Pretty Lightning – Dust Moves

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Abbildung: Pretty Lightning

(43:42, Vinyl/Digital, Fuzz Club, 2022)
Das saarländische Duo Pretty Lightning hat sich im Laufe des letzten Jahrzehnts einen Namen mit seinem sumpfig beschwingten Jangle Pop und Swamp Blues gemacht. Im ersten Jahr des Coronazäns bereiteten Pretty Lightning ihren Hörer*innen mit “Jangle Bowls” den idealen Soundtrack, um mit schlammigen Schuhen den Tiefen des Lockdowns davonzuschwofen. Nun steht mit “Dust Moves” der fünfte Langspieler der Saarbrückener im Regal, und man darf gespannt sein, denn Sebastian Haas kündigte im Voraus Folgendes an:

“Ist dieses Mal alles ein wenig anders geworden”

Das weckt Neugier darauf, was Haas und Christian Berghoff auf Album Nummer fünf zum Besten gegeben haben.

Ein großer und äußerst dominanter Unterschied zu den vorigen Veröffentlichungen ist der rein instrumentelle Charakter von “Dust Moves”. Das Vorhaben, ein komplettes Album ohne Gesang aufzunehmen, lag bei Berghoff und Haas bereits seit geraumer Zeit in der Luft, und nun wurde es erfolgreich umgesetzt. Aber auch der Klang abseits von Sprache und Gesang weisen deutliche Differenzen zum bisherigen Katalog von Pretty Lightning auf. Erwähnter Jangle Pop oder die damit in Relation zu setzende Beschwingtheit tauchen auf “Dust Moves” nur noch als Randerscheinung auf. Stattdessen handelt es sich beim fünften Album der zwei Saarländer um einen atmosphärischen Monolith aus mächtig schwerem, psychedelischem Desert Rock und der düstersten Form des Swamp Blues. Man mag sich die auf dem Cover Artwork abgebildete Sanddüne vorstellen und deren Bewegung durch Wind und Wüste als Allegorie der Musik wahrnehmen.

So mag es schwerfallen, “Dust Moves” im Einklang mit den vier vorherigen Alben zusammen zu betrachten; wirkt es doch, als hätten Pretty Lightning hiermit entweder ein neues Kapitel in ihrer Bandgeschichte begonnen, oder als hätten sie einen Nebenschauplatz zu ihrem Sumpfnarrativ beschrieben. Zweifelsohne jedoch ist der hypnotisierende Charakter dieses brütend heißen Albums von umwerfender Natur. Mit “Dust Moves” schicken Pretty Lightning die Hörer*innen in die Wüste – und sie sollen große Dankbarkeit dafür erfahren.
Bewertung: 13/15 Punkten (RG)

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Die Abbildung wurde freundlicherweise von Pretty Lightning und Fuzz Club zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

Kontemporär in Würzburg ansässig. Irgendwo zwischen Punk, Psychedelic, Kraut, Wahnsinn und Jazz zuhause.

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Pretty Lightning – Dust Moves

von Raphael Lukas Genovese Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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