Port Noir – Cuts

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Port Noir – Cuts (Despotz Records/Rough Trade, 25.03.22)(35:01; Vinyl, CD, Digital; Despotz Records/Rough Trade, 2022)
Hochenergetisch, passioniert und mit viel Schmackes geht es auf “Cuts” zu, ganz wie man es von den Live-Auftritten des Trios, aus Södertälje in Schweden gewöhnt ist. Ein Umstand, der wohl jeden Hörer von “Cuts” begeistern dürfte
Anders sieht es da allerings stilistisch aus, denn Port Noir setzen auf “Cuts” konsequent den Stil fort, der schon auf dem 2019er Vorgänger “The New Routine” beherrschend war. Menschen, die Port Noir vor allem wegen ihrer beiden ersten Alben “Puls” (2012) und “Any Way The Wind Carries” (2016) lieben, werden sich mit “Cuts” wohl erneut schwer tun, wenn nicht sogar das Album hassen.

Denn obwohl atmosphärisch immer noch stark mit den beiden ersten Veröffentlichungen verbunden, hat “Cuts” nur noch wenig mit dem Mix aus Post Metal und Alternative Prog gemein, der diese Platten seinerzeit kennzeichnete. Den an Leprous, Katatonia oder Tool erinnert auf “Cuts” nur noch wenig. Stattdessen bieten Love Andersson (Vocals, Bass), Andreas Wiberg (Drums), Andreas Hollstrand (Guitar) ein weiteres Mal ihren innovativen Crossover aus Dark Pop, Electronica und R&B, der atmosphärisch weiterhin durch musikalischen Schatten der Vergangeneit begleitet wird. Was auch der Grund dafür ist, dass auch “Cuts” weiterhin rockt.

Ein Album, dass genreübegreifend ist und dabei so frisch und innovativ klingt, wie man es leider viel zu oft in der progressiven Musik vermisst. Was wohl auch daran liegen mag, dass man nach solchen Riesenschritten, wie sie Port Noir in den letzen Jahren gemacht haben, ganz sicher nicht mehr von Progressive Rock sprechen kann. Was nicht nur am Gesangsstil von Love Andersson liegt, der immer wieder mit dem Hip-Hop flirtet. Doch wen stören schon diese Schubladen, wenn man als Ergebnis ein mitreißendes Album geliefert bekommt, dass mehr Hooklines vorweisen kann, als ein Stacheldrahtzaun. Melodiös, pulsierend und äußerst groovy haben Port Noir auf “Cuts” einen Flow geschaffen, welcher den seines Vorgängers in den Schatten stellt, während die düstere Atmosphäre der Synthesizer eine ähnliche Sound-Ästhetik aufweist, wie die Frühwerke der Band. Es ist der größte Unterschied zum Vorgänger “The New Routine”. Was Fans der alten Schule vielleicht erfreuen mag, ist jedoch auch die größte Schwäche des Albums. Denn trotz seiner weiterhin innovativen stilistischen Ausrichtung und der Aneinanderreihung zahlloser Ohrwürmer mit Hit-Charakter, fehlt es “Cuts” an etwas ganz Entscheidendem, das Überraschungsmoment, welches “The New Routine” so stark machte.
Bewertung: 11/15 Punkte

Tracklist:
1. ‘All Class’ (3:54)
2. ‘Wild’ (2:56)
3. ‘Sweet & Salt’ (3:30)
4. ‘Emerald Green’ (3:50)
5. ‘Deep Waters’ (3:30)
6. ‘Preach’ (3:47)
7. ‘Unclean’ (4:02)
8. ‘Monument’ (3:59)
9. ‘Entertain Us’ (3:33)

Port Noir – Cuts (Despotz Records/Rough Trade, 25.03.22)
Besetzung:
Love Andersson (Vocals, Bass)
Andreas Wiberg (Drums)
Andreas Hollstrand (Guitar)

Diskografie (Studioalben):
“Puls” (2013)
“Any Way the Wind Carries” (2016)
“The New Routine” (2019)
“Cuts” (2022)

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Konzertbericht: 05.11.19, Köln, Die Kantine
Rezension: “The New Routine” (2019)
Konzertbericht: 13.04.17, Köln, Die Kantine

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von cmm zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Port Noir – Cuts

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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