Frank Zappa – Zappa In New York (40th Anniversary Deluxe)

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(59:40 + 73:14 + 74:19 + 46:14 + 48:34, 5CDs / Vinyl, Zappa Family Trust, 2019)
Gab es früher mehrere Alben je Jahr aus dem umfangreichen Zappa-Archiv, so setzt man mittlerweile auf weniger, dafür sehr umfangreiche Veröffentlichungen. Nachdem bereits die in Fankreisen verehrten “Roxy & Elsewhere” Aufnahmen und die legendären Helloween-Konzerte in New York ausgiebig gehuldigt wurden, sorgt nun die ursprünglich 1976 mitgeschnittene 5-fach Box “Zappa In New York” für einen weiteren umfangreichen Blick in die spannende Livehistorie von Frank Zappa.

Die ursprüngliche Geschichte dieses beliebten Live-Albums ist eher von Irrungen und Wirrungen mit der damaligen Plattenfirma Warner geprägt. Ursprünglich sollten bereits Anfang 1978 einige Liveaufnahmen aus New York zusammen mit stilistisch sehr unterschiedlichen Studiotracks zwischen Orchestermusik, Avantgarde und Jazz Rock auf der 4-fach Box “Läther” landen. Das erschein der Plattenfirma jedoch damals zu risikoreich, weswegen die unterschiedlichen Aufnahmen inhaltlich einigermaßen passend auf die Alben “Zappa In New York” (1978), “Studio Tan” (1978), “Sleep Dirt” (1979) und “Orchestral Favorites” (1979) aufgeteilt wurden. Nach dem Tod von Frank Zappa entschied sich seine Frau Gail Zappa Läther” im Jahre 1996 beim hauseigenen Label in seiner ursprünglich geplanten Form herauszubringen, die spätere CD Auflage von “Zappa In New York” wurde zudem um Bonusmaterial ergänzt.

Dieses Album ist in seiner ursprünglichen Form deshalb so interessant, da fast nur Material enthalten ist, das es zuvor auf kein Studioalbum schaffte und nur im Live-Kontext seine Premiere feierte, wie z.B. so wunderbar unverfängliche Titel wie ‘Titties & Beer’, ‘I Promise Not To Come In Your Mouth’, ‘Honey, Don’t You Want A Man Like Me?’, ‘The Illinois Enema Bandit’ oder das ultrakomplexe Instrumental ‘The Black Page’ (nennt sich übrigens so, wegen den vielen Noten auf dem Notenblatt).

Hinzu kommt eine recht große, unheimlich spielfreudige Besetzung, mit jeder Menge namhafter Künstler, die jeden Musikkenner begeistern werden. Neben Frank Zappa (Gitarre, Gesang) sind noch vertreten: Ray White (Gitarre, Gesang), Eddie Jobson (Keyboards, Violine, Gesang), Patrick O’Hearn (Bass, Gesang), Terry Bozzio (Schlagzeug, Gesang), Ruth Underwood (Percussion, Synthesizer), Lou Marini (Alt-Saxophon, Flöte), Michael Brecker (Tenor-Saxophon, Flöte), Ronnie Cuber (Baritone-Saxophon, Klarinette), Randy Brecker (Trompete), Tom Malone (Posaune, Trompete, Piccolo-Flöte), David Samuels (Pauken, Vibraphon) und Don Pardo (Erzähler, Conférencier).

Die Box enthält auf CD1 den ursprünglichen 77er Vinyl Mix, CD2-4 Konzert-Bonusmaterial mit allen während der New Yorker Auftritte gespielten Titel, CD5 einen Blick in die Archive mit alternativen und akustischen Versionen. Somit sind zwar logischerweise einige Titel mehrfach vertreten, was aber keineswegs bedeutet, dass dieser immer gleich klingen bzw. interpretiert wurden. Dabei sind es besonders die Improvisationenen, wie eine 28-minütige(!) Monsterversion von ‘Black Napkins’ mit ellenlangen Soli (u.a. Eddie Jobson an der Violine) oder ebenso der zottig-schräge Humor, der diese Reise ins Jahr 1976 überaus kurzweilig werden lässt. Daneben sorgen 70er Jahre Zappa Klassiker wie ‘Sofa No.2’, ‘Montana’, ‘I’m The Slime’, ‘The Torture Never Stops’ oder ‘Dinah-Moe Humm’ für den entsprechenden Wiedererkennungseffekt.

Mit dieser Box zum 40-jährigen Jubiläum der ursprünglichen Albumveröffentlichungen von “Zappa In New York” legen nun mehr als drei Stunden(!) an bisher unveröffentlichten Aufnahmen, sowie einige rare Songs (z.B. ‘Chrissy Puked Twice’ = Alternativversion von ‘Titties & Beer’ oder das erst Ende der 80er veröffentlichte ‘Any Kind Of Pain’), der damals im New Yorker The Palladium mitgeschnittenen Konzerte vor, die zwischen dem 26. und 29.Dezember 1976 entstanden.

Jede Menge von Bob Ludwig remasterte Livemusik im Grenzbereich zwischen Rock, Jazz Rock und typischem Zappa Humor. Jedoch keineswegs für den kleinen Geldbeutel und sicherlich mehr für den Fan gedacht, da es die durchaus schmuck und aufwändig verpackte Box mit ausführlichem Booklet und Liner Notes (u.a. von den beiden Zappa Musikern Ruth Underwood und Ray White) auf knapp 90 Euro bringt. Erhältlich als 5-fach CD oder 3er LP Ausgabe. Kein billiges, aber dennoch sehr lohnendes Vergnügen.
Bewertung: 13/15 Punkten

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

1 Kommentar

  1. Avatar

    … und wenn ich ganz ehrlich bin, dann habe ich die Melodie von The Black Page erst durch die beiden Piano Versionen auf der Vinyl richtig verstanden.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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