Grobschnitt – Solar Music Live (Black & White Vinyl-Serie, Reissue)

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(53:10/56:47, 2LP, Brain/Universal, 1978/2017)
„Solar Music – Live“ zählt wie „Rockpommel’s Land“ zu den beliebtesten Grobschnitt-Alben, die bislang als Black & White Vinyl Reissue erschienen sind und dürfte somit ebenfalls in dieser Form in so mancher Sammlung landen. Bei seiner Erstveröffentlichung 1978 wurde das Werk vom damals adoleszenten Rezensenten schlicht übersehen, was nicht zuletzt daran lag, dass von den britischen Inseln her ein ganz anderer Wind auch ins beschauliche Mittelhessen wehte. Bands wie The Police, The Jam oder auch die Amerikaner von dem B-52’s starteten eine Offensive auf die Plattenteller der Zeit.

„Solar Music – Live“ zeugt jedoch davon, dass die Welt des Prog- und Krautrocks hierzulande im Jahr 1978 noch in Ordnung war. Die ausufernde Improvisations-Tour de Force, die Grobschnitt auf diesem Tonträger bringt, belegt abzüglich des Gesangs die Stärken der Musiker auf der Bühne. Der „Giftgas-Anschlag“ zum Ende der ersten Seite darf als legendärer Gag angesehen werden. Das einer ständigen Metamorphose unterliegende Epos unterscheidet sich hier schon signifikant von der Version auf dem Album „Ballermann“ und hat klar die Nase vorn.

Die alternative Live-Version auf Lp Nr. 2, die wiederum ein Jahr zuvor in Hamburg mitgeschnitten wurde, demonstriert darüber hinaus, wie sehr dieser feste Teil eines jeden Grobschnitt-Konzerts allabendlich variierte. Zwar taugt ‚Solar Music‘ nur bedingt dazu, die veränderte Motivation von Live-Präsentationen im Allgemeinen darzustellen, es ist jedoch heutzutage eher üblich, auf der Bühne so nahe wie möglich am Tonträger zu bleiben, auch wenn dafür Einspielungen vom „Band“ notwendig sind. Da ist „Solar Music Live“ schon eher ein Drahtseilakt ohne Netz.

Bezüglich der Pressqualität und Artwork lässt sich exakt das Gleiche sagen wie schon zu „Rockpommel’s Land„. Alle Daumen hoch. Der beiliegende Download-Code beinhaltet wiederum das gesamte Material, das auf der 2015 erschienenen Doppel-CD bzw. auch in der Box 79:10 enthalten ist. Da schon mit dem folgenden Studioalbum „Merry-Go-Round“ ein stilistischer Schwenk eingeleitet wurde, der nicht zuletzt auch dem damaligen Zeitgeist Tribut zollte, darf man „Solar Music-Live“ als einen höchst würdigen Abschluss einer Ära betrachten. Ein Klassiker eben.
Bewertung: 12/15 Punkten (DH 12, GH 14, JM 13, KR 14 [original])

Surftipps zu Grobschnitt:
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Interview: Lupo und Eroc zu „Solar Movie“ (2016)
Interview: Lupo und Eroc zur Lebenswerkschau „79:10“ (Grobschnitt-Boxset, 2015)
Wikipedia
Wikipedia (Eroc)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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