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    Du bist hier:Home»Konzertberichte»Kayak, 07.11.18, Dortmund, Musiktheater Piano

    Kayak, 07.11.18, Dortmund, Musiktheater Piano

    3
    By Horst-Werner Riedel on 15. November 2018 Konzertberichte

    Ein langersehnter Jugendtraum wurde endlich wahr, immerhin hatte es ja "nur" einige Jahrzehnte gedauert, bis sich die niederländische Progressive-Rock-Formation
    Kayak erstmalig aufgemacht hat, zwei exklusive Konzerte in Deutschland zu bestreiten. Umso schöner, dass als Veranstaltungsort auch noch das Dortmunder Musiktheater Piano, ein ehemals als Gasthaus und Bäckerei genutzter Standort, ausgewählt wurde. Die charmant mit Jugendstilinterieur ausgestattete Lokation hat sich seit Jahren mit nennenswerten Rock-, Jazz- und Blueskonzerten einen hervorragenden Namen gemacht.

    Um keinen Ton des anstehenden Events zu verpassen, begab sich eine kleine Abordnung von Betreutes Proggen auf den Weg ins Ruhrgebiet. Die Spannung war schon sehr groß, wie das niederländische Urgestein des symphonischen Progs in deutschen Landen ankommen wird, zumal der Bekanntheitsgrad hierzulande eher als nicht zu hoch einzuschätzen war.

    Kayak bewegt sich seit ihrer Gründung im Dunstkreis der bestens bekannten britischen Bands, vor allem die Nähe zu Camel ist deutlich. Heute wie von Beginn an ist Tastenmann Ton Scherpenzeel das Mastermind der Niederländer und die treibende Kraft der Band. Die musikalische Nähe zu Camel zeigt sich auch darin, das der Keyboarder selber einmal bei den Briten die Tasten bediente.

    Von Beginn an orientierte sich Kayak stilistisch unter anderem an Camel, später sicherlich auch an Alan Parsons Project, aber auch in den immer wiederkehrenden poppig, rockigeren Phasen an zum Beispiel 10 CC. Dennoch hat Kayak sich über den langen Zeitraum ihres Bestehens immer einen eigenen Charakter bewahrt. Es besteht daher kein Zweifel, dass sie zur absoluten Oberklasse der Prog Rock und Art Rock Szene in Europa zu zählen sind. Daran haben auch die unzähligen Umbesetzungen der letzten Jahre nur wenig geändert, auch wenn prägende Musiker wie z.B. der 2009 verstorbene Pim Koopmans und der Sänger und Schlagzeuger Max Werner sowie der ebenfalls unvergessene Edward Reekers, der Band nicht mehr zur Verfügung stehen. So wurde bis heute im Wechsel stets neues, hoch qualifiziertes Personal rekrutiert. Aktuell besteht Kayak aus Ton Scherpenzeel (u.a. Camel, Earth & Fire) an den Tasten, dem von Pain of Salvation bekannten schwedischen Bassisten und Studio- und Tournee-Musiker Kristoffer Gildenlöw, dem Drummer Collin Leijenaar (u.a. bei Affector und Dilemma an den Drums), Sänger Bart Schwertmann sowie dem Gitarristen Marcel Singor.

    Mit dem aktuellen Album „Seventeen“ im Gepäck, welches auch der Tour den Namen gab, war für ausreichend Vorfreude gesorgt, hatte doch auch die Fachwelt dem aktuellen Werk eine hohe Qualität bescheinigt. Was sollte jetzt noch die Spannung trüben, fiel doch auch die auf der Website der Veranstaltungsstätte beschriebene und aus früherer Erfahrung befürchtete Parkplatzsuche im angrenzenden Wohngebiet glücklicherweise aus. Der Grund für die unerwartete freie Parkplatzwahl war allerdings auch schnell gefunden, so gab es beim Eintritt in das Musiktheater keinerlei Wartezeit oder Gedränge. Platz für 400 Besucher bietet die Lokation, doch fanden nur gut 50 Fans den Weg nach Dortmund. Pünktlich um 20 Uhr betraten Kayak die kleine Bühne, von Enttäuschung über die begrenzte Zuschauerzahl konnte aber keine Rede sein.

    So legten die fünf Musiker mit ihrem aus alten und neuen Titeln bestehenden Programm gleich ordentlich los. Ganz nach dem Geschmack der leider zu wenigen Hardcore-Fans verzauberten die Altprogger mit ihrem symphonischen Progressive Rock, als hätte es in den letzten Jahre nicht die erwähnten zahlreichen Umbesetzungen gegeben. Balladen wie beispielhaft 'La Peregrina' vom aktuellen Album oder Klassiker wie 'Mammooth', 'Irene', 'Ruthless Queen' oder gegen Ende des Abends 'Starlight Dancer' weckten eine Menge alte Erinnerungen und Emotionen. Warum nur ist Kayak erst jetzt in Deutschland aufgeschlagen? Diese zwischen poppig, rockigen bis hin progressiv symphonischen Phasen wandelnde Musik hat es immer noch verdient, einen größeren Freundeskreis zu erfreuen - auch in Deutschland.

