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    Du bist hier:Home»Reviews»Crippled Black Phoenix – Ellengæst

    Crippled Black Phoenix – Ellengæst

    2
    By flohfish on 31. Oktober 2020 Reviews

    Crippled Black Phoenix – Ellengæst (SoM, 9.10.20)(54:56, Digital, Vinyl, CD, MC, Season of Mist, 2020)
    "Ellengæst", so der Titel des neuen Werkes von Crippled Black Phoenix, ist ein Begriff, der aus dem Altenglischen stammt und sowohl einen starken Geist als auch einen boshaften Dämonen beschreiben kann. Es ist ein gut gewählter Name, denn schon immer bewegte sich die Musik der Engländer im mystischen Bereich zwischen Hell und Dunkel. Laut Bandkopf Justin Greaves soll der Titel die Dualität des Schwarzen Phoenix betonen: "Er fasst diese Band perfekt zusammen. Wir mussten aufgrund all des Bullshits, dem wir begegnet sind, stark bleiben, aber wir sind immer noch auf der Zielgeraden. Es ist, als ob wir Kindern Süßigkeiten gäben, die mit Rasierklingen gefüllt sind." Und nach dieser Aussage verwundert es nicht, dass das musikalische Chamäleon aus dem englischen Bristol wohl noch nie so düster geklungen hat, wie auf diesem Album. Zwar durchziehen die bittersüßen Melodien, für die das Kollektiv bekannt ist, das Album auf ganzer Länge, doch unterscheidet sich die Grundstimmung eindeutig von jener seiner beiden direkten Vorgänger "Great Escape" (2018) und Bronze" (2016). Obgleich Crippled Black Phoenix musikalisch noch immer dem floydesken Post Rock zuzurechnen ist, sind die Einflüsse von 80er Jahre New Wave und Post Punk sowie 90er Jahre Gothic und Dark Rock kaum von der Hand zu weisen. "One thing we’ll never do is stick to the rules and stay within the box."

    Einher ging diese musikalische Verwandlung mit Veränderungen im Bandgefüge, denn als die Briten mit der Arbeit an "Ellengæst" begannen, fanden sich Justin Greaves und seine Mitsstreiter Belinda Kordic, Andy Taylor und Helen Stanley plötzlich unerwarteter Dinge ohne männlichen Sänger und Keyboarder wieder. Schnell machte man aus der Not eine Tugend, so dass man eine Vielzahl von Musikern einlud, als Gastsänger auf der neuen Platte mizuwirken. Mit Anathema's Vincent Cavanagh, Gaahls Wyrd's Kristian "Gaahl" Espedal, Tribulation's Jonathan Hultén, Ryan Patterson (Coliseum, Fotocrime und früherer Tour-Bassist bei Crippled Black Phoenix) sowie Suzie Stapleton konnten teils namhafte, teils relativ unbekannte Künstler gewonnen werden und es sind vor allem diese, die "Ellengæst" auf natürliche Art und Weise ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken.

    Eröffnet wird "Ellengæst" mit sanften Klängen aus Helen Stanley's Trompete, bevor diese von einem Noisegwitter aus Gitarrenriffs in der Luft zerissen werden. Es ist die Einleitung zu 'House of Fools' einem düster-melancholischen Duett zwischen Vince Cavannagh und der Phoenix-Sängerin Belinda, dessen Atmosphöre im Laufe seiner fast achtminütigen Spielzeit immer dichter wird und dessen zweite Hälfte auch von Cavannaghs zurzeit auf Eis gelegten Stammband stammen könnte.

    Auch von den Beiden eingesungen war das anschließende 'Lost' die erste Single des Albums und hatte im Vorfeld der Veröffentlichung "Ellengæst"s schon zu ersten Verstörungen bei eingefleischten Fans geführt. Schließlich klingen Crippled Black Phoenix hier mehr nach The Sisters of Mercy oder frühen Swans als auch nur irgendwie nach sich selbst.

