The Omnific – Escapades

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The Omnific – Escapades (Wild Thing Records, 08.10.21)(50:03, CD/Vinyl/Digital, Wild Thing Records, 2021)
Instrumentaler Progressive Rock. Ein Genre, bei dem manch einer erst einmal aufstöhnt, da es bei viel zu vielen Künstlern allzu oft nur um Fingerfertigkeiten und Saitengewichse geht. Doch dann gibt es auch solche progressiven Intrumental-Bands, bei denen, obgleich ihrer technischen Fähigkeiten, vor allem der Groove und der Rhythmus im Mittelpunkt stehen. Gruppen, deren Sound dermaßen ansteckend wirkt, dass er ganze Zuschauermassen zum Tanzen bewegen kann. Bestes Beispiel für eine solche Formation ist das texanische Quartett Polyphia. Eine Instrumental Prog-Band, die es nicht nur versteht, die Massen zum Zappeln zu bringen, sondern diese zudem noch die Melodien der Lead-Gitarre mitsingen zu lassen.

Die australischen The Omnific schlagen in eine ähnliche Kerbe wie die jungen US-Amerikaner, doch sind sie gleichzeitig so eigenständig dabei, wie man es sich nur vorstellen kann. Grund hierfür ist alleine schon die außergewöhnliche Zusammenstellung an Instrumenten. Denn wo manch eine Band, wie beispielsweise Animals As Leaders, zugunsten mehrerer tiefgestimmter Gitarren ganz gerne mal auf einen Bassisten verzichtet, ersetzen die Melburnians die obligatorische Gitarre durch einen Bass. Ja, richtig gehört. Das victorianische Trio besteht mit zwei Bassisten und einem Schlagzeuger lediglich aus einer aufgeblähten Rhythmusfraktion. Wobei es im Falle des Openers ‚Antecedent“ sogar drei Bassisten sind, da Polyphias Clay Gober hier als Gastmusiker fungiert. Und trotzdem sind The Omnific so vieles mehr als lediglich Rhythmus und Groove. Denn meist spielt mindestens einer der beiden Dicksaitenhexer so etwas wie einen Lead-Bass. Sprich nachvollziehbare wie eingängige Melodien im unteren Frequenzbereich.

Wer diese Konstellation nun für ein gewagtes Experiment hält, dem sei versichert, dass The Omnific ihrem Konzept schon seit geraumer Zeit nachgehen. Ein Konzept das so gut aufgeht und begeistert, dass sie schon im Vorprogramm von Intervals, Ne Obliviscaris sowie Between The Buried And Me auftreten durften.

„Escapades“ ist nun ihr erstes vollwertiges Studioalbum und macht genau dort weiter, wo die 2019er EP „The Mind’s Eye“ angestzt hatte. Ein Album auf allerhöchstem spieltechnischen Niveau, angesiedelt zwischen Djent, experimentellem Metal und technischem Prog. Ein Album, das stellenweise so tanzbar ist, dass es die Grenze zu Drum and Bass verschwimmen lässt. Und gleichzeitig ein Album mit euphorischen Hochs und melancholischen Tiefs, sprich, mit einer ganzen Palette ergreifender Atmosphären. Okay, man muss The Omnific natürlich zugestehen, dass sie nicht ganz ohne elektronische Spielereien und Hilfsmittel auskommen, doch mindert dies das A-Ha-Erlebnis weder bei der ersten Begegnung mit dem Album noch bei den weiteren Hördurchgängen. Denn wenn eine Band es schafft, das Rad neu zu erfinden, dann ist es eigentlich egal, wenn manche der verwendeten Materialien schon bekannt waren.
Bewertung: 13/15 Punkte

The Omnific – Escapades (Wild Thing Records, 08.10.21)
Tracklist:
1. ‚Antecedent‘ (5:20)
2. ‚Wax & Wane‘ (5:26)
3. ‚The Labyrinth Chronicles‘ (4:03)
4. ‚Scurryfunge‘ (3:55)
5. ‚Merlin’s Id‘ (7:12)
6. ‚Matai‘ (5:14)
7. ‚Fountainhead‘ (3:41)
8. ‚Dwam‘ (2:52)
9. ‚Ne Plus Ultra‘ (5:42)
10. ‚Escapades‘ (1:15)
11. ‚Posterity‘ (5:23)

Besetzung:
Matthew Fackrell (Bass)
Toby Peterson-Stewart (Bass)
Jerome Lematua (Schlagzeug)

Gastmusiker:
Clay Gober (Bass – Track 1)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Holdtight zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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