Omega – Working

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(42:02, CD, Sireena Records/Broken Silence, 1981/2021)
Was Golden Earring für die Niederlande und die Scorpions für Deutschland sind, sind Omega für Ungarn: ein Urgestein der nationalen Musikszene und mit Abstand der erfolgreichste Export des entsprechenden Landes. Ursprünglich Anfang der 1960er als reine Rock’n’Roll- und Beat-Combo gestartet, begannen Omega sich 1969 langsam in Richtung sinfonischem Pop im Sinne der Moody Blues zu entwickeln und landeten mit ‚Gyöngyhajú Lány‘ einen nationalen Megahit, der später unter anderem von so unterschiedlichen internationalen Künstlern wie besagten Scorpions (in einer grausamen, schlagerhaften Fassung als ‚White Dove‘) oder von Kanye West gecovert wurde. Im Laufe der Siebziger flirteten Omega mit Hard- und Space-Rock, weshalb die nicht selten geäußerte Bezeichnung „die ungarischen Eloy“ gar nicht mal so daneben lag. Da die entsprechenden Alben auch, ähnlich wie bei PFM, in englischer Sprache veröffentlicht wurden*, schafften Omega als eine der wenigen osteuropäischen Bands auch den Sprung über die Landesgrenzen.

1981 nahm sich kein „Geringerer“ als Disco- und Schlagergott Frank Farian der Band an, verschaffte ihnen einen neuen Major-Plattenvertrag bei der WEA und beauftragte Produzent Peter Hauke (der zuvor bereits als Produzent der englischsprachigen Omega-Alben mit der Band gearbeitet hatte), sie klanglich ins neue Jahrzehnt zu holen. Das Resultat war „Working“, das nun dank der Kult-Archäologen von Sireena nun erstmals (!) auf CD vorliegt. Die Texte wurden seinerzeit von Tony Carey übersetzt, der damals gerade nach einer vierjährigen Erholungspause von Rainbow (oder genauer, Ritchie Blackmores Ego) seine Solokarriere startete und schon bald mit dem kultigen Planet P. Project an der Schwelle von Synthpop und Prog in Erscheinung treten sollte. Musikalisch griffen Omega auch in der Tat viel vom damals gerade angesagten New Wave auf, was bei ihren Fans nicht unbedingt auf viel Gegenliebe stieß. Die Symphonic-Prog-Elemente beschränkten sich hier hauptsächlich auf diverse synthielastige Instrumentalparts und atmosphärische Arrangements (‚Laughing On The Inside‘), ansonsten zeigten sich Omega durchaus auf der Höhe der 1981 angesagten (neuen) Welle und rockten bisweilen sogar reichlich druckvoll. Wer sich eine Mixtur aus „Illegal“/“Razzia“-Ära-Grobschnitt, dem erwähnten Planet P. Project und Eloy in der gleichen Zeit vorstellen kann, bekommt schon ein ganz gutes Bild, wie „Working“ so klingt. Hauke hat dem Album auch ein trotz allem Synthie-Schimmern angenehm warmes Klangbild verpasst, welches auch aus heutiger Sicht immer noch absolut in Ordnung geht – so klangen sie eben, die frühen Achtziger! Dass die Songs nicht ganz die Qualität der Vorgänger halten können, sollte man aber nicht verschweigen, der spacige Symphonic-Prog lag Omega letztlich doch deutlich mehr als der griffige Pop-Prog-Sound, der hier präsentiert wurde.

Natürlich spendieren Sireena auch ein aktuelles Remaster, ein schickes Digipack mit Booklet, Linernotes, Credits und Fotos (einmal mehr: leider keine Texte), so dass alle Fans der Band die olle Bootleg-Fassung jetzt endlich entsorgen können und das bis Mitte der 1990er letzte englischsprachige Album der Band auch hochoffiziell im Regal einsortieren können. Wäre für die Zukunft natürlich wünschenswert, dass Omega auch den Rest ihres englischsprachigen Repertoires auf bezahlbaren, frisch gepressten Silberlingen wieder zugänglich macht – die letzten CD-Auflagen von Alben wie „200 Years After The Last War“ oder „Time Robber“ sind nämlich auch schon wieder runde 30 Jahre her…
Bewertung: 10/15 Punkte

Mehr zu Omega:
Wikipedia
Deutsche Fansite
Spotify
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*Anmerkung in eigener Sache: sollte irgendjemand irgendwann verbindliche Hinweise erhalten, in welcher real existierenden Sprache Frank B. die klassischen Eloy-Alben eingesungen hat (wenn überhaupt), bittet der Autor höflich um Mitteilung.

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Omega – Working

von SaschaG Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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