Bicoastal LatinJazzFunkRock
(34:43; Vinyl, CD, Digital; earMUSIC/Edel, 10.4.2026)
Latin? Jazz? Funk? Rock? Schlager? Bei Joe Jackson weiß man das nie so genau. Seit 1982, dem Jahr der Veröffentlichung vom legendären "Night & Day" Album, bin ich Fan und kenne (fast) alles. Auch schon live gesehen mit seiner 'Max Champion Show', leider nur auf dieser Tournee. Jetzt also 'Hoffnung und Wut'. Ist das ein Wink an immer mehr Politiker unserer mittlerweile immer verrückteren Welt? Kann durchaus sein, denn auch die Texte sind wieder mal öfters zweideutig, wobei es aber auch um ganz normale Texte mit Beziehungsstress geht wie in 'After All This Time'.
„Mein bestes Album seit 'Night & Day'“ hat der Künstler uns vorab wissen lassen. Das Kürzeste ist es auf jeden Fall. Ist das so? Nicht das mit der Laufzeit, nein, die Qualität. In ein paar Minuten wisst ihr es.
'Welcome To Burning-By-The-Sea' fängt furios an und ist als Opener eine gute Wahl. Mit dem nachfolgenden 'I'm Not Sorry' kann er sich sogar noch steigern mit diesen wunderbar eingespielten Trommeln. Das erinnert mich dann gewaltig an sein 'Night & Day', sowohl musikalisch als auch qualitativ. Es folgt 'Made God Laugh'. Wow, jetzt wird es unheimlich. Joe Jackson lässt nicht nach, steigert sich immer noch, spielt sich in einen Rausch. Wer damals sein Album 'Body & Soul' liebte, der liebt diesen Song abgöttisch. Typisch Joe. Der Einstieg in sein neues Album ist fast schon beängstigend.
'DoDoDo' folgt. Welch ein Titel. Da fürchtet man das schlimmste. Mit Farfisaorgel im Hintergrund ist der Track klar in den 60ern zu Hause und trotzdem schlägt das sofort in die Beine und auch ins Herz. Bis hierhin hat Mr. Jackson Recht. Vielleicht nicht das beste, aber zumindest eines seiner Top3-Alben bisher. Denn auch das folgende 'Fabulous People' knallt voll in die Beine und den Kopf. Kritiker mögen die Einfachheit der Songs kritisieren, aber Musiker wissen, dass fast nichts schwieriger ist als stringente und trotzdem noch langlebige Musik zu komponieren. Erst mit 'After All This Time' schaltet er einen Gang zurück und lässt es erstmals langsamer angehen. Aber genau wie das folgende 'The Face' bleibt er qualitativ ganz oben. Vielleicht doch sein bestes Album mit seinen 71 Jahren? 'End Of The Pier' folgt. Auf dem Cover steht der South Parade Pier seiner Heimatstadt Portsmouth in Flammen. Dass dieser Pier tatsächlich in den 70ern in Flammen aufging ist Joe Jackson Humor par excellence. Ein Engländer (hier Joe Jackson) steht gemütlich vor dem brennden Pier und trinkt eine Tasse Tee. Feinster Spott. Ach ja, der Song ist meines Erachtens der beste Track auf dem Album.
Mit 'See You In September' folgt der letzte Song dann leider schon. Er lässt das etwas kurz geratene Album mit einer schönen Ballade ausklingen und der Hörer wähnt sich in einem Berliner Nachtclub wenn die Stühle hoch gestellt werden. Nun ja, 35 Minuten sind schnell vorbei, besonders dann wenn kein einziger Ausfall auf einem Album ist. Da muss man sich halt sagen, dass es besser so ist als Alben mit doppelter Länge, die zur Hälfte aus Füllern bestehen.
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Ich empfehle dieses Album jedem der Joe Jackson bereits kennt. Es ist ein Meisterwerk. Und ich empfehle dieses Album jedem der Joe Jackson nicht kennt. Es könnte teuer werden sich dann rückwärts an seine anderen Alben zu trauen......
Bewertung: 14/15 Punkten
Tracklist:
1. Welcome To Burning-By-Sea
2. I'm Not Sorry
3. Made God Laugh
4. Do Do Do
5. Fabulous People
6. After All This Time
7. The Face
8. End Of The Pier
9. See You In September
Besetzung:
• Joe Jackson - vocals, piano, keys
• Graham Maby - bass
• Teddy Kumpel - guitars
• Doug Yowell - drums
• Paulo Sragnaro - percussion
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von earMusic: zur Verfügung gestellt.

