Bob Catley (Magnum) über „Sacred Blood – ‚Divine‘ Lies“

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Magnum Logo»’On A Storytellers Night‘ wird ein Comeback feiern.«

Magnum veröffentlichen heute mit „Sacred Blood – ‚Divine‘ Lies“ (zur Rezension) ihr 19. Studioalbum. Grund genug, sich mit Sänger Bob Catley auf ein virtuelles Bier zu treffen, um über die neue Platte und sein interessantes Nebenprojekt zu sprechen. Auf die Sekunde pünktlich klingelt das Telefon bei den Betreuern, am anderen Ende ein extrem gut gelaunter Interviewpartner.

Bob, wie geht es Dir?

Sehr gut, ich habe gerade jede Menge Interviews zu unserem neuen Album zu geben. Okay, ist ja auch nicht gerade unser erstes Werk. Ich mache das schon seit 1978, als „Kingdom of Madness“ erschien. Und jetzt reden wir über unser 19. Studioalbum, verrückt.

Das ist wirklich ein beeindruckende Zahl, wie schafft es Tony Clarkin über all diese Jahre seit eurer Reunion in 2002, diesen nie enden wollenden Output an neuen Songs zu schreiben und dabei die Qualität so hoch zu halten?

Vielleicht liegt es daran, dass er aufgehört hat zu trinken (lacht). Nein im Ernst, er spielt immerzu Gitarre. Er besitzt ein kleines Aufnahmestudio in seinem Garten, da hat er all seinen Kram stehen, und nunja, er sitzt da vermutlich jede freie Minute und hält seine Ideen fest. Meistens fängt er schon während oder kurz nach einer unserer Touren damit an. Während wir anderen also Urlaub machen, sitzt Tony schon mit Volldampf an neuen Material. Anfang 2015 rief Tony mich an, und sagte mir, er hätte so an die 60 Ideen fürs neue Album. Er spielte mir die Sachen dann oft vor, vieles fiel nach und nach heraus, weil die Ideen doch nicht richtig funktionieren. Letztlich hatten wir knapp 20 Songs grob fertig, von denen ein paar weitere gestrichen wurden. Am Ende sind wir dann mit 13 Songs an die Aufnahmen gegangen. Zehn davon sind auf „Sacred Blood…“ gelandet, weil sie genau in dieser Reihenfolge einfach großartig funktionieren. Drei weitere Songs gibt es als Bonus auf der limitierten Fassung mit Bonus-DVD. Ich liebe es, mit Tony im Studio zu sein, und ich bin meist der erste, der seine neuen Ideen zu hören bekommt. Er hat dann auch schon die passenden Texte parat, mit denen ich mich beschäftigen kann. Er ist durch und durch Perfektionist, von allen Songs gibt es von ihm schon fertige Demos, nebenbei bemerkt spielt er da sogar ganz passabel Schlagzeug. Die Jungs (Anmerkung: Mark Stanway an den Keyboards, Alan Barrow am Bass, Harry James am Schlagzeug) können sich also perfekt vorbereiten. Aber es ist alles immer nur ein Vorschlag von Tony, wie es klingen könnte. Die Band bringt sich dann voll ein, und ich denke, darin schlägt sich einfach nieder, wie Magnum heutzutage klingen.

Bob Catley (links) & Tony Clarkin

Bob Catley (links) und Tony Clarkin

Hattest Du jemals das Bedürfnis, selbst Songs oder Texte zu schreiben?

Nein, ich möchte einfach nur der Sänger in einer Band sein. Ich könnte sowieso niemals mit Tonys Fähigkeiten mithalten. Im Ernst, ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen einzigen Song geschrieben. Die Leute sagen mir oft: Oh, den Song hast du doch bestimmt selbst geschrieben, so überzeugend wie du ihn singst. Und ich kann nur antworten: Nein, ich versuche jeden Song mit ganzem Herzen zu singen, als ob er mein eigener wäre. Das ist wohl der Grund, warum ich Teil von Magnum bin.

Du scheinst zu hundert Prozent hinter dem zu stehen, was Du mit Magnum machst. Hast Du in den letzten Jahren trotzdem jemals daran gedacht, mit der Musik und dem Singen aufzuhören um aus diesem Album-Tour-Kreislauf auszubrechen?

