Perfect Beings – Perfect Beings II

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large(49:52, MP3, My Sonic Temple, 2015)
Man durfte gespannt sein auf das zweite Oeuvre von Perfect Beings, der Band um den Ex-Moth Vellum-Gitarristen Johannes Luley und Ryan Hurtgen (aka René Breton). Die Messlatte für den Zweitling lag aufgrund des hervorragenden Debüts schon in luftigen Höhen. Zunächst musste mit einer Crowdfunding-Kampagne PledgeMusic die Finanzierung des Zweitlings in trockene Tücher gebracht werden, was auf den letzten Metern auch gelang, sodass das Album nun am 16. Oktober in die virtuellen „Läden“ kommt.

Wir hatten die Gelegenheit, PBII im Vorfeld bereits ausgiebig auf Herz und Nieren zu prüfen. Während meines Griechenland-Urlaubs (die-Ich Form sei hier mal erlaubt) tönte das Werk quasi in Dauerrotation auf dem iPhone. Es brauchte durchaus einige Zeit, um der Scheibe vollends auf die Schliche zu kommen. Der fulminante instrumentale Einstieg ‚Mar Del Fuego‘ endet mit einem kurzen vokalen Intermezzo abrupt und mit Ryan Hurtgens kryptischem Rat, es brauche nur zwei Dinge, Hingabe und Anmut, wie der einer Mutter, um schadlos durch das Leben zu gehen. Das folgende ‚Cryogenia‘ (erdgeschichtlich Eiszeit) thematisiert ruhig, poetisch, die Ursprünge des Lebens und erinnert dabei ganz entfernt ‚Turn of The Century‘ von Yes. Ein mutiger Album-Einstieg mit ungewöhnlichen Song-Strukturen, die man sich als Hörer erst erarbeiten muss. Nach dem kurzen instrumentalen Zwischenspiel ‚Samsara‘ folgt mit ‚The Love Inside‘ der längste Song des Albums. Die Vocal-Parts des Stücks bauen auf perlenden Piano auf. Das Stück steigert sich behutsam. Der mitreißende instrumentale Mittelteil zitiert mit Moog, Drums und Gitarre plötzlich eine nie dagewesene Proglegende mit dem Namen: „Emerson, Howe and Palmer“. Sicher einer der stärksten Momente des Albums!!

Es folgen weitere Höhepunkte wie etwa das luftig akustische ‚The Yard‘ und das mächtige groovende ‚Go‘. Mit ‚Rivermaker‘ gelingt ein symphonisches Prog Breitwand-Epos, das so manchen Prog-Longtrack Marke Morse in Sachen Substanz ziemlich alt aussehen lässt. Nach ‚Cause and Effect‘ mit wuchtig, jazzigem Mittelteil klingt PBII mit ‚The Thrill Seeker‘, in dem Ryan Hurtgens Gesang von Robin Hathaway unterstützt wird, sanft aus.

Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW40/2015

Wie  eingangs bereits erwähnt, erschließt sich PBII (so wie es sich für ein richtig gutes Prog-Album eigentlich auch gehört) erst nach mehrmaligen Hören. Es klingt dabei ebenso retro wie modern, ist äusserst vielschichtig instrumentiert und mit viel Liebe zum Detail arrangiert. Dabei hat man darauf verzichtet die Stücke all zu sehr zu strecken und spart sich Wiederholungen. Das Ergebnis ist ein ziemlich hochprozentiges Destillat, das allerhand Schattierungen in kurzen Abfolgen bietet, hochmelodiös und im nächsten Moment wild, schräg und vertrackt daher kommen kann. Dass mit Ryan Hurtgen, Johannes Luley, Dicki Fliszar Jesse Nason und Chris Tristram exzellente Musiker am Werk sind, hat man schon auf dem Debüt feststellen können. Auf dem neuen Werk ist man als Band ein gutes Stück zusammen gewachsen und das kann man hören. Bleibt nur zu sagen: Das Album macht riesigen Spaß.
Bewertung 15/15 (DH 15, JM 12, KR 13)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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