Johannes Luley zu „Qitara“

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Das zweite Soloalbum von Johannes Luley, dem Gitarristen der Perfect Beings

Foto: Diana Feil

Im Zuge der Veröffentlichung seines zweiten Soloalbums „Qitara“ hatten wir die Gelegenheit, mit dem in L.A. lebenden und arbeitenden Gitarristen per Skype ein Gespräch über eben jenes Werk zu führen. Da zeitgleich auch durchsickerte, dass das nächste Perfect Beings Album auf InsideOut erscheinen wird, konnten wir ihm auch dazu einige News entlocken.

Herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung deines zweiten Soloalbums. Was hat dich speziell in Bezug auf dieses Album angetrieben?

Ich nutze meine Soloprojekte in erster Linie, um mich in Bereichen auszudrücken, wie ich es innerhalb meiner Band nicht kann. Ich habe schon mit sieben Jahren angefangen, Gitarre zu spielen. Die Soloprojekte geben mir die Möglichkeit, die Einflüsse, mit denen ich groß geworden bin, in meiner eigenen Musik zu verarbeiten.

Dazu gehört offensichtlich eine Menge Jazz und Fusion, wie etwa Weather Report oder Miles Davis.

Ja, „Qitara“ ist eine Jazzrock-Platte. Heute nennt man das eher Fusion, aber zu meiner Zeit nannte man das Jazzrock. Mein Vater war ein großer Jazz-Fan, in dessen Plattensammlung ich auch die jetzt gecoverten Titel ‚Red And Orange‘ (John Abercrombie) und ‚Faces In Reflection‘ (George Duke) fand. Mit 13 Jahren hat er mich zum ersten Mal zu einem Weather Report Konzert mit geschleift. Zu dieser Zeit war ich schon eher auf Rock konzentriert – ELP, Genesis und natürlich Yes, aber mein Vater hat mich immer wieder mit zu Jazzkonzerten genommen. Zu Jaco Pastorius, heute eine absolute Legende, oder 1981 zu Miles Davis. Auch Herbie Hancock habe ich mit ihm gesehen. Damals kamen diese ganzen Größen nach Deutschland. Jazzrock war zu der Zeit in Deutschland sehr angesagt. Heute sind diese Erinnerungen für mich unbezahlbar. Mein Vater hat auch gesagt, er würde die Gitarrenstunden bezahlen, aber es müsse Jazz sein. Anfänglich hab ich mich etwas gewehrt, aber dann hat es mir doch Spaß gemacht. Natürlich auch, weil ich gute Lehrer hatte. Mein erster Lehrer in Darmstadt war Eddy Marron, der übrigens bei der Krautrock-Legende Dzyan gespielt hat.

Aufgrund des Namens „Qitara“ und auch der Gestaltung des Booklets entsteht der Eindruck, dass Du dich zumindest ein Stück weit direkt anderen Gitarristen mit deinem neuen Werk mitteilen möchtest?

Naja, ok. Für die Infos im Booklet werden sich in erster Linie Gitarristen interessieren, zumindest was die jeweiligen Instrumente angeht. Aber selbstverständlich kann man das Album auch ganz unvoreingenommen als Nicht-Gitarrist hören und daran Spaß haben. Der Eindruck trügt also, das war nicht meine Intention.

Das Album ist ja über einen recht langen Zeitraum entstanden. Ich kann mich zum Beispiel vage an einen älteren Facebook-Post erinnern, in dem du die Session mit Ryan Downe erwähntest.

Ja das stimmt. Das Stück mit Ryan war nicht das erste Stück, das ich aufgenommen habe. Es muss wohl so ca. 2015 gewesen sein. Es ist so, dass ich immer Zeit zwischen anderen Projekten finden muss, um an meinen Solo-Sachen zu arbeiten. Kunden in meinem Tonstudio haben immer Vorrang, einfach aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Dann sind da natürlich die Perfect Beings. Da ist eigentlich immer was los. Wenn wir nicht gerade ein neues Album aufnehmen, dann überlegen wir, wie unser nächstes wird. Oder es gibt Foto-Aufnahmen. Also irgendwas ist immer. Das sind die Gründe, warum es dann letzlich vier Jahre gedauert hat, bis das Album fertig war. Im Kasten war es im Prinzip vor ca. neun Monaten, aber im Vorfeld der Veröffentlichung gibt es ja auch noch eine Menge zu erledigen. Aber die Fans waren geduldig und jetzt bin ich froh, dass sie draussen ist.

Foto: www.johannesluley.com

Bei ‚Sister Six‘, dem Stück mit Ryan Downe, fühl ich mich persönlich ein wenig an die Phil Collins-Version von ‚Tomorrow Never Knows‘ erinnert. Kannst du damit was anfangen?

Absolut, damit kann ich etwas anfangen. „Face Value“ ist eines meiner All-Time Faves. Es ist nicht besonders proggy, aber ein ganz tolles Album. Es ist vermutlich der Bass-Synthesiser, der dich an ‚Tomorrow Never Knows‘ erinnert. Dieser schlangenartige Moog-Bass. Das ist aber Zufall. Ich habe beim Arrangement nicht an ein bestimmtes Stück gedacht. Der Moog-Bass kommt übrigens auf ‚Cause and Effect‘ vom zweiten Perfect Beings Album auch vor.

