»Es geht nie um das Instrument – es geht immer um die Absicht« Die beiden australischen Musiker Alex O`Toole (Drums) und Simeon Bartholomew (Gitarre), die bei Down Under-Institutionen wie Meniscus und SEIMS anzutreffen sind, veröffentlichten mit „n000000000.1“ ein Album, das es in sich hat. Hier kollabiert improvisatorischer Wahnwitz mit grenzenloser Spielfreude und dynamischer Finesse. Warum eigentlich der seltsame Albumtitel „n000000000“? Alex: „n000000000“ ist eigentlich der Name der Band. Wir sprechen ihn als „no“ aus, aber jeder hat da so seine eigene Interpretation. „n000000000.1“ ist der Name des Albums. Wir haben unsere eigentlichen Namen zur Veröffentlichung hinzugefügt, als uns klar wurde,…
Autor: Carsten Agthe
Shoegaze • Slowcore (40:55; CD, Vinyl, Digital; Atypeek Music/Shore Dive Records; 25.09.2026) Ganze 35 Jahre ist es nun schon her, dass My Bloody Valentine mit "Loveless" die Blaupause für Shoegaze schlechthin veröffentlichten, dessen Nachhall bis heute vernehmbar ist. Und den auch Pam Risourié hörbar verinnerlicht haben. Auf ihrem zweiten Album potenzierte die Pariser Shoegazefraktion ihr Feedback merklich, derweil der Wohlfühleffekt des Debüts "Days Of Distortion" erhalten bleibt. Hatte man eben hier das Gefühl, Pam Risourié übten sich in angestrengter Zurückhaltung, so wird nun geradezu gelärmt, dass bei entsprechender Lautstärke ein Gehörschutz hilfreich wäre, was einem angenehmen Ohrenbluten entgegenwirkt. Der Shoegaze…
Post Rock (33:23; Vinyl, Digital; Noise Appeal Records; 16.10.2026) Mit seinen gerade einmal etwas mehr als dreißig Minuten wirkt "Split Split", das mithin schon sechste Album der Wiener Postrockfraktion, wie ein Augenblick oder wie, um beim Thema zu bleiben, ein 'Split Second'. Dabei ist das Essentielle an dem Album der Gehalt an postrockmusikalischen Ballaststoffen, auf welche man hier äußersten Wert legt. Alles dreht sich um Spaltung, womit das Konzept hinter "Split Split" schon ein dringliches ist. Eine verträumte Pianophrase eröffnet dabei meistens die Szenerien, die schon in dem Opener 'Split It' mit der Gigantomanie und dem Klirrfaktor postrockender Ekstase glänzen.…
Desert Pop • Chill Out (28:17; Vinyl, Digital; Fun In The Church/Bertus; 16.10.2026) Was für einen Sampler mit Berliner Straßenmusik geplant war, der dann hinsichtlich geplatzter Förderungen doch nicht realisiert wurde, entwickelt jetzt ein relatives Eigenleben. Produzent war dermaßen fasziniert von der Musik, die der derzeit in Berlin lebende argentinische Straßenmusiker in den U-Bahnhöfen der Hauptstadt inszenierte, dass er diesen kurzerhand zu sich ins Studio holte und den Dingen, die sich darauf entwickelten, ihren vorbestimmten Lauf ließ. Mit Gitarre und Drumcomputer kreierte der Musiker hier sein eigenes Schlafzimmer, seinen 'Interstellar Bedroom', welcher hier von einer Flut anheimelnder, aus Desert Pop,…
Blues'n'Stoner Rock (35:59, CD, Vinyl, Digital; Pink Tank Records; 02.10.2026) Eine gehörige Portion Seventies-Jukebox-Feeling einer abgeranzten Blueskneipe irgendwo im Nirgendwo liefern Oakfarm mit ihrem zweiten Album. Und das ist nun einmal gut so. Dem Trio aus Kiel nimmt man eben nicht ab, dass es von der Ostsee kommt, zu staubig, zu geerdet kommt der Sound, der gezielt auf Vintage gebürstet ist. Acht gut abgehangene Bluesrocker liefert Oakfarm mit "Too Hard For Some Too Soft For Others", Bluesrocker, die seltsam vertraut wirken, wenn man seine musikalische Entwicklung in den Siebzigern verortet hat. Die Gitarren sind dreckig, Bass und Drums rumpeln, wie…