Die Antwort ist einfach: Solange Tony und ich so gut zusammenarbeiten und mit ganzem Herzen dabei sind, werden wir wohl weiter Musik mit Magnum machen, und natürlich müssen uns die Leute sehen wollen und unsere Alben kaufen. Wir möchten natürlich auch für unsere Fans relevant bleiben, und ihnen immer etwas Neues bieten. Wir haben da einen Song auf dem neuen Album, der sich ‚Crazy Old Mothers‘ nennt. Der ist unseren ältesten und treusten Fans gewidmet. Oder sollte ich sagen: den Fans, die mit uns zusammen gealtert sind? Es geht einfach darum, dass sie schon seit so vielen Jahren selbst ein Teil  von Magnum sind. Sie bringen mittlerweile sogar ihre Kinder mit zu den Konzerten, und die sogar schon deren Nachwuchs. Das hat schon fast etwas von einem großen Familientreffen. Ich muss sagen, Magnum-Fans sind einfach tolle Menschen. Ich möchte das solange genießen wie möglich. Also habe ich nie ans Aufhören gedacht, von mir aus könnte es ewig so weitergehen. Ich glaube, ich wurden dazu geboren, Teil einer Band zu sein. (Lacht). Im Ernst, ich hab‘ ein tolles Leben, meine Stimme ist immer noch da, und ich darf diese wundervolle Musik machen. Da dürfen ruhig noch ein paar weitere Alben kommen. Davon abgesehen habe ich das große Glück, immer wieder auch noch an anderen Projekten teilzuhaben. Aktuell bin ich auch auf  „Ghostlights“ von Tobias Sammets Avantasia zu hören.

Das sind sicherlich tolle Neuigkeiten für eure Fans. Viele Bands die in den 80er-Jahren Erfolge feierten, hängen noch heute ihren alten Hits nach und scheinen ihr neueres Material auf  Tour zu ignorieren. Bei Magnum ist das anders, es gibt bei Euren Konzerten immer eine gesunde Mischung aus alten Hits mit  jeder Menge neuem Material, und ihr scheint auch wirklich hinter diesen neuen Titeln zu stehen.

Ja, absolut. Das liegt unter anderem auch an Tony, er mag es nicht, immer nur zurückzuschauen. Klar könnten wir es uns einfach machen und nur alte Hits spielen. Aber wir wollen uns immer wieder neu beweisen, und dazu gehört es, auch die neuen Sachen zu spielen. Wir spielen auf jeder neuen Tour mindestens drei bis vier Songs vom aktuellen Album, und oft werden diese Songs über die Jahre zu neuen Klassikern im Set. Aber keine Angst, auf der aktuellen Tour werden wir auch ein paar alte Songs spielen, die schon länger nicht mehr im Programm waren. ‚Soldiers of the Line‘ zum Beispiel, und auch ‚On A Storytellers Night‘ werden Comebacks feiern. ‚On A Storytellers Night‘ haben wir ewig nicht mehr gebracht. Wenn das die Fans nicht sofort mitreißt, was dann (lacht)?

MAGNUM 2016: Mark Stanway, Alan Barrow, Tony Clarkin, Harry James, Bob Catley

Magnum 2016: Mark Stanway, Alan Barrow, Tony Clarkin, Harry James, Bob Catley

Wir wollten Dich gerade fragen, ob ihr Überraschungen für die kommende Tour geplant habt.

Sorry, ich hab da gerade wohl etwas ausgeplaudert was ich nicht sollte.

Du erwähntest eben Avantasia. Hast Du mitbekommen, dass Tobias Sammet für Deutschland am diesjährigen Vorentscheid des Eurovision Song Contests teilnimmt? Das war hier eine ziemlich große Überraschung.

Oh ja, ich habe davon gehört. Ich denke, das ist ein großartige Sache für Avantasia, und ich bin ja Teil dieses wundervollen Projektes. Ich hoffe natürlich, dass sie den Vorentscheid gewinnen. Ich mag, was Tobias da macht. Auch die Zusammenarbeit mit so vielen großartigen Gastsängern wie Michael Kiske oder Jørn Lande ist etwas Einmaliges. Ich bin da ja eher für die Balladen und das Armschwenken zuständig (lacht). Es ist einfach eine tolle Zusammenstellung aller möglichen Musikarten, und Tobias liefert da eine fast dreistündige Show ab. Die Tour mit Avantasia beginnt im März, ich freue mich schon sehr darauf.  Oh Mann, ich schweife ab… Um auf den ESC zurückzukommen: Der hat ja hier in England ein eher schlechtes Image. In den letzten Jahren gab es da leider gerade aus England viel Müll. Warum sollte es Tobias mit Avantasia also nicht einfach mal probieren? Sollte er es wirklich ins Finale schaffen, wird ihm das sicherlich viele neue Fans bringen. Ich wünsche ihm viel Glück. Er spielt dort ja nur mit einer kleineren Band, aber wenn er es wirklich schaffen sollte, sind wir alle dabei, um eine große Party zu feiern. Tobias Sammet ist ein guter Freund geworden, nebenbei bemerkt ist er selbst großer Magnum-Fan. Ich glaube, er liebt es einfach, zusammen mit seinen Idolen auf der Bühne zu stehen.

Du gehst also auch mit Avantasia auf Tour?

