Peter Banks’s Harmony In Diversity – The Complete Recordings

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(6-CD, The Peter Banks Musical Estate, 2018)
Nachdem bereits seine Soloalben wieder veröffentlicht wurden und unter anderem die 3-CD-Box “The Self-Contained Trilogy“ hier vorgestellt wurde, findet die Veröffentlichung des Vermächtnisses des 2013 verstorbenen ehemaligen Yes-Gitarristen Peter Banks seine Fortsetzung.

Jetzt geht es um die Band, mit der er in den 2000ern aktiv war, nämlich Harmony In Diversity. Ein Trio in der Besetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug. Was zunächst sehr reduziert erscheint, ist durch das facettenreiche Gitarrenspiel des Peter Banks recht abwechslungsreich gestaltet, der sich in diesem Projekt mit den Musikern eins Duos namens Pulse Engine zusammentat.

Für diese Veröffentlichung wurde so ziemlich alles (meist von Andrew Booker) ausgegraben, was es an brauchbaren Aufnahmen dieser Formation gab. Das beschränkt sich nicht nur auf Studioalben, sondern beinhaltet auch Live-Aufnahmen.

Hier ein kurzer Überblick über den Inhalt der Box, die ausführliche Liner Notes enthält und liebevoll aufgemacht ist und somit für den Fan essentiell ist.

CD1: Struggles Discontinued (45:36, 2005-2006)
Die erste CD wurde gleich in der typischen Harmony in Diversity Besetzung eingespielt, nämlich:

Peter Banks – guitars
Nick Cottam – bass
Andrew Booker – acoustic and electronic drums / percussion.

Auf neun Songs werden Improvisationen Marke Banks präsentiert, als Musterbeispiel sei der Song ‘Dregs Addiction‘ (nicht ‘drugs’) genannt. Gelegentlich orientiert sich die Band auch mal in Richtung Space Rock. ‚Harmogeny B‘ weist in Atmosphäre und Gitarrenspiel eine gewisse Ähnlichkeit mit der Musik eines Steve Hillage auf. Der Song ist so harmonisch wie er (leider) kurz geraten ist.

CD2: What Is This? (55:21, 2005)
Ja, was ist das? Na, ganz einfach, Teil 2 der 6-CD Box zu Peter Banks Schaffen mit seiner Band Harmony in Diversity. Andrew Booker hatte vorgeschlagen, es mal nur als Duo zu probieren, Banks stimmte dem zu und so wird er hier lediglich an den electronic drums begleitet. Im Gegensatz zu den anderen CDs ist der Aufbau etwas anders, denn das Album besteht lediglich aus vier Songs jenseits der 10-Minuten-Grenze. Es wird sich also Zeit gelassen in den ausgiebigen Improvisationen. Laut Booklet spielt Banks alles an der Gitarre ein (Casio MIDI guitar). Im Opener scheint man eine Orgel zu hören, und damit liegt man trotz des Fehlens in der Instrumentenauflistung ganz richtig, denn im Kleingedruckten steht irgendwo versteckt dann doch, dass zudem ein paar Synthesizer- und Orgelspuren eingebaut sind. Und auch an anderen Stellen wird viel mit Sounds rumexperimentiert. Das Album klingt somit anders als das in Teilen noch rockige „Struggles Discontinued“. Für des Rezensenten Geschmack ist dies gelegentlich dann doch etwas zu eintönig geraten. Die Aufnahmen stammen aus zwei Duo-Sessions aus 2004, damals gab es noch keine Titel für die Tracks. Das hat Booker für diese Box schließlich selbst übernommen. Auch beim Albumtitel hatte Banks damals keine Idee, wie diese Musik zu kategorisieren sei. Daher letztendlich dann auch der Albumtitel.

