Pain of Salvation, Port Noir, 13.04.17, Köln, Die Kantine

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Wenn es am schönsten ist …

2017 begann für Pain of Salvation mit der Veröffentlichung des lange erwarteten Studioalbums „In The Passing Light Of Day„, das vielfach bereits als vermeintliche ProgMetal-Platte des Jahres bejubelt wird. Und wie es traditionell üblich ist, startete damit ebenfalls der Interview- und Tourneemarathon der schwedischen Band.

Ab Februar ging es knapp drei Wochen lang durch die USA und im Anschluss direkt weiter durch ganz Europa. Vielerorts waren die Konzerte ausverkauft oder zumindest sehr gut besucht, die Kritiker waren von der Show sehr angetan, die Fans begeistert, und sogar viele zwischendurch verprellte Anhänger der frühen Bandgeschichte konnten durch die aktuelle Performance wieder versöhnlich gestimmt werden.

Zum Auftakt des Konzertabends überzeugte die Vorband Port Noir. Das Trio aus der Nähe von Stockholm unterstütze den Headliner routiniert – die Kantine in Köln war Schauplatz eines der letzten Konzerte des Tourabschnittes -, sie zeigte große Spielfreude und hohes Engagement. Nach dem gut vierzigminütigen Gig konnte man die jungen Musiker bis zum Ende des Abends am Merchandise-Stand antreffen, wo sie wirklich jedem Signier- und Smalltalk-Wunsch Ihrer Fans nachkamen.

Pain Of Salvation betrat die Bühne pünktlich um 21:15 Uhr. Die Setlist mit Schwerpunkt auf der Neuveröffentlichung (‚Full Throttle Tribe‘, ‚Reasons‘, ‚Meaningless‘, ‚Silent Gold‘, ‚On a Tuesday‘, ‚The Passing Light of Day‘) war mit einigen Bandklassikern gespickt (‚Linoleum‘, ‚Rope Ends‘, ‚Beyond the Pale‘, ‚Ashes‘, ‚The Physics of Gridlock‘) und von einer hervorragenden Lichtshow perfekt begleitet. Auch am Sound ließ sich nichts aussetzen: Besonders lobenswert, dass die Lautstärke den Räumlichkeiten angemessen und nicht übertrieben war. Die Stimmung im Publikum war ausgelassen, in den ersten Reihen jedoch fast schon zu gut, denn einige Poger störten das friedliche Miteinander – wer hätte so etwas nach der Bandentwicklung der letzten Jahre im Vorfeld dieses ereignisreichen Jahres 2017 erwartet?

Pain Of Salvation live in Cologne

Vor drei Jahren wäre das Schicksal des Bandleaders Daniel Gildenlöw beinahe besiegelt gewesen. Eine lebensbedrohliche Bakterieninfektion zwang ihn zu einem monatelangen Krankenhausaufenthalt. Davon war dem Mastermind nun nichts mehr anzusehen, er präsentierte sich durchtrainiert und bei bester Stimme. Gut informierte Kreise beobachteten die Szenerie allerdings mit durchaus berechtigten Sorgenfalten – Gildenlöw hatte in der letzten Phase der Tour auf seiner Facebookseite veröffentlicht, dass sich die von der Erkrankung zurückbehaltene Rückennarbe durch die Verausgabung teilweise geöffnet hatte und die Schmerzen ihm nachts den Schlaf raubten. Von diesen ernsten Problemen war auf der Bühne nichts zu erkennen, es gab keinen Zweifel: Pain of Salvation haben nach langer Durststrecke einen weiteren Karrierehöhepunkt erreicht.

Pain Of Salvation live in Cologne

Mitverantwortlich dafür ist zweifellos Ragnar Zolberg, der als zweiter Gitarrist, unterstützender Sänger und Komponist einen erheblichen Einfluss auf das aktuelle Album nahm. Auch auf der Bühne zeigte er neben Gildenlöw starke Präsenz – mit engelhafte Stimme und Haarpracht sowie mit seiner Gesichtsbemalung zog der in Norwegen lebende Isländer viele bewundernde Blicke auf sich.

Pain Of Salvation live in Cologne

Dieser perfekte Abend endete um 23 Uhr mit den letzten Takten des Titeltracks von „In The Passing Light of Day“, und die erfolgreiche Tour fand mit den folgenden drei Konzerten in den Niederlanden ihren zwischenzeitlichen Ausklang, bevor sie nach einigen Wochen Erholungsphase zur Sommerfestival-Saison fortgesetzt werden wird.

Pain Of Salvation live in Cologne

An dieser Stelle endet der eigentliche Konzertbericht. Für alle überraschend schließt sich damit aber ebenfalls ein Kapitel in der Bandgeschichte, denn nur wenige Tage nach der Heimkehr der Band nahm die Geschichte eine dramatische Wende: Ragnar Zolberg verkündete am 30. April sein Ausscheiden aus der Band, nachdem Gildenlöw ihn tags zuvor dazu aufgefordert hatte. In seinem Statement beklagte sich Zolberg über die unfaire Behandlung in finanziellen Aspekten genauso wie über fortwährende Kritik an seiner musikalischen Arbeit und die fehlende Anerkennung seiner Beiträge.

Die damit losgetretene Diskussion schlug unter den Bandanhängern zunächst hohe Wellen, die nur mühsam vom Management geglättet werden konnten. Daniel Gildenlöw gab spärlich ein paar selektive Information preis, lehnt aber alle Interviewanfragen rigoros ab. Die anderen Bandmitglieder seien an dem Entscheidungsprozess nicht beteiligt gewesen, hieß es. Sie wurden allesamt nur kurz in der eilig folgenden Pressemitteilung zur Begrüßung des Band-Rückkehrers Johan Hallgren zitiert, der die Nachfolge des ausgeschiedenen Isländers antritt.

Hallgren war bereits von 1998 bis 2011 Bandmitglied, dann verließ er Pain Of Salvation aus persönlichen Gründen. Die Fanbasis reagiert auf die neuen Ereignisse mit geteilter Meinung – die Rückkehr von Johan Hallgren wird allgemein begrüßt, die Anschuldigungen von Zolberg stören jedoch erheblich den perfekten Schein, den die Schweden zuletzt hinterließen. Als unprofessionelles Nachtreten werden die Äußerungen von vielen gewertet, es finden sich jedoch auch Unterstützer, die diesen Schritt der öffentlichen Kritik als Druckmittel auf Management und Frontmann Gildenlöw begrüßen. Ohne öffentliche Entkräftung der Vorwürfe bleibt ein Makel am Image zurück und musikalisch wird die weitere Entwicklung der Band nun wieder weitaus pessimistischer erwartet. Die Feuertaufe hat Pain Of Salvation bereits am 17. Juni zu bestehen, dann steht das erste Konzert mit der neuen Besetzung an.

Pain Of Salvation live in Cologne

Fotos: Andrew Ilms

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Interview m. Gildenlöw zu „In the Passing Light of Day“ (2016)
Interview m. Gildenlöw zu „Falling Home“ (2014)
Interview m. Gildenlöw, u.a. zur Tour mit Cryptex (2012)
Interview m. Gildenlöw zu „Remedy Lane“ (2002)
Fotos vom Konzert

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Über den Autor

Annika Dormeyer

Das Leben ist komplex!

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Pain of Salvation, Port Noir, 13.04.17, Köln, Die Kantine

von Annika Dormeyer Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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