Kimmo Pörsti – Wayfarer

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Kimmo Pörsti - Wayfarer (Seacrest Oy, April 2020)(72:53, CD, Seacrest Oy, 2020)
Bereits 1997 erschien mit ”Ihmeellinen Iltapäivä” das Debüt von Kimmo Pörsti, allerdings erfolgte die Veröffentlichung unter dem Projektnamen Maahinen und war somit nicht auf den ersten Blick, als das erste Solo-Album des Finnen erkennbar. Später folgten eine Vielzahl hochgelobter Veröffentlichungen mit seiner Band The Samurai of Prog, sowie weitere Beteiligungen an anderen Produktionen. Kimmo gehört zu den nimmermüden Arbeitstieren, die voller Ideen und unerschöpflichem Tatendrang stecken. Daher kann es niemand ernsthaft überraschen, das kurz nach seinem mit Marco Bernard entstandenen Album „Gulliver“ nun seine zweite Soloscheibe auf dem Markt erschienen ist. Wer seine musikalische Entwicklung verfolgt hat, den dürfte es nicht verwundern, dass sich auf „Wayfarer“ (übersetzt – Wanderer) sämtliche Musikgenres wiederfinden, in denen sich Pörsti bereits in der Vergangenheit mit viel Feingefühl bewegte. Dabei scheut er allzu große Hektik und Unruhe in seinen Kompositionen. Seine Art, Jazziges, Folkiges, Rockiges, Bluesiges und Proggiges zu einer Symbiose verschmelzen zu lassen, ist in der Zwischenzeit zu seinem finnischen Markenzeichen gereift. Eine Musik voller Träume und bunter Landschaften.

Um all seine vielschichtigen Ideen umzusetzen, vergewisserte er sich, wie bei all seinen anderen Projekten zuvor, der Unterstützung einer Vielzahl von mehr oder weniger bekannten internationalen Musikern. Darunter sind besonders wohlklingende Namen, wie der bei vielen seiner Produktionen auftretende und sehr erfahrene Marek Arnold, aber auch der Ex-Iona Mann Dave Brainbridge, der Finne Jari Riitala und seine Nichte, die Flötistin Hanna Pörsti, zählen zu seinem Team. „Wayfarer“ startet denn auch mit einer wunderschönen, jazzigen Saxophon-Einlage von Marek Arnold, ein Einstieg nach Maß und mit insgesamt dreizehn gut ausgewogenen Songs geht es prächtig weiter.

‘Cruz del Sur’ und ‘Creer Crecer’ erinnern an die schwebenden Melodien eines Pat Metheny zu seinen besten Zeiten, auch wenn im Verlauf der Songentwicklung weniger die akustische Gitarre sondern Keyboards und der hervorragende spanische Gesang des Chilenen Jaime Rosas im Vordergrund stehen. Pörsti vermag seinen Songs neben einem gewissen Camel-Touch auch groovige Fusion-Elemente mit auf den Weg zu geben.

Will man das Album einem Genre zuordnen, so fällt einem als erstes Symphonic Prog ein. Doch das ist vielleicht etwas zu vereinfacht charakterisiert und nicht gänzlich zutreffend, da neben den zuvor beschriebenen musikalischen Einflüsse auch keltische Folk- und sogar bluesige Elemente erkennbar sind. Ob und wie dieses Album zu kategorisieren ist, sollte jeder für sich entscheiden, letztendlich kommt es auch gar nicht darauf an. Gut ist, was gefällt und Kimmo ist ein Musiker, der genau weiß, wie man sehr gefällige und abwechslungsreiche Kompositionen und Produktionen künstlerisch gestalten kann.

Nebenbei bemerkt hat Kimmo Pörsti auch ein Faible für ansprechend gestaltetes Cover Artwork. In der Vergangenheit bediente er sich zumeist des renommierten Graphikers Ed Unitsky. Auf „Wayfarer“ bestreitet er aber neue Wege. Waren die früheren Cover noch äußerst lebhaft und farbig bunt gestaltet, so wirkt das aktuelle Album jetzt eher düster und geheimnisvoll. Eine Wanderung durch eine unbekannte Welt, die auf besondere Art durch die in Deutschland lebende Illustratorin Nele Diel in Szene gesetzt wurde.

Wer ein Album sucht, das mit einer Vielzahl von Stilen und Sounds glänzen kann, liegt mit dem zweiten Solo-Album von Kimmo Pörsti vollständig richtig. Ein Streifzug durch die symphonische Prog-Welt gewürzt mit Fusion, Folk, Männer- und Frauenstimmen, dazu wohldosierte Flöten und Streichern und einigen instrumentalen Highlights.
Bewertung: 12/15 Punkten (WE 11, HR 12)

Line-up:
Kimmo Pörsti (The Samurai of Prog, Paidarion, Mist Season): Drums, Percussion, Bass, Keyboards, Acoustic Guitar
Gastmusiker:
Marek Arnold (Seven Steps To The Green Door, Cyril, Toxic Smile, UPF, Damanek, Flaming Row, Manuel Schmid & Marek Arnold): Sax, Keyboards
Dave Bainbridge (Iona, Lifesigns, Strawbs): Guitars, Keyboards
Marco Bernard (The Samurai Of Prog): Bass
Carmine Capasso: Guitars
Jenny Darren (Paidarion): Vocals
Rodrigo Godoy (Jaime Rosas, Entrance): Vocals, Guitars
Hitomi Iriyama (Stella Lee Jones): Violin
Olli Jaakkola (Paidarion): Flute
Steve Mauk (Mars Hollow): Keyboards
Kev Moore (Paidarion): Vocals
Jose Manuel Medina (Last Knight, Mandalaband): Keyboards, Orchestrations
Rafael Pacha: Guitars, whistles, recorders
Otso Pakarinen (Progression, Ozone Player, Paidarion): Keyboards
Hanna Pörsti: Flute
J-P Rantanen: Keyboards
Kari Riihimäki: Guitars
Jari Riitala (Intergalactic Huso Orchestra, Oktoplus): Guitars, Keyboards, Bass
Jaime Rosas (Entrance): Keyboards
Jan-Olof Strandberg (Jan-Olof Strandberg Project, Paidarion): Bass

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Über den Autor

Horst-Werner Riedel

Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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von Horst-Werner Riedel Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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