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    SUNN O))) - SUNN O)))

    0
    By flohfish on 9. April 2026 Reviews

    SUNN O)))) - SUNN O)))) (Sub Pop, 03.04.2026)
    Drone • Doom
    (1:19:35; Vinyl (2 LP), CD, Digital; Sub Pop/Cargo; 03.04.2026)
    Krach und Langeweile – zwei Begriffe, die im Kontext von SUNN O))) traditionell irgendwo zwischen Vorwurf und Arbeitsbeschreibung pendeln. Für den einen ist diese Musik der Inbegriff genau davon, für andere wiederum sind die Doom-Drones von Sunn O))) nichts Geringeres als die perfekte Begleitung zur Tiefenmeditation – akustisches Räucherstäbchen, nur mit deutlich höherem Schalldruck.

    Und ja, auch auf ihrem selbstbetitelten Album "SUNN O)))" liefern Stephen O’Malley und Greg Anderson erneut schlagende Argumente dafür, dass man ihrem Drone Doom wahlweise die Musikalität oder gleich die Existenzberechtigung als „Musik“ komplett aberkennen kann.

    Denn Überraschung: Dieses Album knüpft ziemlich exakt dort an, wo schon "Eternity’s Pillars / Raise The Chalice & Reverential" aufgehört hat – also irgendwo zwischen tonnenschwerem Stillstand und minimaler Bewegung. Zwei Gitarren, ein paar Schichten Verzerrung, dazu das dezente Gefühl, Zeuge einer sehr langsamen Naturkatastrophe zu sein. Fortschritt? Eher sedimentär.

    Dass das Ganze nun mit Mark-Rothko-Gemälden gerahmt und von Robert Macfarlane in Liner Notes gegossen wird, die sich lesen wie ein geisteswissenschaftlicher Endgegner, passt ins Bild: Hier wird Bedeutung nicht erzeugt, sondern behauptet – und im Zweifelsfall einfach in sehr große Worte gegossen.

    Sound as: glacial maximum, mycelium, core-mantle boundary.

    Besonders hübsch ist dabei die Vorstellung aus der Presseinfo, dass O’Malley, Anderson und Produzent Brad Wood morgens durch nebelverhangene Wälder streifen, Moose bestaunen und sich von plätschernden Bächen zu künstlerischen Höchstleistungen inspirieren lassen, bevor sie nachmittags ins Studio zurückkehren, um genau diese Naturerfahrung in Klang zu übersetzen.
    Was davon tatsächlich im Album ankommt? Nun ja – es gibt sie, diese Momente: etwa das leise plätschernde Wasser zu Beginn von 'Mindrolling', das wie ein kurzer Realitätsabgleich wirkt, bevor wieder tonnenschwere Drone-Massen einsetzen. Natur also vorhanden – nur leider im Mischungsverhältnis von ungefähr 1:100.

    Musikalisch bleibt es dabei erwartbar unerquicklich konsequent. 'Butch’s Guns' dehnt eine Idee über 14 Minuten, 'Mindrolling' tut so, als würde gleich etwas passieren (Spoiler: tut es nicht wirklich), und 'Glory Black' walzt am Ende noch einmal alles nieder, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat. Das ist weniger Dramaturgie als Geologie.

    Die „Lyrics“? Existieren eher als philosophischer Nebel denn als tatsächlicher Text. Statt Gesang gibt es Konzepte: Deep Time, stehende Wellen, das Auflösen des Selbst im Klang. Alles hochinteressant – zumindest so lange, bis man merkt, dass diese Ideen die Musik nicht erklären, sondern eher umkreisen wie Motten eine sehr langsame, sehr dunkle Lampe.

    Am Ende bleibt "SUNN O)))" das, was Sunn O))) seit jeher liefern: kein Album im klassischen Sinne, sondern ein Zustand. Einer, der sich irgendwo zwischen Faszination und gepflegter Ermüdung einpendelt.

    Meditation oder Materialermüdung – das entscheidet hier wie immer der Hörer. SUNN O))) liefern nur das Rohmaterial. Und das ist, wenig überraschend, ziemlich massiv.
    Bewertung: 11/15 Punkten


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    Weitere Informationen

    SUNN O)))) - SUNN O)))) (Sub Pop, 03.04.2026)
    Credit: Charles Peterson

    Besetzung:
    Stephen O'Malley
    Greg Anderson

    Surftipps:
    Homepage
    Bandcamp
    YouTube
    Wikipedia
    Rezensionen, Liveberichte & Interviews

    Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Cargo Records zur Verfügung gestellt.

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    CD Cargo Digital Doom Drone Drone Doom Greg Anderson Seattle Stephen O'Malley Sub Pop Sunn O))) USA Vinyl Washington
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    flohfish
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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