Grunge • Alternative Rock (33:32; CD, Vinyl, Digital; Noisolution/Edel; 20.03.2026) „Bad milk, you got it…“ (frei nach den Beasts Of Bourbon). Jetzt haben wir es. Tübingen ist das neue Seattle und die Yeast Machine die neuen Mudhoney. Mit ungestümer Energie und Wucht liefert das Quintett, das sonst gemeinsam in einer WG herumlungert, überaus effizienten Alternative Rock, der, lässt man die letzten 35 Jahre geschmeidig Revue passieren, auch noch zeitlos ist. Mit mächtigen Gitarrenwällen steht der Noise bei Yeast Machine an erster Stelle, der Song an sich aber mit kurzem Abstand an zweiter. Nach einem überraschenden 'Globalized Condolences', das seine ganze…
Sludge • Stoner Rock (37:35; CD, Vinyl, Digital; Heavy Psych Sounds Records; 23.01.2026) Scott ‚Wino‘ Weinrich (The Obsessed, Saint Vitus, Spirit Caravan) hat es wieder getan. Nämlich eine neue Band aus der Taufe gehoben. Dabei hat Ritual Arcana durchaus das Zeug zur Supergroup, spielen hier doch neben Wino auch noch Bassistin und Sängerin SharLee LuckyFree (Moth) und Schlagzeuger Oakley Munson (The Black Lips) auf. Mit dem gleichnamigen Album hat das Trio dann auch gleich das Debüt am Start, das sich zäh und sludge-ig seinen vorbestimmten Weg bahnt. Die Vocals von SharLee LuckyFree wirken wie die der 80er-Wave-Ikonen Siouxsie oder Lene…
Gothic Rock • Heavy Rock • Post Punk (37:05; CD, Vinyl, Digital; Noisolution/Edel; 23.10.2026) Ein Relikt aus den Urzeiten des Gothic Rock. Denn geschrieben hat \Tony Reed\ (Mos Generator, Pentagram, Big Scenic Nowhere) die unter dem Namen Constance Womb zu verortenden Songs schon 1988 und damals auch auf irgendwelchen Tapes untergebracht. Nun, Jahre später, macht der heute vor allem als Produzent agierende Jack Of All Trades Ernst und aus Constance Tomb eine ‚richtige‘ Band. Zusammen mit Bassist Bo McConaghie und Schlagzeuger Christian Roney erweckt er die Songs, die 2020 schon einmal im Alleingang eingespielt wurden, zum rifflastigen Leben und lärmt…
Alternative Metal (41:30, CD, Vinyl, Digital; Tonzonen Records/Cargo; 23.10.2026) Nicht der Elefant im Porzellanladen, sondern der Godzilla In The Kitchen ist das Maß aller Dinge, wenn es um kompromissloses Durch-die-Wand-Preschen geht. Dieses Mal allerdings mit Gesang. Und neuem Drummer. Die Neubesetzung war gleichzeitig Zäsur und Neubeginn für eine Band, die im Laufe ihrer eigentlich kurzen Karriere schon eine Menge erreicht hat. Nun übernahm Thiago Presto aus Rio de Janeiro kurzerhand und eigentlich rein zufällig den Posten hinter den Drums, während Bassist Simon Ulm nebenbei das Mikrofon übernahm. So rauscht die alles niedermähende Urgewalt in Sachen Alternative Metal aus Leipzig dieses…
Experimental Rock (53:23; CD, Vinyl, Digital; Bird’s Robe Records/MGM; 23.10.2026) Supergroup? Beziehungsweise Superduo? Die beiden Protagonisten, die hier sympathisch am Lärmen sind, sind sonst in Institutionen wie Meniscus, Rocket Head, Vinddan, Captain Kickarse &; The Awesomes und Recalibrate (Alex O’Toole) sowie SEIMS, Godswounds und Kurushimi (Simeon Bartholomew) aktiv, also regelrecht beim „Who’s Who“ des australischen Undergrounds anzutreffen. „All material on this album was improved and recorded live at Adversary Studios, St. Peters“ – was gleichzeitig als Warnung und Klarstellung zu werten ist. Wenn man die Zusatzinformationen zu den Titeln auf "nOOOOOOOOO.1" (d. h., dass hier durchaus eine Fortsetzung zu erwarten…
