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    Du bist hier:Home»Reviews»Clive Mitten – Suite Cryptique: Recomposing Twelfth Night 1978-1983

    Clive Mitten – Suite Cryptique: Recomposing Twelfth Night 1978-1983

    2
    By Juergen Meurer on 6. April 2021 Reviews

    Clive Mitten – Suite Cryptique: Recomposing Twelfth Night 1978-1983 (Bumnote/JustforKicks, 2.4.21)(68:45, 50:11, Doppel-CD, digital, Bumnote Records/Just for Kicks, 2021)
    Twelfth Night müssen an dieser Stelle sicherlich nicht groß vorgestellt werden. Die Briten hatten in den 80ern ihre prägenden Jahre. Sie sind jedoch nicht komplett von der Bildfläche verschwunden, sondern traten auch noch in den 2010ern live auf (u.a. mit LaHost-Musiker Mark Spencer und Galahad-Keyboarder Dean Baker) und veröffentlichten hier und da noch Archivmaterial.

    Nun überrascht Urmitglied Clive Mitten mit einem Soloalbum. Ursprünglich als Bassist gestartet, spielte er dann bei Twelfth Night auch Tasteninstrumente und Gitarre. Was hat man vom Soloalbum des Bassisten zu erwarten? Vermutlich zunächst einmal nicht das, was uns dann tatsächlich präsentiert wird.

    Allein schon das Studieren des Inlets (das Frontcover ziert übrigens ein Gemälde des verstorbenen TN-Sängers Geoff Mann, d. Schlussred.) ist recht unterhaltsam, denn es ist von dem für Twelfth Night typischen Sprachduktus geprägt. Beispiel: Das Album wurde im Alleingang konzipiert, oder in Twelfth-Night-Sprache, „written, blah rhubarb, arranged, rhubarb produced, by, crucial, crucial! Clive blah Mitten“ (Vgl. die Eingangssequenz von 'We Are Sane", d. Schlussred.). Die Idee, Band-Kompositionen aufzuarbeiten und in neuer Form zu präsentieren, trug Mitten schon von Anfang an mit sich herum, doch erst der erste Lockdown war dann der Zeitpunkt, dieses Vorhaben endgültig anzugehen. Fünf Songs sind es am Ende geworden, verteilt auf zwei CDs. Es sind also lange, aber glücklicherweise nicht langatmige Tracks zu erwarten. Diese sind durchweg rein instrumental gehalten, und der entscheidende Punkt: es ist kein Rock-Album geworden, sondern ein hochinteressantes Werk, das seine ursprüngliche Intention bestens widerspiegelt: Twelfth Night im orchestralen, cineastischen Gewand vorzustellen.

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    Hier verschmelzen synthetische Sounds und orchestrale Klänge zu einem beeindruckenden neo-klassischen Ganzen. Dabei nennt der Künstler Namen wie Steve Reich, Philipp Glass, Gustav Mahler, Johann Sebastian Bach, Richard Wagner oder Ludwig van Beethoven als Inspirationsquellen. Unter „Recomposing“ wird verstanden, dass einzelne Fragmente hergenommen werden und teils in völlig neuem Arrangement wieder auftauchen. Auf der ersten CD (deren zwei Parts je einem Live-Album von TN gewidmet sind, d. Schlussred.) hat der Rezensent noch Schwierigkeiten mit dem Identifizieren der Songs, doch CD 2 mit den Songs ‚Fact and Fiction‘ und ‚Creepshow‘ lässt erkennen, wie sehr man diese tolle Musik noch im Ohr hat, denn hier sind viele Melodielinien wieder sofort parat, auch wenn man sie schon eine ganze Weile nicht mehr gehört haben sollte. Clive Mitten versteht es hervorragend, die Arrangements abwechslungsreich zu gestalten, und überrascht auch mal mit Kirchenorgelsound oder einer melodieführenden Marimba. Eine überaus positive Überraschung aus dem Hause Twelfth Night! Ein abschließender Hinweis des Künstlers aufgrund des Dynamik-Umfangs der Produktion: „Be careful with that volume control Eugene“.
    Bewertung: 11/15 Punkten (JM 11, KR 12)

