks and let myself in for adventures and ventures into new territories, otherwise it wouldn’t be art anymore.

Es ist ein Unterfangen, das den Franzosen gut gelungen ist, jedenfalls besser also anno dazumal Paradise Lost. Denn während „Host“ sich irgendwie widernatürlich anfühlte, erscheint die Entwicklung von Crown genauso natürlich, wie jene, die Radiohead durchmachten, als sie den Schritt von „OK Computer“ zu „Kid A“ wagten.
Bewertung: 11/15 Punkte (FF 11, KR 11)

Tracklist:
1. ‚Violence‘ (4:16)
2. ‚Neverland‘ (4:01)
3. ‚Shades‘ (4:05)
4. ‚Illumination‘ (3:44)
5. ‚Nails‘ (4:45)
6. ‚Gallow‘ (4:16)
7. ‚Extinction‘ (6:22)
8. ‚Fleuve‘ (5:03)
9. ‚Firebearer‘ (4:38)
10. ‚Utoπia‘ (4:34)

Besetzung:
Stephane Azam (Gesang, Gitarren, Synths, Samples, Schlagzeug-Programmierung, Orgeln)
David Husiser (Gitarren, experimentelle und synthetische Gitarren, Bass, Synths, Samples, Orgeln, Schlagzeug-Programmierung, Soundscapes-Experimente)
Nicolas Uhlen (Schlagzeug, Perkussion)

Gastmusiker:
Ilmar Uibo (Perkussion, Streicher – Tracks 5, 6)
Sophie Vix’n (Gastgesang – Track 3)
Karin Park (Gesang – Track 10)
Gregoire Harrer (zusätzliche Analoge Synths)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Pelagic Records zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Crown – The End Of All Things

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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