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    'In the Night' schlägt wiederum in eine ganz andere Kerbe und erinnert an frühe Anathema zu "Silent Enigma" Zeiten. Geprägt wird das düster melancholische Stück von Gaahls Spoen Words Performance- über welche sich engelsgleich die Stimme Belinda Kordic legt. Die beiden Stimmen sind wie Licht und Schatten und repräsentieren perfekt den Text des Stückes. Was anfangs ein wenig zu lange braucht, um in die Gänge zu kommen, wird spätestens ab dem Gitarrensolo interessant, denn es mündet in den wohl eingängigsten Chorus der ganzen Scheibe.

    Das anschließebde 'Cry Of Love' steht seinem Vorgänger in Sachen Eingängigkeit in nichts nach. Das Duett von Ryan Patterson und Suzie Stapleton hätte mit seinem tanzbaren Groove perfekt in jede Dark-Wave-Zappelbude der 80er Jahre gepasst. Heute dagegen, fast vier Jahrzehnte später, wirkt der Song ein wenig beliebig und abgedroschen.

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    'Everything I Say' kommt fast noch am ehesten an klassische Cripple Black Phoenix, da er trotz tiefschwarzer grundstimmung durch bandtypische Gitarren und Belinda Kordics prägnanten Gesang bestimmt wird.

    Das sechste Stück hat keinen wirklichen Namen ('(-)') und ist nichts anderes als ein Sprachsample, welches als Interlude auf das über elfminütige 'The Invisible Past' einstimmt. Es ist natürlich nicht die Länge, welches das Lied zum musikalischen wie emotionalen Highlight der Platte macht, sondern vielmehr Jonathan Hulténs umwerfende Stimme, welche in trauter Eintracht mit den erst sanften, später erhabenen Klängen der Instrumente harmoniert.

    Es wäre ein würdiger Abschluss für ein nicht vollends überzeugendes, aber dennoch über weite Strecken starkes Album gewesen, doch Crippled Black Phoenix mussten mit 'She's In Parties' noch ein überflüssiges Bauhaus-Cover hinten anhängen. Was grundstimmungstechnisch wahrscheinlich eher als Höhepunkt angedacht war, ist für die Platte dagegen eher Tiefpunkt. Früher wäre so etwas maximal als B-Seite auf irgendeiner Single gelandet.
    Bewertung: 10/15 Punkten (FF 10, KS 12, MBü 13)



    Tracklist:
    1. House Of Fools (7:52)
    2. Lost (8:11)
    3. In The Night (8:38)
    4. Cry Of Love (5:46)
    5. Everything I Say (7:21)
    6. (-) (1:51)
    7. The Invisible Past (11:26)
    8. She’s In Parties (3:51)

    Besetzung:
    Justin Greaves (Gitarre, Schlagzeug, Bass, Samples, Säge)
    Belinda Kordic (Gesang, Percussion)
    Helen Stanley (Grand Piano, Synthesiser, Trompete)
    Andy Taylor (Gitarre)
    Ben Wilsker (Schlagzeug)
    Rob Al-Issa (Bass)

    Freunde & Gäste
    Vincent Cavanagh (Gesang – Track 1, Begleitgesang – Track 2)
    Kristian 'Gaahl' Espedal (Gesang – Track 3)
    Ryan Patterson (Gesang – Track 4)
    Suzie Stapleton (Begleitgesang – Track 4, Gitarre – Track 8)
    Jonathan Hultén (Gesang – Track 7)

    Surftipps zu Crippled Black Phoenix:
    Konzertbericht: 10.04.19, Köln, Luxor
    Konzertbericht: 10.04.19, Sankt Goarshausen, Loreley Amphitheater, XII Night of the Prog Festival
    Rezension: We Shall See Victory – Live In Bern 2012 A.D.
    Rezension: Great Escape
    Rezension: Horrific Honorifics
    Rezension: Bronze
    Rezension: New Dark Age
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    Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Season of Mist zur Verfügung gestellt.

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    flohfish
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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    2 Kommentare

    1. Christoph Firmenich on 1. November 2020 14:30

      10 Punkte halte ich für unterbewertet, da kann ich mich mit den 12 eher anfreunden.

      Reply
    2. flohfish on 1. November 2020 15:41

      Dann sind wir uns ja zumindest einig, dass sich das Album im ‘gut’ Bereich bewegt.

      Reply
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