Pain of Salvation, Kingcrow, 10.09.18, Bochum, Zeche

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The Pros and Pains of Disco Dancing

Pain of Salvation (PoS) können extrem polarisieren. So haben die Schweden um Frontdiva Daniel Gildenlöw beispipelsweise dem Autoren bereits das mit Abstand allerschönste und das ärgerlichste Konzerterlebnis überhaupt beschert.

An diesem noch einmal angenehm warmen Spätsommerabend wurde es allerdings ein Gig der gehobenen Mittelklasse:

Negatives

  • Daniel erscheint zu ‘Night’s Descending’, auf dessen Studiofassung er als Sänger gastiert, nicht auf der Bühne. Bei anderen Auftritten der Tour hat er diese Mühe investiert.
  • Für den persönlichen Schreiberlings-Geschmack zu wenig von “Remedy Lane”, aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau.
  • Etwas knapp zugeteilte Zeit für das Set von Kingcrow.

PoSitives

  • Der schöne Daniel sieht zwar inzwischen ein wenig abgerockt aus, scheint aber gut drauf zu sein – keinerlei Rumgezicke, zweckdienliche Ansagen statt Publikumsbeschimpfungen, Dankbarkeitsbekundungen statt egomanischer Vorträge.
  • Dynamische bis hyperaktive Bühnenshow – gemeinsam mit dem halbnackten Johan bildet das Duo einen optischen Magnet am vorderen Bühnenrand, gut ausbalanciert durch Gustaf Hielms humorige Bühnenpräsenz, Léo Margarits seit 2007 bewährtes Drumming und dem unterstützenden Wirken von Keyboarder/Gitarrist Daniel Karlsson.
  • Auffallend gutes Licht
  • Hervorragender Sound – das war Gewährsfrauen zufolge beispielsweise in Aschaffenburg überhaupt nicht der Fall
  • Schöne Setlist mit einigem selten gehörten Material wie beispielsweise ‘Pilgrim’, ‘Falling’ oder ‘Disco Queen’.
  • Mit Kingcrow eine wirklich starke “Vorgruppe”

Apropos Kingcrow: Als die Römer pünktlich um halb 8 loslegten, ist die Zeche noch beängstigend leer, richtig voll wurde sie bis zum Konzertende nicht. Angesichts des Gebotenen ist das bedauerlich und vielleicht am ehesten durch die relativ hohe Live-Frequenz von PoS erklärlich. Im Publikum dominierten jedenfalls T-Shirts zur aktuellen “The Passing Light of Day”-Tour. Diego Marchesi erwies sich einmal mehr als Bühnentier und charmanter Conferencier. Das Publikum bedankte sich mit sowohl kräftigem Applaus wie Mitklatschen während Stücken wie ‘Right Before’, ‘At The Same Pace’ oder ‘The Moth’. Nach dem Titelstück des aktuellen Albums “Persistence” und ‘If Only’ war allerdings schon wieder Schluss – nach 37 Minuten.

Nach kurzer Umbaupause gehört die Bühne dann also der Truppe aus Eskilstuna, die sie mit ‘On A Tuesday’ eroberten. Bei ‘Reasons’ fiel auf, wie wichtig, weil deutlich hörbar, Johans zweite Stimme inzwischen im Mix sein darf.

Nicht nur Voyager beherrschen die Kombination von ProgMetal mit Tanzmusik. Nur dass PoS nicht auf Techno, sondern auf Disco-Glam setzen. Nach dieser schwungvollen Nummer wirkt der hohe Anteil von Sprechgesang bei ‘Kingdom Of Loss’ etwas bremsend und verlustreich.

Mit dem Titelstück des aktuellen Albums endete ein wie gesagt guter, aber nicht das Leben verändernder Auftritt. Zu dem beide Bands aber m.E. fähig waren und vermutlich immer noch sind. Trotzdem schön.

Live-Fotos: Andrew Ilms

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Konzertbericht 13.04.17, Köln, Die Kantine
Festivalbericht 24.06.17, Valkenburg, Openluchttheater
Konzertbericht 13.03.2012, Bochum, Zeche
Konzertbericht 08.06.2012, Leipzig, Parkbühne GeyserHaus
Festivalbericht ProgPower Europe 2005
Konzertbericht Oberhausen, Arena 09.02.2002
Interview m. Gildenlöw zu “In the Passing Light of Day” (2016)
Interview m. Gildenlöw zu “Falling Home” (2014)
Interview m. Gildenlöw, u.a. zur Tour mit Cryptex (2012)
Interview m. Gildenlöw zu “Remedy Lane” (2002)
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Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

3 Kommentare

  1. Den miserablen Sound in Aschaffenburg kann ich leider bestätigen. Der war so sch**** (“Verzeihung.”), dass man nicht einmal die Ansagen zwischen den Songs akustisch verstehen konnte. Der Schlusstrack “The Pasing Light of Day” wurde leider komplett kaputtgemischt! Bei einem überwiegend ruhigen Track wie diesem hab ich das in dieser Form auch noch nie erlebt. Sehr schade, da die Performance der Jungs klasse war und für vieles entschädigt hat. Trotzdem extrem ärgerlich bei dreistündiger Anfahrt. Den Mixer würde ich feuern.
    Aber erfreulich zu hören, dass es in Bochum anders war. 🙂

    • Klaus Reckert

      Owei, Thomas, tut mir leid, das hört sich ja nach Earbl… sorry: Euroblast-Verhältnissen an. Normalerweise haben die Bands doch ihren eigenen Soundmensch dabei. Traurig, in Bochum wie gesagt allet juti.

      • Ja, soundmäßig sind Konzerte leider immer ein Lotteriespiel. Agent Fresco letzte Woche in Karlsruhe war z. B. echt top. Da hatte ich unglaublich Spaß. Bei Steven Wilson nächsten Januar in Straßbourg bin ich dagegen sehr skeptisch, hab mich aber breitschlagen lassen, mitzufahren. Nach zwei völlig verkorksten SW-Sounderfahrungen (Stuttgart, noch schlimmer Frankfurt) hatte ich mir eigentlich versprochen, nicht mehr hingehen zu müssen. 🙂 Ich lass mich überraschen. Ist aber einfach schade – fast schon tragisch – wenn die Jungs echt gut spielen, aber du den Klang der Instrumente nicht mehr “verstehen” kannst.

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Pain of Salvation, Kingcrow, 10.09.18, Bochum, Zeche

von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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