Ja, genau. Ich war auf dem letzten und dem aktuellen Album „Ghostlights“ auf ein paar Songs vertreten. Bei der neuen Tour werde ich für fünf Songs auf der Bühne stehen. Wir verstehen uns hervorragend und ich genieße es jeden Abend, mit all diesen Künstlern, die ich selbst bewundere, Musik zu machen. Allerdings kann ich leider nicht bei der anschließenden Welttournee dabei sein, denn dann werde ich mit Magnum touren. Ich war mit Avantasia auch schon weltweit auf Tour, aber hier gehört meine Loyalität zu hundert Prozent Magnum und unserem neuen Album. Im Sommer bin ich aber wieder bei einigen Festivals dabei. Wow, ich hab‘ ein ziemlich volles Programm dieses Jahr (stöhnt ein wenig und muss dann lachen).

Wir wollten Dich eigentlich gerade fragen, was Du außerhalb von Magnum noch machst, und ob Du noch andere Interessen hast. Das hat sich wohl gerade erledigt, oder gibt es tatsächlich noch ein Leben neben dem des Rocksängers?

Die Leute vermuten immer, dass man noch so viel Zeit nebenbei hätte. Ich würde zum Beispiel wirklich gerne ab und zu auch mal zu Gigs anderer Bands gehen, aber meistens schaffe ich es  nicht. Wenn ich mal zu Hause bin und nicht gerade auf Tour oder im Studio, dann bin ich damit zufrieden einfach mal  in Ruhe ein paar Filme genießen zu können oder mich auf einen Pint in der Bar gegenüber auszuruhen. Ich glaube, ich bin zu alt für den ganzen anderen Kram geworden.

Eine weitere Frage an Dich kommt von Klaus Reckert: Bei all den vielen und auch erfolgreichen Songs und Alben Eurer Karriere, stellt da „On A Storyteller’s Night“ immer noch etwas Besonderes dar – etwas mit einmaliger Magie?

Absolut! Du musst wissen, vor diesem Album stand es nicht besonders gut um die Zukunft von Magnum. Man kann sagen, dass „On A Storytellers Night“ der Wendepunkt in unserer Karriere war. Alle Erfolge, die danach kamen, wie „Vigilante“ oder „Wings of Heaven“, die wirklich extrem erfolgreich waren, sie alle fußen auf dem Erfolg dieses Albums. Wenn „On A Storytellers Night“ nicht so eingeschlagen hätte – ich weiß nicht, ob es Magnum dann heute noch gäbe. Danach wurden die Labels erst richtig aufmerksam auf uns. Wir sind diesem Album auf ewig dankbar, aber ich denke auch, dass für die Fans dasselbe gilt. Es hat einen speziellen Platz in unserer Historie, aber auch im Leben unserer Fans. Dazu kommt noch das fantastische Titelbild von Rodney Matthews, das von den Fans verehrt wird.

Dass eine Band wie Magnum nach all den Jahren immer noch Musik macht und regelmäßig Alben herausbringt, ist sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Irgendwie habt ihr es geschafft, das Ganze immer noch frisch und neu klingen zu lassen.

Das liegt daran, dass wir uns immer wieder selbst herausfordern. Manche Leute fragen mich, warum wir überhaupt noch neue Alben machen. Wir könnten uns ja einfach zurücklehnen und von unserem Backkatalog leben und touren. Aber wir ich vorher schon sagte, das ist einfach nicht unser Ding. Wir wollen uns stets motivieren, und dazu gehört es einfach auch neue Songs aufzunehmen und zu spielen. Das ist es, was die Fans von uns erwarten. Wir machen das nun schon seit Jahren so und haben da eine wirklich gute Mischung für uns gefunden. Man kann die Leute nur zufriedenstellen, wenn man selbst mit sich zufrieden ist. Wenn wir unsere Sache lieben, dann lieben die Fans sie wohl automatisch auch. Oh Mann, ich glaube wir lieben unsere Fans vermutlich genauso so sehr, wie sie uns. Come on, you crazy old mothers, let’s do it (lacht)!

Das ist wohl ein perfektes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch, wir sehen uns sicherlich auf Tour.

Das Interview führten Dieter Hoffmann und Henrik Kropp für betreutesproggen.de

Magnum auf Tour:
19.04.16 DK-Frederiksvaerk – Gjethuset
20.04.16 SE-Gothenburg – Sticky Fingers
21.04.16 SE-Stockholm – Debaser Medis
22.04.16 SE-Örebro – Kulturhuset
23.04.16 SE-Helsingborg – The Tivoli
25.04.16 D-Nürnberg – Hirsch
26.04.16 D-Augsburg – Spectrum
28.04.16 D-Ingolstadt – Eventhalle
29.04.16 D-Memmingen – Kaminwerk
30.04.16 CH-Pratteln – Z7
02.05.16 D-Munich – Ampere
03.05.16 D-Aschaffenburg – Colos-Saal  (wir betreuen vor Ort)
04.05.16 D-Hamburg – Fabrik
06.05.16 D-Berlin – Columbia Club
07.05.16 D-Worpswede – Music Hall
08.05.16 D-Bochum – Zeche

Festival mit Magnum:
29.-31.07.16 D-Seebronn – Rock Of Ages Open Air

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Über den Autor

Henrik Kropp

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von Henrik Kropp Artikel-Lesezeit: ca. 8 min
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