Kayak – Seventeen

1

(60:00, CD, InsideOut Music/Sony Music, 2018)
In den 70ern gehörte die niederländische Formation Kayak zu den größeren Nummern des sinfonischen Progressive Rocks, die durchaus geschickt melodische Elemente, mehrstimmigen Gesang mit ausladenden Keyboardspiel verbanden und vor allem in ihrer Heimat in den Charts punkten konnten. Über die Jahre verwässerte sich deren Sound leider immer mehr, bevor sich die Band Anfang der 80er auflöste. Seit der Reunion Anfang des neuen Jahrtausends versuchte man sich teils an ambitionierten Projekten, verfiel aber auch teilweise mehr in Richtung massenkompatiblen AOR / Melodic Rock.

In der aktuellen Besetzung ist nur noch Ton Scherpenzeel vom frühen Line Up mit von der Partie, nachdem u.a. Sänger Edward Reekers die Band 2014 verließ. Der Keyboarder, der auch immer wieder bei Camel an den Tasten tätig war, verfasste alle Songs auf dem aktuellen Album und mit dem mittlerweile komplett runderneuerten fünfköpfigen Line-Up (u.a. mit Kristoffer Gildenlöw am Bass, sowie dem bereits bei Neal Morse tätigen Schlagzeuger Collin Leijenaar) versucht man so etwas wie den Brückenschlag zwischen progressiver Vergangenheit und kommerzieller Eingängigkeit.

„Seventeen“ klingt in gewisser Weise typisch nach Kayak, auch der neue Frontmann Bart Schwertmann macht seine Sache gesanglich ausgesprochen gut. Die zwölf Songs gehen gut ins Ohr, aber gleichzeitig scheint besonders bei den beiden über 10-minütigen Longtracks ‚La Peregrina‘ und ‚Walk Through Fire‘ eine gewisse bombastische Wucht und ausladende sinfonische Kraft durch. Bisweilen gleitet man in etwas schmalzig und leicht pathetisch wirkende Passagen ab. Andererseits gelingt es Kayak auch mit sehr sparsamen Arrangements zu punkten, wie dem rein instrumentalen ‚Ripples On The Water‘ mit einem wunderschönen Gastbeitrag von Andy Latimer (Camel), während ansonsten Marcel Singor überaus souverän und geschmackvoll die Saitenarbeit übernimmt.

Der Neustart von Kayak als griffige Mixtur funktioniert auf knapp einer Stunde wirklich bestens und gefällt vor allem durch seine Eleganz und melodische Schönheit. Das Album ist u.a. als Doppel-Vinyl plus CD im Klappcover, Special Edition 2CD Digipak mit 36-minütiger Bonus-Disc mit 2016er Demoaufnahmen sowie digital erhältlich.
Bewertung: 10/15 Punkten (HR 10, KR 9, KS 10)

Kayak (Foto: Constance Zwerus)

Surftipps zu Kayak:
Homepage
Facebook
iTunes
Spotify
InsideOut
last.fm
Wikipedia (D)

 

Print Friendly, PDF & Email
Teilen.

Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

1 Kommentar

  1. Was Kayak bietet, würde ich allenthalben als matt glänzend bezeichnen (außer 1. LP). Es sind keine feinen strukturierten Tonbilder zu hören, die den Zuhörer in einen Bann ziehen. Daran fehlt es auch anderen aktuellen Produktionen. Dem gegenüber zeig(t)en Procupine Tree, Transatlantic, The Flower Kings sowie Dream Theater, vll noch Arena wie es geht, musikalisch Stimmungsbilder zu zeichnen, die die Roaring Seventies nicht nur hören, sondern auch spüren lassen. Spätgeborenen wird dieses Gefühl leider durch die aktuellen Kayak nicht zuteil. Spontan fällt mir noch eine frühere Aufnahme ein und zwar Galleon mit „Mind Over Matter“. Gehört in jeden Plattenschrank.

Antworten

Kayak – Seventeen

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
1