Deafcon5 – F.E.E.L.

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Deafcon5 - F.E.E.L. (Dr.Music, 9.10.20)

Abbildung: Andy Pilkington

(55:56, CD, Digital, Dr. Music Records, 2020)
Laut den Arbeiten der US-amerikanischen Psychologen Carroll Izard und Paul Ekman haben wir Menschen sieben fundamentale Gefühle: Überraschung, Trauer, Verachtung, Furcht, Ekel, Wut und Freude. Diese These stellt die Basis vom vorliegenden Konzeptalbum der Hamburger Prog Metal Band Deafcon5 dar. Auf acht Stücken behandelt das norddeutsche Quintett das siebenfaltige Gefühlsleben von uns sinnlichen Wesen dar. Warum sieben Gefühle in acht Liedern vertont werden, hat übrigens nichts mit Dyskalkulie zu tun, doch dazu später mehr.

“F.E.E.L.” ist das dritte Album von Deafcon5 und wurde in folgender Besetzung eingespielt:
Sebastian Moschuring – Schlagzeug,
Michael Gerstle – Lead Vocals,
Heiko Heitzmann – Bass, Keyboards, Vocals,
Frank Feyerabend – Keyboard, Synthesizer,
Dennis Altmann – Gitarre, Bass, Vocals,
und als Gäste:
Jasmin, Daniel, Rebekka und Tim2 – Backing Vocals,
Imke Rehder – Trompete.

“F.E.E.L.” wird eröffnet von ‘Uprising’ (Ekel). Die Nummer legt klar in Richtung Prog Metal vor und kombiniert laute, wütende und dennoch ausgefeilte Gitarrenmusik. Aus Ekel wird Verachtung und somit thematisiert das zweite Lied ‘Straight between the Eyes’ den hasserfüllten Umgang der Menschen miteinander. Und was wird bei denen geweckt, die Verachtung erfahren? Wut! Diesem Gefühl ist das kratzige bis donnernde Stück ‘Ruthless’ gewidmet, das sich teilweise in Richtung von Death Metal wagt. Darauf folgt der zehnminütige Longtrack ‘My unwanted Bride’ – eine Vertonung der Furcht, dargestellt anhand eines Menschen, der auf dem Weg zum Traualtar nasse Füße bekommt und sich aus Furcht vor Verantwortung flüchtet.

‘Surprise’ (Überraschung) ist die Erinnerung, dass das Leben uns mal wieder überraschen kann, wenn wir uns gerade am sichersten fühlen. Der sehr passende Refrain mahnt “Life is a Bitch”. Als kleine Randbemerkung sei erwähnt, dass das Album noch vor dem Ausbruch der COVID-19 Pandemie aufgenommen wurde und dennoch passt wie die Faust aufs Auge.
Besonders persönlich ist der Inhalt des sehr ruhigen und unverzerrten Stücks ‘Dawn’ (Traurigkeit). Die Mitglieder von Deafcon5 haben ihre eigenen Erfahrungen mit Trauer und Hoffnung in dieser Ballade verarbeitet. Als nächstes kommt aber eben nicht die Hoffnung, sondern die Freude, welche die Psyche wie ein Jo-Jo aus dem Tal der Traurigkeit ziehen kann. ‘White House Madness’ behandelt die Freude mit der ein bekannter US-amerikanischer Unternehmer, Social Media Experte und Politiker (siehe Video oben) die Welt nach seinen abstrusen Vorstellungen verbessern möchte.

Nach erfolgreicher und progressiv-metallener Vertonung dieser sieben Grundgefühle wird “F.E.E.L.” mit dem fast zehnminütigen ‘The Journey’ abgeschlossen. Hier lassen Deafcon5 noch einmal Revue passieren und liefern eine ausführliche Zusammenfassung der Entstehungsgeschichte des Albums. Wie in einem Epilog oder einer abschließenden Reflektion wird die Reise beschrieben, deren Ziel die Produktion des Albums war.

Deafcon5 haben mit ihrem dritten Album ein eindrucksvolles Konzeptwerk geschaffen. Musikalisch werden Fans von Prog Rock und Heavy Metal angesprochen. Ähnlichkeiten zu Bands wie Dream Theater, Savatage oder Saxon können nicht gänzlich negiert werden und auch Pink Floyd sowie Genesis lassen sich aus den Einflüssen heraushören. Die Vertonung der sieben Grundgefühle gelingt Deafcon5 mit Feingefühl, musikalischer Finesse und einer guten Prise Humor – “F.E.E.L.” ist ein impresssives Prog-Metal-Werk.
Bewertung: 11/15 Punkten (RG 11, KR 11)

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Über den Autor

Raphael Lukas Genovese

Kontemporär in Würzburg ansässig. Irgendwo zwischen Punk, Psychedelic, Kraut, Wahnsinn und Jazz zuhause.

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von Raphael Lukas Genovese Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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