Humanity’s Last Breath – Välde

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Humanity's Last Breath - Välde (Unique Leader/Membran, 12.2.21)(52:00, ACC, 256kBit/s, CBR, CD, LP, Unique Leader/Membran, 2021)
„Välde“ (schwedisch für: Macht) ist der vierte offizielle Longplayer der 2009 gegründeten, schwedischen Deathcore Formation Humanitys Last Breath, die schon mit ihrer selbst benannten Veröffentlichung im Jahre 2013 ein bemerkenswertes Album hingelegt haben, in dem sie den Stil der Band massgeblich festgezurrt haben: Gnadenlos tiefergestimmte Gitarren, die Senkblei-schwere Riffs spielen, die teilweise so psychotisch sind, dass man meinen könnte, dass in jedem Oberstübchen der Bandmitglieder ein anderer durchgeknallter Zwerg eingezogen ist.

Das Intro ‚Dödsdans‘ (schwedisch für: Totentanz) lässt schon erahnen womit man es die nächste Stunde zu tun haben wird. Vielschichtige, flirrende Gitarren und zeitlupen-artig stehen bleibende, brachiale Akkord-Wände. Unterlegt mit Blastbeats. Das erzeugt eine beklemmende Anspannung, die tatsächlich auch bis zum Ende des Albums erhalten bleibt. Der anschliessende Song ‚Glutton‘ (englisch etwa: Vielfrass, Fresssack) schlägt einem dann auch gleich direkt und brutal ins Gesicht. Hat der Song noch kaum richtig begonnen, gibt es schon ein Ritardando, eine Verlangsamung des Tempos, um den Hörer in die ganz tiefen Regionen hinabzuziehen. Das ist ein Effekt, denn man zumindest direkt im Intro eher selten bei anderen Bands hört. Das Tempo eines Songs zu verändern ist aber etwas, was HLB sehr gerne als Stilmittel einsetzen. Der quasi körperliche Effekt auf den Hörer ist eher verstörend, weil unerwartet.

Das offizielle Video zu ‚Earthless‘ ist wahrlich nichts für schwache Gemüter, wobei das aber auch auf das gesamte Album zutrifft, zeigt das Video eine durch magische Kräfte verursachte Selbstrichtung mit einem Messer, deshalb auch die berechtigte Altersbeschränkung. Durch die extremen Bilder soll man sich aber nicht von der Musik ablenken oder gar abschrecken lassen. Der Song wird durch Synthies getragen, die rhythmisch im Gegensatz zu den Gitarrenriffs stehen. Was eben auch wieder mal eine ganz besondere, ja schon fast schon zerreissende Stimmung erzeugt. Der Gesang ist auffällig in Szene gesetzt. Es sind teilweise viele verschiedene Stimmen zu vernehmen, so dass man gar nicht weiß, aus welchem innerem Erdkern die nun wieder hervorgekrochen sind. Insgesamt wirkt es aber wunderbar orchestriert. Das fast zweiminütige Outro ist dann so schleppend, dass schon die leichteste Kopfnickbewegung des Hörers zu schnell erscheint. Es verwundert nicht, wenn sich nach den knapp fünf Minuten Spielzeit des Songs Erschöpfung breit macht. Für diese ganze Heaviness braucht man Kraft.

Wenn HLB früher ihre kraftvollen Breakdowns gerne durch ein tief-gegrunztes „FUCK“ garnierten, werden auf „Välde“ eher Stilmittel wie z.B. klarer Gesang, cleane Gitarren und atmosphärische Synthie-Klänge eingesetzt. Quasi als handele es sich um eine klassische Komposition. Von dieser Perspektive aus gesehen wirkt das Album konstruiert, ohne aber maschinell oder steif zu klingen. Es hat merklich ein Reifeprozess stattgefunden. Hin zu einer noch größeren Ernstaftigkeit.

‚Dehumanize‘ oder ‚Spectre‘ sind schöne Beispiele dafür.

Während ‚Spectre‘ fast schon sperrig beginnt, sich dann aber zur Mitte hin in einen herrlichen Nackenbrecher auflöst, ist „Dehumanize“ ein hin und her zwischen Blastbeats, atmosphärischen elektronischen Klängen, wechselhafter Gesang und HLB-typischen Midtempo Riffs. Und das alles teilweise innerhalb weniger Sekunden.

Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW11/2021 (but released 12.02.21)

Das Album hat eine enorme Dichte. Jeder einzelne Song bedarf sicherlich eines mehrfachem Hörens, bevor man Zugang findet. Dadurch fällt „Välde“ aber auch in die Kategorie jener Alben, die vermutlich niemals langweilig werden, weil man bei jedem Hören etwas Neues entdeckt. Sollten Humanity’s Last Breath es sich jemals vorgenommen haben, das brutalste, härteste und klaustrophobischste Album aller Zeiten produzieren zu wollen, dürfte es ihnen hiermit gelungen sein.
Spannend bleibt, wie HLB dieses Album (hoffentlich irgendwann) live darbieten werden.
Bewertung: 15/15 Punkten (GI 15, KR 12)

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Codeknecht und Hofnarr

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Humanity’s Last Breath – Välde

von iachelini Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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