    Surftipps zu Clive Mitten:
    Twelfth Night Homepage
    Facebook
    Bandcamp
    Clive Mitten and Mark Spencer Instagram

    Abbildungen: Bumnote Records

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    Ambient Bumnote Records CD Clive Mitten Digital Elektronische Musik England Just For Kicks Mark Spencer Neo Klassik Twelfth Night cineastisch instrumental orchestral
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    Juergen Meurer

    Auf den Hund gekommener Proggie, aufgewachsen mit Yes, Genesis, Gentle Giant, King Crimson, VdGG usw. Anschließend bemerkt, dass es - huch - ja noch sooo viele andere Bands in dieser Richtung gibt, quer über den Globus verteilt. Dann kam das Interesse für Italo-Prog, Skandinavier, Japaner, Franzosen usw. Über Tangerine Dream, Klaus Schulze, Vangelis, Kitaro usw. entwickelte sich dann auch stetig das Interesse an Elektronischer Musik und Ambient.

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    2 Kommentare

    1. Klaus Reckert on 8. April 2021 18:09

      Viel erwartet, und lang erwartet. U.a. da man auf Clives enorm unterhaltsamem Koch- und -Komponier-Tagebuch auf seinem pers. Facebook-Profil vergleichsweise minutiös den Werdegang verfolgen durfte.
      Als großer Twelfth Night-Fan auch ein wenig bange gewesen.
      Die hohen Erwartungen wurden dann aber wunderbar eingelöst – bislang eine der Platten des Jahres für meinereinen!

      Dabei finde ich pers., dass man Clives ihm natürlich völlig unbenommene Selbsteinordnung just bei den Minimalisten in der oft geradazu bombastisch einen raushauenden Suite kaum hört. Dafür entdecke ich wonnevoll neben deliziös eingebrachten, teils aber auch versteckten oder stark transformierten Twelfth Night-Themen mindestens eine rausgestreckte Zunge in Richtung typische 007-Soundtracks, ein tiefes Kopfnicken in Richtung “Freude schöner Götterfunkten” und mindestens ein Augenzwinkern in die Ecke von “Tubular Bells” und zwei in die der Duschzene beim Soundtrack zu Hitchs “Psycho” (https://youtu.be/iHaImemSffg) . Wie schön!

      Nach inzwischen noch über fünf weiteren Hördurchgängen, u.a. im Auto bleibt mein beinahe einziger Kritikpunkt an dem Opus …. nein, gar nicht mal die Sounds der künstlichen Instrumente. Die finde ich a) gar nicht verkehrt, beispielsweise die Querflöten überraschend gefühlsecht. Und b) war ja von Anfang an klar gewesen, dass diese ohnehin schon fast manisch vorangetriebene One Man Show sicher nicht vom London Symphony Orchestra eingespielt werden würde. Jedenfalls nicht bei der Erstveröffentlichung ;-).
      Nein, das Einzige, was mir wirklich nicht passt, sind die gottlob eher seltenen Einsätze des programmierten “Schlagzeugs”, die eben nicht nach Brian Devoil oder gar den Kesselpauken vom LSO klingt. Sondern leider nach dem Alleinunterhalter Gustav Grässlich an der Wunderorgel.
      Verständlich, schon aus Budget-Gründen, aber dennoch schade.
      Wäre das nicht so, hätte ich sogar 13/15 zücken wollen.
      Aber warten wir mal die nächsten fünf Hördurchgänge ab….

      Reply
    2. Klaus Reckert on 9. April 2021 20:41

      PS: Clive hat Blut (oder war es Gin?) geleckt und will mit dieser Art der Anverwandlung klassischen Prog-Materials weitermachen – auch außerhalb des TW-Kosmos’. Er munkelt dazu u.a. wie folgt:
      “Suite Sixteen, the music of my teens. Fully structured I have Supertramp and Pink Floyd. Today I started on Starless for the King Crimson section. c.20 Schizoid Man and Epitaph will follow.”

      Reply
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