Jazz • Elektronik • Funk
(51:14, CD, Vinyl, Digital; Nonesuch Records/Warner, 27.03.2026)
Michael Balzary alias Flea, bekannt als Bassist und gelegentlicher Trompeter bei den Red Hot Chili Peppers spielt Jazz. Jazz? Nun ja, es ist so eine Art Jazz mit vielen erweiterten Mitteln, vielen elektronischen Elementen , viel Bass (wen wundert's), viel Mut. Das erste Soloalbum des mittlerweile 63-jährigen erscheint und die Musikwelt ist voll des Lobes. Zu Recht? Eindeutig ein klares Ja. Das fängt beim Cover an. Seine Schwiegermutter ist da drauf zu sehen mit einer Friedenstaube. Die Frau stammt aus dem Iran....noch Fragen? Dann natürlich die Tracks. No fillers, just killers. Die Aufnahmequalität. Geht's besser? Vielleicht, aber eher Nein.
Der erste richtige Track steht dabei mit seiner Nervosität keineswegs als Beispiel für das Album. 'A Plea' ist noch aufrüttelnd, ja, aber Flea schaltet sofort zurück, driftet durch seine Lieblingsmusik und kreiert ohne den geringsten Kitsch eine wohltuende Atmosphäre die man auf vielen Alben anderer Künstler vermisst. Wer bei 'Frailed' in diesen 11 Minuten nicht mit offenem Mund dasitzt, dem müssen die Ohren abgefallen sein. Seine Trompete schwebt über allerlei elektronischen Sounds und lässt den Hörer erschlagen zurück. Rein instrumental erschafft er hier Stimmungen die man nur schwer beschreiben kann, die aber in jeder Sekunde voll treffen. Ansonsten greift er mehrmals auf Coverversionen zurück. 'Witchita Lineman', im Original von Glen Campbell wird hier von Nick Cave interpretiert und ist superb. Aber sowas von! Ein Ella Fitzgerald Song kommt ebenfalls zu Ehren. 'Willow Weep For Me' ist mit seiner Bassunterlage flauschig und hüllt den Hörer wie in eine Decke ein. Und das von Thom York gesungene 'Traffic Lights' ist mit seinem leichten Beat ein Highlight auf einem sehr abwechslungsreichen Album.
In diesem zwar noch jungen Jahr ist 'Honora' eine Ausnahmeerscheinung mit seiner Mixtur. Es spricht vor allem Hörer an, die nicht stur an einem Stil festhalten, sondern durchaus an einer Erweiterung ihres musikalischen Horizonts interessiert sind. Oder einfach nur für Menschen, die ihre Anlage zu Hause mal ordentlich testen wollen. Für außergewöhnliche Sounds ist gesorgt.
Flea hat Solo nichts mit seiner Stammband zu tun. Rein gar nichts. Er erhebt seine Musik zu einer Art Kunstwerk mit vielen verschieden Bedeutungen. Keine Schublade, keine Kategorie. Und trotzdem wunderbar fließend und ohne das geringste Problem am Stück hörbar. Eben wie eine flauschige Kuscheldecke, passend zu der leicht unterkühlten Musik, wo man die verrückte Welt draußen vergisst.
Flea, es hat lange gedauert bis zu deinem Debüt als Solist. Aber lieber spät als nie. Von mir eine klare Empfehlung an alle Fans von richtig guter Musik im Bereich des.......ja was eigentlich? Rein hören und selbst urteilen.
Bewertung: 13/15 Punkten
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Lineup:
Flea - lead vocals, bass, trumpet
Thom York - lead vocals, synth, piano (3)
Nick Cave - lead vocals (7)
Mauro Refosco - percussion
Nathaniel Walcott - trumpet, keys
Josh Johnson - sax, synth, piano, b/vox
Jeff Parker - guitar, b/vox
Anna Butterss - doble bass, b/vox
Deanton Parks - drums, b/vox
Chad Smith – drums (1)
Chris Warren - b/vox
Ricky Washington - alto flute
Vikram Devasthali - trombone
John Frusciante - trumpet (4), snare drums (4), treatment (9)
Surftipps zu Flea:
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Abbildungen: Flea/Bandcamp