CD3: Trying (44:25, 2005)
Es standen Konzerttermine an, und an Stelle eines Duo-Albums (siehe CD2) wollten sie lieber ein Album in Trioformat vorstellen. Auch hier wieder viel Jamartiges, vielleicht doch wieder etwas mehr auf herkömmliches Gitarrenspiel fokussiert mit nicht mehr ganz so vielen Spielereien wie auf der vorangegangenen CD. Dabei gibt es durchaus ansehnlich schöne Instrumentals wie beispielsweise ‚The Klincher‘.

CD4: Try Again (50:59, 2005)
Während es bei “Trying” dabei ging, unter Zeitdruck noch schnell ein Album vor einer Tour fertig zu haben und daher alle möglichen Songs ausgesucht wurden, die möglichst wenig Überarbeitung benötigten, sah es bei „Try Again“ ganz anders aus. Hier ging es nämlich um die übrigen Stücke aus dieser Zeit, die stattdessen noch einiges an weiterer Bearbeitung beanspruchten. Booker beschreibt, dass er wenige Monate nach Fertigstellung von „Trying“ aus der Band war und sich eine ganze Weile nicht mehr mit der Musik von Harmony in Diversity beschäftigte. Doch dann kam er wieder zurück und beschäftigte sich mit den hier vorliegenden Songs. Er hält „Try Again“ zwar nicht für ihr bestes Album, aber für die Musik, die am besten das Schaffen der Band zu der damaligen Zeit beschreibt. Hier wird es zum Teil wieder deutlich rockiger, bleibt aber auch viel im improvisativen Bereich. Der Longsong ‚Almighty Dog‘ (13:16) hat auch mal kurz was von King Crimson.

CD5: Hitting The Fans (live) (57:07, 2005-2006)
Wie Banks typischerweise das Publikum begrüßte, ist im Booklet abgedruckt. In etwa so: „Hallo, wir heißen Harmony in Diversity, da wir drei sehr unterschiedliche Musiker sind, es aber leider nicht so viel Harmonie gibt, aber das müsst ihr beurteilen. Es gab keine Rehearsals, wir wissen selbst noch nicht so genau, was wir spielen werden. Und ihr wisst es auch nicht, wir sitzen also im gleichen Boot. Ich hoffe, wir sehen uns auch noch am Ende des Sets. Uns allen viel Glück“.
Und genau so ist die Musik von HiD, voller Improvisationen und unglaublich schwer zu kategorisieren, was dann natürlich auch für dieses Live-Album gilt. Die Aufnahmen stammen von den 5 Konzerten in der Dreier-Stammbesetzung, zwei isolierte Konzerte und drei im Rahmen einer Mini-Tour namens „3 of the Essence“. Schon im Opener ‚Tropical Moon‘ kommt beispielsweise das Bassspiel sehr gut zur Geltung, überhaupt ist die Rhythmusfraktion durchaus beeindruckend. In ‘Industrial Powder Washing’ ist sogar mal kurz Ravels ‘Bolero’ eingebaut.

CD6: Spontaneous Creation (49:42, 2006-2007)
Ein ziemlicher Rückschlag für die Band war, dass ihr damaliger geplanter Auftritt beim RosFest nicht zu Stande kam. Eine Konsequenz war, dass Andrew Booker, und damit ein Teil der Pulse Engine Rhythmustruppe ausstieg. Überraschenderweise hatte man jedoch erstaunlich schnell passenden Ersatz in David Speight gefunden. Ausschnitte aus diesem Album entstammen einem Miniprog Festival in Budapest, an dem ebenfalls Flamborough Head und Yesterdays teilnahmen. Dies sind die drei Songs ‚Budanopest‘, ‚One Night in Budapest‘ (was man ja schon hätte vermuten können) und ‚Bruno‘.

Fazit: Harmony in Diversitys Disziplin, die sie beherrschten, heißt: Improvisationen. Und davon wird hier nun mehr als genug geboten.
Bewertung: 9/15 Punkten

Surftipps zu Harmony in Diversity:
Wikipedia
“Remembering Peter Banks” (Facebook )
Andrew Booker

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Peter Banks’s Harmony In Diversity – The Complete Recor…

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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