Ghost Pop
(43:10; CD, Digital; Second Language Music; 06.02.2026)
Es gibt diese Schatten-Bands im alternativen Pop – einen Hauch dunkler, mysteriöser als der Rest und mit einer sensitiven melancholischen Qualität ausgestattet sind, die dank dieser schemenhaften Art des Musizierens mit einer ganz eigene Aura vibriert.
The Blue Nile, The Durutti Column, Montgolfier Brothers fallen mir ein: stiller Pop, andersartig, viel tiefer agierend, und so liebte ich seit Ende der 90s die Briten von Piano Magic, die mit ihrem grauen, sehr britischen Melancholic Ghost Pop mehr als einen Fuß im Spalt meiner Tür hatten und dies von Anfang an.
Jede Platte ein Kleinod – am Mainstream trotz perfekter kleiner Pop Songs vorbei spielend– irgendwo zwischen späten Talk Talk, And Also The Trees, The Cure, späten No-Man, Mercury Rev und New Order mit mehr Grau-in-Grau-Schattierungen. Prominente wie Brendan Perry (Dead Can Dance) oder John Grant waren gern gesehene Gäste auf so manch früherem Release. Mit Theory Of Ghosts spinnt Glen Johnson mit Kollege Franck Alba zum Glück nur unter anderem Namen den musikalischen Faden endlich weiter.
Die sehr britisch-eleganten Vocals und Melodien würde ich jederzeit unter Tausenden erkennen und die Wiedersehensfreude ist riesig. Die Arbeit am Album musste im Sommer 2024 unterbrochen werden, kämpfte Johnson mit einer Hirnblutung. Nun, offensichtlich ist wieder alles ok und mit "The Sulphur And the Grey" gibt es neun wunderschöne Songs – meist wehmütig und nächtlich isoliert – aber auch mal elektronisch und vorsichtig angedeutet tanzbar.
Die Bass- und Gitarren-Effekte würden auf jedem And Also The Trees, The Cure oder Joy-Division-Album ihren angemessenen Platz finden – Drum-Machine, der weiche Gesang und die omnipräsente erzählerische Sehnsucht in Johnsons Vocals betten mich sofort.
Thematisch in meist romantisch-bittersüßem Kontext (Ginsberg- und Burroughs-Zitate) phrasiert Johnson mit seiner immer nonchalanten Stimme durchs aktuelle Album. Ein etwaiger Minimalismus, ein jederzeit hervorragend klarer Sound und ein Hauch mehr an Elektronik sind am Ende nie zu weit weg vom typischen Piano-Magic-Oeuvre.
'London Has It's Own Light' ist eine Liebeserklärung an die Heimatstadt der Briten. Die Eleganz im Erzählen erinnert mich auf liebevolle Weise an Mercury Revs Jonathan Donahue, deren träumerischer, feingliedrig versponnener Ansatz ein ähnlicher ist.
Sprechgesang, sinistre Synths, perlende Gitarren, ein einfacher Groove und hymnischer Refrain definieren 'When Nobody Knows You You Are' – einen Song über einen gefaketen Selbstmord, um woanders wieder bei Null anzufangen. 'Madame Rêve' kombiniert Opereskes, französische Vocals mit Slo-Mo-Post-Punk-Tristesse. Tiefe orchestrale Schichten, geheimnisvolle Melodien und fertig ist dieser so eigenwillig einsame Noir Pop.
'Actresses Who Sing': Johnson phrasiert immer wieder brüchig „Do What The Fuck You Wanna Do". Es ist ein so herzallerliebster Seelenstriptease und die ambient-statischen Sounds sind dabei klarstes Sternfirmament.
Schwebend, bittersüß stolpert das einfach nur traurig-schöne 'Some Nights' durch die nächtliche Verzweiflung – kristallklare Arrangements, ätherische Wave-Gitarren - zum Niederknien – ein mehr als fühlbarer Schmerz – mein absoluter Favorit auf diesem Albums.
Glen Johnson hat mal wieder mit Unterstützung toller Musiker ein wundervoll emotionales Kleinod am Start und steht mit diesem very british Sound, diesem fein skizzierten Hauch dunklen Ghost Pops erneut im Halbschatten. Ich liebe, was der unterbewertete Brite macht, und auch dieses Album offeriert die Ausnahmestellung eines Ausnahmemusikers.
Bewertung: 13/15 Punkten
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Besetzung:
• Franck Alba – Six-string bass, voice, guitars, synth, piano
• Glen Johnson - Words, voice, guitars, programming, percussion, melodica, glockenspiel
Gastmusiker:
• Paul Tornbohm – Keyboards
• Yumi Mashiki – Strings/string arrangement on 5
• Kirsty Yates – Voice on 4
• Julian Tardo – All other sounds
Surftipps:
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Abbildungen: Theory Of Ghosts/Bandcamp

