Nordic Female Pop • Trip Hop • Electronica
(41:51; Vinyl, CD, Digital; Nuclear Blast Records; 16.10.2026)
"Tungl" steht auf den Färöern für "Mond", und so wie der Mond verschiedene Phasen durchläuft, steht er auf der neuen, sehr atmosphärischen Rille von Eivør für Veränderung, Reflexion, Erinnerungen und Neuorientierung, also für die ebenso durchdringenden Phasen im Leben eines Menschen. Weit weg vom traditionellen, oft folkbasierten Sound geht es hier hin zu einer kühlen Variante des synthetischen Nordic Pop. Mystisch, andersartig und märchenhaft bleibt das Besondere der Künstlerin in jeder Faser dieses Albums präsent. Um einiges düsterer, orchestraler und wesentlich elektronischer präsentiert die Künstlerin ein wie am Faden gezogenes Album, das durch sehr präsente Einflüsse aus Trip Hop, Electronica und Nordic Pop, wie zugeschnitten auf die melancholische Stimme und den Klang der Heimatsprache, emotionale Popsongs verspricht.
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Die zehn Songs fließen, berauschen und wirken auf mich wie ein großes Ganzes, wobei die Performance engmaschig in ihrer melodisch-orchestralen Ausrichtung bleibt. Downbeat-Pop und etwas beatige, dance-nahe Stücke, ohne dass sich der Reigen zu breit und bunt auffächert. Gerade die verdichtete Struktur und der durchgehend elektronische, sehr dramatische Ansatz lassen mich angenehm tief in die Musik eintauchen.
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Ohne Widerstände und Schmerz keine neuen, besseren Perspektiven, keine Veränderung – und diese emotionalen Facetten machen dieses dunkle Popwerk so stimmig, so ausdrucksstark. Die kraftvolle, bombastische Produktion unterstützt den Tiefgang. Die mystischen Färöer Inseln und Kindheitserinnerungen an den Mond, sein trauriges Antlitz, weisen den Weg auf "Tungl". Die Stimme, die Art der Phrasierung, die geheimnisvolle Anmut der Sprache und die eigenen Erinnerungen an eine wundervolle Zeit auf eben diesen Inselgruppen lassen mich als Hörer die Mystik und die nordische Kraft in den Kompositionen nachvollziehen.
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Ob exaltiert, geisterhaft oder sanft und ätherisch – Eivør muss nach über zehn Alben niemandem mehr beweisen, dass sie neben anderen namhaften Female-Chanteusen längst zu den etablierten, gefeierten Künstlerinnen zählt, die insbesondere der hohe Norden zu bieten hat.
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Mit dem Opener 'Og mánin Græt (And The Moon Cried'), dem entrückten 'Spøkilsir' (Revenants) und meinem Highlight, dem emotionalen 'Everyone But Me' finden sich so manch märchenhafte Komposition im mystischen Gesamtwerk wieder und machen aus "Tungl" ein weiteres Highlight in der eh starken Diskographie der Ausnahme-Künstlerin. Die ästhetischen sehr anspruchsvollen Videos runden das eh schon sehr visuelle, cineastische Gesamtpaket außerdem hervorragend ab.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Nuclear Blast zur Verfügung gestellt.