(35:51, CD, Vinyl, Digital; Klonosphere Records/Season Of Mist; 23.10.2026) Post Rock Da haben sich doch ein paar dezente Wishbone-Ash-Skills ins Post-Rock-Universum verirrt. Could Seed flanieren lässig an der Grenze, die die Seventies vom Hier und Jetzt trennt, und kommen mit einem Album, dem dritten des Vierers aus dem französischen Le Mans, das schon irgendwie als Crossover charakterisiert werden darf. Zwischen hochatmosphärischen Sounds und metallischen Breitseiten liefern Could Seed ein breit gefächertes Feuerwerk. In einem Song schaffen sie schon einmal den Spagat von Steve Reich’schem Minimal über jubilierenden Prog hin zu geerdetem Gilmour-Blues ('Pangea'), nur um uns später mit epischem Noise-Faktor…
Pink Is The New Black! Ein Jahr nach dem digitalen Release kam „Reverie“, das letzte Album von Bunsenburner, nun auch auf Vinyl. Und, dem Cover entsprechend, im schnieken Rosa. Weil Rosa im inflationären Einheitsschwarz einfach Akzente setzt. Was für die Musik der Band aus Freiburg sowieso zutrifft, die mit ihrem abenteuerlichen Crossover, der von Xtreme Metal bis hin zu Spiritual Jazz alles abdeckt, was bei drei nicht auf dem Baum ist, reichlich ambitioniert daherkommt… Wie kommt man auf Bunsenburner? Und ist Pink das neue Schwarz? Der Name hat tatsächlich einen etwas komplizierten Stammbaum. Als ich angefangen habe, mich vom klassischen…
A Midsummer Night’s Hangover The Sun Or The Moon? Bei "Motorik" weder, noch. Eher landete TSOTM-Mastermind Frank Incense mit seinem ersten Soloalbum auf dem "Planet Caravan", auf dem alles so schön bunt ist… Warum kommst du jetzt mit einem Soloalbum? Ist dir das Korsett von The Sun Or The Moon etwas zu eng geworden? Da ich bei TSOTM eh für die meisten Songs als Autor verantwortlich war, lag die Idee, meine Songs auch mal quasi im Alleingang zu veröffentlichen, irgendwie nahe. Und logischerweise hat man bei einer Solonummer mehr Freiheiten. Ich hatte zum Beispiel ganz konkrete Vorstellungen von den Gitarren-Sounds…
Neo Classic • Soundtrack (31:17 (40:25); CD, Vinyl, Digital; Denovali Records/Cargo; 07.08.2026) Nicht, dass David Norland in den sieben Jahren seit seinem Debütalbum "Glam Tear Stain" untätig gewesen wäre. Der Komponist, der nach einigen Jahren in Los Angeles seit geraumer Zeit wieder in London lebt, zeigte sich für diverse Soundtracks ("Hitchcock", "November Criminals", "My Dinner With Herve") zuständig, von denen er sich auch für sein solistisches Schaffen inspirieren ließ. So resultierte die Inspiration zu "La Source" aus dem Score zu dem Stummfilm "Carousel", was bedeutet, dass die fragilen Klangskulpturen, die Norlands zweites Album zu bieten hat, auch eher Soundtrack-Charakter intus…
Norwegian Blackgrass (37:07; Vinyl, CD, Digital; Svart Records; 08.05.2026) Da verstecken sich die Intentionen von Twin Serpent wohl schon im Albumtitel – "True Norwegian Blackgrass". Obwohl, verstecken ist vielleicht der falsche Ausdruck, da alles offensichtlich ist. Das vor vier Jahren veröffentlichte Debüt der Band aus Motorpsycho-City Trondheim, "Feels Like Heaven, North Of Hell", begeisterte schon mit einem spektakulären Crossover aus '…GY!BE, Tom Waits and early Kaizers Orchestra', mit "True Norwegian Blackgrass" gibt es eben diesen. Womit das Quartett um Sängerin/Bassistin Hanna Fauske sowie Sänger/Gitarrist Timo Silvola ein gänzlich neues Genre definiert. Die Norweger wissen wiederholt mit einem gewagt-abenteuerlichen Mix aus…
