Genesis – The Last Domino?

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(77:23/79:15, CD, LP, Digital, Universal, 2021)Genesis - The Last Domino? (Virgin Domestic/UMG, 17.09.21)
Man hört es schon, das übliche Geschrei… „Wer braucht das denn?“, „Abzocke!“, all die üblichen Klassiker, wenn eine „Best Of“-Scheibe veröffentlicht wird. Dennoch kann es auch im Falle Genesis kaum verwundern, dass pünktlich zur Reunion-Tour auch ein neues, käuflich zu erwerbendes Produkt zur Verfügung gestellt wird. In diesem Fall ist die Scheibe nach dem Tourmotto „The Last Domino?“ benannt und orientiert sich auch hauptsächlich an der auf der Tour gespielten Setlist.

Für eingefleischte Fans ist das Album also ohnehin nicht gedacht. Stattdessen gibt es eine sehr unterhaltsame und fast lückenlose Zusammenstellung der großen Singlehits der Achtziger und frühen Neunziger, gespickt mit einer Handvoll Albumhighlights, darunter auch eine Reihe Longtracks, die zusammen etwa die Hälfte der Spielzeit ausmachen. Natürlich kann man sich über die Tracklist vortrefflich streiten – allen voran fehlt natürlich mit ‚Supper’s Ready‘ der wohl wichtigste, auf jeden Fall aber kultigste Song der frühen Bandgeschichte. In der Tat sind die ältesten Stücke der Sammlung vom fünften Studioalbum „Selling England By The Pound“. Wie aber oben erwähnt, geht’s darum hier auch nicht. „The Last Domino?“ ist quasi als Tour-Souvenir zu verstehen, für die, die die Songs, die sie eben noch live gehört haben, ohne langes Suchen in ihre Sammlung stellen möchten oder eben die, die durch die aktuelle Medien-Berichterstattung daran erinnert werden, sich endlich mal eine Genesis-Hitsammlung zu gönnen. Für beide Zielgruppen macht das Ding einen wirklich guten Job. Auch die Longtracks sind so ausgewählt, dass sie Nicht-Prog-Fans erst einmal nicht überfordern, beispielsweise wählte man das elegische ‚Cinema Show‘ statt der düsteren ‚Musical Box‘. Passend zu einem „Tour-Souvenir“ ist das Booklet auch voller aktueller Fotos, die Vergangenheit wird dabei seltsamerweise sogar komplett ausgeblendet. Gabriel und Hackett werden lediglich in den Songwriting-Credits erwähnt, nicht aber als Performer. Eine solche Geschichtsklitterung sollte das Trio eigentlich nicht nötig haben. Aber da ja schon seit einer ganzen Weile Ray Wilson und Anthony Phillips auch gerne komplett ausgeblendet werden, passt das ins – in diesem Fall nicht sonderlich schmeichelhafte – Bild.

Musikalisch gibt’s natürlich nichts, aber auch gar nichts zu beanstanden. Vorausgesetzt, dass man nicht zu der „Pop ist generell Mist“-Fraktion gehört (für die gibt’s ja aber alternativ noch die bunte Hackett-Revue). Egal, ob vierminütige Radiohits wie ‚Invisible Touch‘, ‚I Can’t Dance‘ und ‚Follow You Follow Me‘ oder Ausgedehntes wie ‚The Cinema Show‘, ‚Home By The Sea‘ und ‚Firth Of Fifth‘ – Genesis waren ungeachtet des gewählten Genres mit ganz wenigen Ausnahmen stets großartig. So laufen die beiden CDs, die von allen Songs außer ‚Abacab‘ die ungekürzten Albumversionen enthalten, wunderbar flüssig durch. Und man merkt dabei, dass die Tracklist grob einem Konzertablauf entspricht. Es bleibt natürlich abzuwarten, ob das Konzept für den Gelegenheitsfan funktioniert, aber als Idee ist das durchaus recht originell.

Da die Doppel-CD auch fast überall zum Preis eines Einzel-Albums erhältlich ist, kann man eigentlich wirklich nicht viel meckern. Lediglich die Tatsache, dass mit der ziemlich perfekt zusammengestellten „Platinum Collection“ von 2004 ein (auch um eine CD längeres) Konkurrenzprodukt nach wie vor erhältlich ist, sollte erwähnt werden. Trotzdem hat auch „The Last Domino?“ gerade für Einsteiger absolut seine Berechtigung – zumindest, bis das zu erwartende Livealbum der Tour erscheinen wird.
Bewertung: Keine Bewertung (Compilation)

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Genesis – The Last Domino?

von SaschaG Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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