    Mögliche Zweifel über die Qualität der Musiker wurden schnell zerstreut. Diverse Soli zeigten eindrucksvoll, da stehen wirkliche Könner auf der Bühne. Sound und Lautstärke gaben ebenfalls keinen Grund zur Kritik. Wenn überhaupt wäre zu erwähnen, dass Ton Scherpenzeel mit seinen Keys vielleicht etwas zu sehr in den Hintergrund abgemischt war. Dass die gesamte musikalische Darbietung kein einfaches Abspulen war, honorierte das Publikum mit dem gebührenden und langanhaltenden Applaus. Äußerst sympathisch war, dass sich alle Künstler, einschließlich der langjährigen Texterin und Produzentin Irene Linders, nach der Show genügend Zeit zum Signieren der Alben sowie für ein Schwätzchen genommen hatten.

    Manchmal lohnt es sich, doch einmal etwas länger zu warten, bis sich Träume aus längst vergangener Zeit verwirklichen lassen. Schade, dass sich nur wenige Fans für die in ihrem Heimatland sehr erfolgreiche Band begeistern konnten. Die in der Vergangenheit fehlende Präsenz in Deutschland dürfte ebenso wie die allgemeine Entwicklung im Prog dazu beigetragen haben.
    Was den Veranstaltungsort betrifft, meinen Dank an die Betreiber Jenny Doré & Thomas Falke des Musiktheaters Piano, dass derartige Konzerte immer noch möglich gemacht werden, trotz aller finanziellen Risiken. Gleiches gilt auch für Peter Klapproth von der PR-Agentur Head Of PR, ohne deren Promotion die Durchführung vieler Konzerte wohl erst gar nicht möglich wäre.

    Surftipps zu Kayak:
    Musiktheater Piano, Dortmund
    Homepage Kayak
    Facebook Kayak
    Homepage Ton Scherpenzeel
    Homepage Kristoffer Gildenlöw
    Facebook Bart Schwertmann
    Wikipedia Kayak
    Wikipedia Kayak (Band)
    Wikipedia Ton Scherpenzeel
    Wikipedia Kristoffer Gildenlöw
    Progarchives
    Deezer
    Soundcloud
    iTunes
    last.fm
    HEAD OF PR
    You Tube 1
    You Tube 2

    Live-Fotos vom Timo Riedel (Ausnahme: Logo Musiktheater Piano mit freundlicher Genehmigung des Betreibers Thomas Falke)

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    Affector Art Rock Bart Schwertmann Blues Camel Collin Leijenaar Dilemma Dortmund Edward Reekers Head Of PR InsideOut Music Irene Linders Jazz Jenny Doré Kayak Kristoffer Gildenlöw Marcel Singor Max Werner Musiktheater Piano Niederlande Peter Klapproth Pim Koopmans Progressive Rock Symphonic Prog Thomas Falke Timo Riedel Ton Scherpenzeel
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    Horst-Werner Riedel

    Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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    3 Kommentare

    1. Markus on 20. November 2018 22:22

      Danke für den tollen Bericht und die klasse Bilder. Auch für mich hat sich ein Kindheitstraum erfüllt, da ich seit dem ersten Hören von “Ruthless Queen” (in der WDR2-Schlagerrallye Ende der ’70er) Kayak-Fan bin.
      Es zeugt von großer Souveränität, dass Scherpenzeel & co auch vor den vergleichsweise wenigen Leuten ein gradioses Konzert hingelegt haben, das immerhin 45 Jahre Kayak umfasst hat: von Mammoth bis Cracks.
      Große Geste, dass die Musiker nach dem Konzert noch zu ihren Fans kamen und Autogramme gaben – inkl. Irene Linders (ja, es war “Irene”, das gespielt wurde, nicht “Anne” …).

      Alles in Allem: ein unvergesslicher Abend!

      Reply
      • Horst-Werner on 20. November 2018 22:35

        Hallo Markus,
        danke das freut mich sehr, dass es Dir genauso ergangen ist wie mir. Vielleicht gibt es ja noch einmal eine neue Chance die Band mit einem anderen Programm zu sehen. In den Niederlanden sind sie ja weiterhin ein Hallenfüller, zudem sah es nicht so aus, dass ein baldiges Ende ansteht.
        Gruß Horst

        Reply
        • Markus on 3. November 2019 23:39

          … ein Wiedersehen mit Kayak hätte es wohl Anfang Dezember am selben Ort geben können. Leider hat Kayak die geplante Tournee für den Dezember 2019 abgesagt – Mastermind und Urgestein Ton Scherpenzeel hat einen Herzinfarkt erlitten.
          Die (leider wenigen) deutschen Kayak-Fans hoffen nun, dass Ton wieder auf die Beine kommt und die Band beim Prog-Festival im Juli auf der Loreley auftreten wird.
          Gruß
          Markus

          Reply
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