Krautrock • Psychedelic (45:16; CD, Vinyl, Digital; Clostridium Records; 26.09.2026) Es ist alles so schön bunt hier. The Sun-Or-The-Moon-Mastermind Frank Incense entschied sich für weder/noch und katapultiert uns mit "Motorik" eher ins La-La-Land des Krautrock, auf den Planeten Caravan, wobei die Landung, ob der wattebäuschigen Wabermassen, welche hier am Dräuen sind, eine überaus weiche ist. Mit Can- und Neu!-Motorik (womit der Albumtitel durchaus Sinn ergibt) groovt der Multiinstrumentalist sich und uns durch bunte, transzendente Gebilde in Sound, die genügend Freiräume zur Interpretation des eigenen Bewusstseinszustands in dieser Angelegenheit liefern. Eher ruhig und bedächtig (BTW ist alles auf "Motorik" in einem…
Post Metal • Sludge (38:27; CD, Vinyl, Digital; Pelagic Records/Cargo; 02.10.2026) 'I Breathe. I Am'. Mit dieser Feststellung wuchtet sich der Hippotraktor in sein neues Album. Das mit der philosophischen Tendenz ist dabei gar nicht einmal so weit hergeholt, befindet sich der Protagonist, der schon in "Meridian" und "Stasis" zugegen war, erneut auf dem schwierigen Prozess der Selbstfindung. Nur „…he is now at war with the entity that is bringing this curse upon him.“ Also auch hier wieder – Probleme über Probleme, die entsprechend in Szene gesetzt werden. Es wird also wieder heftig, wenn der Akteur, zwischen Scylla und Charybdis…
Post Punk • Alternative (34:01, CD, Vinyl, Digital; Noisolution/Edel; 24.04.2026) I found a way to breathe. I feel better better better better…. Nach diesem Album und den finalen Worten fühlt man sich ob der ungebändigten Energie, Spielfreude und Frische tatsächlich besser. Viel besser. Obwohl – "Anger Is Eternal"! Nach "Anger Is Energy" empfiehlt sich das Trio aus dem schweizerischen Winterthur nun mit seinem zweiten Album und deutlich gesteigertem Selbstbewusstsein. Dem schmissigen Post Punk der Schweizer ist eine gewisse Atmosphäre nicht abzuerkennen, welche irgendwo zwischen Killing Joke und den Wipers den Pogo zelebriert, der mit dem kompromisslosen Speedpunk 'Cut The Rot',…
Stoner • Jam Rock (42:42; CD, Vinyl, Digital; Kinda Like Music; 06.03.2026) Langsam arbeitet man sich rückwärts nach hinten durch. Nach "Birmingham 2024", dem im letzten Jahr erschienenen elften (!) Album der Berliner Instrumental-Stoner-Fraktion Clouds Taste Satanic, kommt nun mit "Berlin 2023" Album Numero zwölf. Das zweite Album aus der "Live In Studio"-Serie der Band klotzt wieder mit ellenlangen Statements in Sachen Stoner – live ohne Overdubs und doppelten Boden eingespielt. Der Opener 'Second Sight' bringt es hier dann auf seitenfüllende 21 Minuten, mit drei weiteren Statements, von welchen der elfminütige 'Sun Death Ritual (Parts I-III)' hier auch eine gute…
Garage • Fuzz Rock (44:51; CD, Vinyl, Digital; Noisolution/Edel; 25.09.2026) Hier nochmals konsequent vereinheitlicht: Die neue Coolness trägt Stetson. Vorzugsweise in Weiß. Und pfeift auf sämtliche Konventionen. Auf "Bits And Pieces, Poorly Explained" spielen sich Tommy And The Teleboys in einen, aus Garage Rock, Fuzz, Post Punk und Psychedelia gedrehten Rausch und nehmen uns auf diesem Trip ganz einfach mit. Mit ihrem zweiten Album senden die Teleboys klare Signale an die Fraktion Rock, die ob der dem Album und den Songs an sich innewohnenden Wucht headbangend kollabiert. Hätten die Beatles Punk gemacht, er hätte so geklungen wie 'Bob Ross', der…