Epic Post Rock
(38:40; Vinyl, CD, Digital; Wax Bodega; 16.10.2026)
Sechs Jahre pausierten Caspian, kehren jetzt mit ihrer selbstbetitelten Rille maximal selbstbewusst, klar und atmosphärisch auf der Bildfläche zurück. Ich bin die Tage durch die herbstlichen Alleen gecruist – Farben satt, die Sonne nahm mir fast die Sicht beim Fahren und dazu die Klänge der Amis. Ein breiter Teppich, den die Post-Rock-Veteranen hier ausfahren, übervolle Pinselstriche, epische Melodien, eine satte, tiefe, kraftmeierische Produktion. Vollmundige Gitarren, pastorale Tunes, braune, grüne, herbstliche Farbtöne mit diesem Hauch Americana, Slowcore und Folk in den Melodien, vor allem in den sanften, ruhigen Abschnitten.
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So steigt die Band in 'Hiraeth' erst mal ganz entspannt und besonnen ein. Subtile, melancholische Akkorde, sanftmütige Streicher, ein stiller Hauch von Slowcore – diese nicht zu leugnenden Einflüsse aus Folk und Indie/Alternative, die man auch bei Bands wie The Appleseed Cast oder Death Cab For Cutie schnell wiederfinden würde. Das ist spätsommerlich bis frühherbstlich, klingt reflektiert, offen und positiv und ist maximaler Schönklang. 'Far Country' klingt genauso und eignet sich perfekt für endlose Fahrten durch ländliche Landschaften, bei denen Wald und Wiesen wie in einem Film an einem vorbeiziehen. Die Gitarren perlen, der Sound ist satt, folkloristische Melodien und eine einsetzende Heaviness erinnern unwiderruflich daran, wie sehr diese Band gerade live Wände hochzuziehen vermag. Eintauchen ist somit Pflicht: Hier wird ordentlich geklotzt statt gekleckert. Und wie schön die sehnsüchtige Folk-Melodie über dem massiven Post-Rock-Fundament der Amis ästhetisch jubiliert, das weiß zu begeistern.
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Mit dem knapp zehnminütigen 'Remain' zelebriert die Band dann in vollstem Widescreen den lieb gewonnenen epischen Post Rock. Alles taucht tief, majestätisch weit und melancholisch satt ab – optimistisch formt man Stück für Stück den sich andeutenden, dynamischen Absprung, gibt sich die nötigen Räume, um zu fließen und Bilder zu formen, und weiß, wann es Zeit fürs Crescendo/Finale ist. Die Produktion lässt die Gitarren-Akkorde tänzeln wie Regentropfen, das malerische Post-Rock-Momentum rollt in aller Breite über den Hörer hinweg. Caspian sind heavy as fuck, ohne aus meiner Sicht Metal zu sein. Jede Lücke wird aufgefüllt. Mit einer Ruhe und Abgeklärtheit rollt der Zug massiv, stabil und kraftvoll durchs Land und gibt dem Hörer bei zum Glück perfekt komprimierten Laufzeiten die Möglichkeit, zu schauen, zu genießen und in die Ferne zu träumen.
Immer wenn man denkt, dem Genre sei nichts mehr zu entlocken, kommen manche Veteranen-Bands wie Caspian um die Ecke und setzen Maßstäbe, ohne sich neu erfinden zu müssen. Mit 'A Great Fire' kommt Dramatik ins Spiel – ein dreckig wühlender Bass und hymnische Drums formulieren maximale Emotionen. Feine Akkorde werden irgendwann vom massiv-drückenden Bandsound gepusht und in eine massive, melancholische Wall of Sound getrieben. Intensiv, reflektiert, wesentlich reifer und therapeutisch ohne Ende groovt 'No One Left To Tell' vertrackt und lichtvoll. Am Ende bringt ein feingliedriger, ruhiger Folk-Abgang wie 'Waltz For The End' die Chose entspannt und harmonisch ins Ziel. In Sachen Post Rock ist dieses selbstbetitelte Album eines der starken Releases des Jahres 2026.
Bewertung: 13/15 Punkten
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Abbildungen: Caspian/Bandcamp


