Sometimes Go – Mountains

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Sometimes Go – Mountains (Midsummer, 20.11. digital / 12.02.21 Vinyl/CD)(49:33, Digital, Vinyl, CD, Midsummer Records/Cargo Records, 2020/2021)
Manchmal muss man sich als Rezensent einer Online-Magazins für progressive Musik doch ziemlich wundern, was nicht so alles auf seinem Schreibtisch landet. Doch gerade genrefremde Veröffentlichungen machen den Reiz an dieser Tätigkeit aus, da man so den Blick über den musikalischen Tellerrand wandern lassen kann. Sometimes Go aus dem hessischen Gießen haben sich einer musikalischen Mischung aus Indie Rock, Emo und Post Hardcore verschrieben und natürlich sind auch diese Stile auf den Seiten von BetreutesProggen.de keine Unbekannten. Denn nicht wenige Bands des modernen Prog Metals haben ihre Wurzeln in eben diesen Stilrichtungen (u.a. Coheed and Cambria) oder sind aus Kapellen hervorgegangen, die einmal diesen Stilen frönten (The Mars Volta/At The Drive-In und The Fire Theft/Sunny Day Real Estate).

Sometimes Go existieren schon seit zwölf Jahren und haben bereits 2008 und 2012 zwei EPs aufgenommen. Außerdem teilte man die Bühne bereits mit Größen des Hardcore (Madball, Sick Of It All), Emocore (Boysetsfire und Progressive Metal (Coheed and Cambria). Es folgten Jahre der Inaktivität und die vier Jungs mit den schönen Vornamen Simon (Gitarre), Stefan (Bass und Stimme), Nico (Schlagzeug) und Dennis (Gitarre und Stimme) wurden älter:

Wir machen Euch nichts vor, wir haben alle eine 4 in unseren Altersjahren und normalerweise sollten wir mittlerweile in einer AC/DC-Coverband spielen, aber wir lieben nach wie vor den Sound unserer Jugend: Bands wie Hot Water Music, Jimmy Eat World und Smashing Pumpkins. Anfang 2020 legte dann ein Virus die ganze Welt lahm und wir hatten plötzlich viel Zeit also entschieden wir uns, eine Platte aufzunehmen. Wir schrieben Abläufe, komponierten, diskutierten über Videotelefonie die Songstrukturen, schickten uns Texte, Videos und Bilder, schimpften, lösten die Band in Gedanken hundertmal auf, schmissen alles hin, schickten dann doch wieder Herz-Emojis und im Endeffekt brauchten wir vier Monate für den Rest.

Herausgekommen ist ein Album, dem man deutlich die Spielfreude der vier beteiligten Musiker anhört. Tatsächlich fühlt man sich in die Zeit der Jahrtausendwende zurückversetzt, als Bands wie Boysetsfire und Hot Water Music anfingen, die CD-Player der Indie-Disco-DJs zu blockieren, denn emotionaler Gesang und große Singalong-Melodien prägen den Sound der Jungs ohne Nachnamen genauso, wie den ihrer Vorbilder. Vor allem ‚Everything Was Fine‘ und ‚Sound of the Radio‘ sind hier als Paradebeispiele zu nennen. Und das phänomenale ‚Clover Mountain‘ wäre vor 20 Jahren in der Szene wahrscheinlich eingeschlagen wie eine Bombe.

Doch Nico, Simon, Dennis und Stefan gehen noch einen Schritt weiter, denn vor allem die Gitarreneffekte klingen nicht nur beim starken ‚Promises We Made‘ so, als würden sie von einem Post-Rock-Album stammen.

Und somit sind wir dann doch nicht mehr so weit entfernt von der Welt des Progressive Rock. Der Blick über den Tellerrand hat sich gelohnt,
Bewertung: 9/15 Punkten

PS: Das Album erschien am 20.11.20 digital, am 12.02.21 sollen die Vinyl- bzw. CD-Ausgaben folgen.



Tracklist:
1. Hideout (3:45)
2. Everything Was Fine (4:41)
3. No More Music (4:14)
4. Sound Of The Radio (4:18)
5. Watch The Falls (5:37)
6. Promises We Made (5:36)
7. Places (2:17)
8. Clover Mountain (4:59)
9. It Doesn’t Matter How Hard I Tried To Explain Myself, You Wouldn’t Understand Anyway (4:57)
10. Albanian Squares (4:54)
11. I Won’t Hide (4:15)

Besetzung:
Simon (Gitarre)
Stefan (Bass und Stimme)
Nico (Schlagzeug)
Dennis (Gitarre und Stimme).

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Midsummer Records zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

flohfish

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Sometimes Go – Mountains

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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