BLK JKS – Abantu / Before Humans

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BLK JKS  – Abantu / Before Humans (Glitterbeat, 21.05.21)

Credit: Nandipha Mntambo

(45:39, Vinyl, CD, Digital, Glitterbeat, 2021)
Die BLK JKS (sprich: Black Jacks) sind in der Vergangenheit immer mal wieder mit den Prog Metal-Lunatics The Mars Volta verglichen oder sogar als „The African The Mars Volta“ bezeichnet worden. Ein interessanter Ansatz, doch wer mit der Vorstellung an „Abantu / Before Humans“ herangeht, dieses Album könnte irgendetwas von dem Wahnsinn der Herren Cedric Bixler-Zavala und Omar Alfredo Rodriguez-Lopez aufweisen, der wird schnell enttäuscht werden. Und doch ist der Vergleich mit den Nordamerikanern auf gewisse Weise nachvollziehbar… Aber immer der Reihe nach.

Aus dem südafrikanischen Johannesburg stammend, waren die BLK JKS Ende der Nuller Jahre so etwas wie der aufgehende Stern am Experimental Rock-Himmel Afrikas. Schnell wurde auch die Musikszene außerhalb Afrikas auf das aufstrebende Quartett aufmerksam. Man traf The Mars Volta und TV On The Radio, jammte mit The Roots und eröffnete 2014 sogar für die Foo Fighters. Denn deren Frontmann Dave Grohl war ein großer Fan ihres 2009er Albums „After Robots“ gewesen. Kein Wunder, denn die BLK JKS zelebrierten auf ihrem Debütalbum einen Crossover, der für westliche Ohren bisher unerhört war. Ähnlich wie The Mars Volta zuvor die Rhythmen und Stile Lateinamerikas in ihre Form des Progressive Metal integriert hatten, verwebten die BLK JKS auf „After Robots“ die vielfältige Musikwelt Afrikas mit Psychedelic, Prog & Jazz und schufen so eine völlig neue Form des Art Rock. Der Höhepunkt der bisherigen Karriere war vielleicht der gemeinsame Auftritt mit Alicia Keys bei der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika im Jahre 2010. Doch leider verschwanden die BLK JKS genauso schnell wieder, wie sie aufgetaucht waren.

„Abantu /Before Humans“ ist nun so etwas wie das Comeback-Album der Südafrikaner. Und auch wenn ihnen mit dieser Rückkehr wahrscheinlich nicht der wirklich große Durchbruch gelingen wird, so ist es doch eine Scheibe, die Aufmerksamkeit verdient. Denn genau wie sein Vorgänger, schafft es „Abantu / Before Humans“, afrikanische Klänge so zu verpacken, dass sie auch für jene Menschen interressant sein dürften, die mit Afro-Musik bisher so rein gar nichts am Hut hatten. Ähnlich, wie eben The Mars Volta, als sie 2003 mit ihrem Konzeptalbum „De-Loused In the Comatorium“ die Welt der Latin-Music progfreundlich verpackten.

Stilistisch progressiv im Sinne des 70er Prog waren die BLK JKS dabei eigentlich nie, doch der einzigartige Art Rock, der Elemente aus Jazz, Funk, Dub und Kwaito vermischt ist experimentierfreudiger und progressiver, als ein Gros der heutigen Prog-Szene.

BLK JKS sind dabei allerdings nicht mehr die gleiche Band, die sie noch auf „After Robots“ waren. Schon 2012 hatte Frontmann Lindani Buthelezi die Band verlassen, so dass die Gesangsparts jetzt gemeinsam von seinen ehemaligen Kollegen übernommen werden. Für sein prägnantes Gitarrenspiel dagegen konnte leider kein adäuquater Ersatz gefunden werden. An seiner Stelle ist Trompeter Tebogo Seitei jüngst zum verbliebenen Trio dazugestoßen. Eine personelle Entwicklung, die auf der einen Seite eine Bereicherung für den Sound der Band ist, da Seiteis virtuoses Spiel frischen Wind in den Sound der Südafrikaner bringt, auf der anderen Seite aber auch ein Wermutstropfen ist, da Buthelezis Gitarre doch integraler Bestandteil des Klangbildes war.

Und so ist „Abantu / Before Humans“ im Endergebnis zwar weniger progressiv als sein Vorgänger, dafür aber facettenreicher, und über weite Strecken auch grooviger und fetziger. Eine Leistung, auf welche die Süpdafrikaner stolz sein können, da „Abantu / Before Humans“ keine leichte Geburt gewesen war. Denn die Band hatte das Album komplett neu eingespielen und aufnehmen müssen, nachdem Einbrecher 2018 die Harddrives mit den fertigen Songs gestohlen hatten. Ein wahrer Kraftakt, den das quartett nach einjähriger Verschnaufpause binnen drei Tagen bewerkstelligen konnte.

Nicht nur deshalb sei es empfohlen, einmal in „Abantu / Before Humans“ hereinzuhören. Denn die BLK JKS könnten mit ihrem neuen Album eventuell den musikalischen Horizont des ein oder anderen Freundes progressiver Musik erweitern.
Bewertung: 9/15 Punkte

Tracklist:
1. ‚Yela Oh !‘ (3:11)
2. ‚Running — Asibaleki / Sheroes Theme‘ (4:44)
3. ‚iQ(w)ira — Machine Learning Vol 1.‘ (6:04)
4. ‚Mme Kelapile‘ (3:57)
5. ‚Harare‘ (4:36)
6. ‚Human Hearts‘ (5:05)
7. ‚Yoyo ! — The Mandela Effect / Black Aurora Cusp Druids Ascending‘ (4:55)
8. ‚Maiga Mali Mansa Musa‘ (3:53)
9. ‚Mmao Wa Tseba — Nare / Indaba My Children‘ (9:14)

Besetzung:
Mpumelelo Mcata
Tshepang Ramoba
Molefi Makananise
Tebogo Seitei

Gastmusiker:
Hlubi Vakalisa
Gift Nkomo
Sibusiso ‚Corpse‘ Tshabalala
Daniel ‚Dejot‘ Jakob
Simangaliso ‚Smash‘ Mfula
Nosisi Ngakane

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Dense Promotion zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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BLK JKS – Abantu / Before Humans

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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