Die Entstehungsgeschichte von dem Song ist übrigens ganz interessant. Ich hatte auf einem Flohmarkt für 150 Dollar eine Santur, das ist so eine Art Hammered Dulcimer, gekauft. Die sah zwar nicht so schön aus, klang aber sehr gut. Jetzt wollte ich natürlich auch was damit machen, und so ist dann quasi dieses Stück entstanden. Dazu kam dann der Wunsch, dass Ryan auf dem Song singt. Da er aber in San Francisco lebt, war das gar nicht so einfach. Schliesslich hat er aber während eines Besuchs bei Verwandten hier in L.A. die Gelegenheit genutzt, an einem Nachmittag zu mir ins Studio zu kommen, und so konnten wir den Gesang aufnehmen.

Foto: www.johannesluley.com

Neben Ryan spielen ja eine ganze Reihe durchaus anerkannter und bekannter Musiker. Das ist ja schon eine beeindruckende Besetzung. Wie entstehen diese Kontakte?

Die kurze Antwort ist L.A. Man sieht hier einfach viele bekannte Leute aus dem Musik- und Film-Business auf der Straße, im Cafe oder Restaurant. Michael Hunter beispielsweise hatte ich im Vorfeld auch schon für andere Jobs im Studio für Klienten  engagiert. Ich wusste, dass er gut ist. Er hat schon für Lenny Kravitz und auch für Tom Petty (R.I.P.) gespielt. Otmaro Ruiz ist wahrscheinlich der renommierteste Musiker, der auf meiner Platte spielt. Er spielt auf ‚Upness‘, ein rhythmisch sehr schwieriges Stück. Dafür bin ich zu ihm in sein Studio in Santa Clarita gefahren. Er ist wirklich unglaublich gut. Er hat seinen Part in drei Takes eingespielt. Ich hätte schon nach dem ersten Take nach Hause gehen können, aber netterweise hat er mir noch zwei bis drei Takes dazu gespielt.

Auf was legst du grundsätzlich bei der Produktion eines Albums wert?

Ich versuche, zeitlose Sounds zu kreieren. Nimm zum Beispiel Pink Floyds „Wish You Were Here“. Das klingt heute noch frisch und nicht nach etwas, was einer bestimmten Ära anhaftet. Das ist immer mein Ziel. Ich halte mich fern von Trends. Das ist auch für mein Studio die Philosophie. Ich bin jetzt seit 2006 in Los Angeles. Seit 2009 habe ich das Studio in meinem Haus. Hier lege ich Wert auf gutes Equipment. Die Auswahl ist dann vielleicht nicht so groß, aber die Qualität stimmt, und das zahlt sich am Ende aus. Klein aber fein, deutsch eben, du verstehst. Mein erstes Soloalbum „Tales From A Sheepfather’s Grove“ habe ich übrigens auch gerade remastered. Die remasterte Version gibt es als HD-FLAC Download in meinem Web-Shop.

Themenwechsel – kannst du uns schon was zum nächsten Perfect Beings Album sagen? Ihr habt ja gerade bei InsideOut Music unterschrieben.

Ich hatte schon 2013 Kontakt zu Thomas Waber von InsideOut. Konkretes Interesse an einer Zusammenarbeit hat Thomas dann unglücklicherweise kurz nach Erscheinen unseres zweiten Albums bekundet. Da mussten wir ihm sagen, dass es für dieses Album zu spät war. Das hat beide Seiten enttäuscht. Wir sind dann aber überein gekommen, dass wir uns beim dritten Album wieder zusammen setzen. Nachdem er jetzt das neue Album gehört hat, sagte er auch sofort: „Ok, machen wir“.

Nach „II“ seid ihr ja unfreiwillig zum Trio geschrumpft. Wie habt ihr das Album aufgenommen?

Stimmt, das Album ist als Trio entstanden. Das Schlagzeug hat Ben Levin, ein Session Schlagzeuger eingespielt. Ein ganz toller Drummer – Wir sind alle begeistert. Ich bin zwar Gitarrist, aber der Schlagzeugsound, auch als Produzent ist mir sehr wichtig. Ausserdem hat das Schlagzeug eine sehr wichtige Position in unserer Musik, auf der neuen Platte eigentlich noch viel mehr als bisher. Es war klar, dass Ben nur das Album im Studio einspielt. Also haben wir uns im Anschluss um einen Drummer als neues Mitglied kümmern müssen. Sean Reinert ist ein Bekannter von Chris, unserem früheren Bassisten. Da seine Band Cynic derzeit auf Eis liegt, war er sofort interessiert. Auch er ist sehr talentiert, wir sind gespannt.

Einen Bassisten braucht ihr doch auch, oder?

Stimmt, derzeit laufen Auditions für die Position am Bass und auch Saxophon. Mehr möchte und kann ich jetzt allerdings noch nicht sagen. Es ist alles noch sehr frisch.

Vielen Dank, ich drücke die Daumen. Wir sind jedenfalls gespannt und vergnügen uns erst mal mit „Qitara“.

Nachtrag: Wie Johannes uns gerade dieser Tage noch mitteilte, sind mit Jason Lobell am Bass und Dan Kaneyuki am Saxofon, zwei Musikern aus L. A., die bislang noch vakanten Positionen bei den Beings besetzt worden. In dieser Formation wird man nun auch im Mai 2018 in Gettysburg beim Rosfest spielen.

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„Qitara“-Rezension

 

 

 

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Johannes Luley zu „Qitara“

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 6 min
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