Chandelier – Live At Loreley

0

(76:53, 78:00, CD/DVD, Eigenproduktion, 2020)
Was war das für eine Riesen-Überraschung, als auf einmal zu lesen war, dass Chandelier beim Night of the Progs Festival auf der Loreley auftreten würden. Zwar hatten sich die Neo-Progger, die sich Ende der 80er / Anfang der 90er einen Namen in der deutschen Neo-Prog Szene gemacht hatten, im letzten Jahr bereits mit den Wiederveröffentlichungen der drei Studioalben als remasterte Versionen mit Bonus Disc wieder in Erinnerung gebracht, was auch an dieser Stelle entsprechend gewürdigt wurde. Doch von einer Re-Union mit Aussicht auf Live Auftritte war zunächst einmal überhaupt nicht die Rede.

Auf Rückfrage bei der Band wurde bestätigt: ja, wir treten einmal beim Night of the Progs auf – und die Vorfreude der Band hierauf war natürlich riesengroß. Die der Fans allerdings auch, und so machten sich sogar französische Chandelier Fans bemerkbar (in den 90ern waren sie dort schon aufgetreten). Aber neben der Vorfreude galt es natürlich, die vielleicht etwas eingerosteten musikalischen Fähigkeiten wieder aufzufrischen und entsprechend für den Auftritt zu proben, was sich angesichts der Tatsache, dass eben nicht mehr alle im Düsseldorfer Raum leben, eher schwierig gestaltete. Und so gab es natürlich beim Fan auch eine kleine Portion Skepsis, ob dies denn alles gut klappen würde.

An dieser Stelle dann sofortige Entwarnung: es hat sogar sehr gut geklappt. Nicht nur die Fans waren begeistert, auch für die Band wird dies sicherlich ein absolutes Highlight in ihrer Musik Karriere darstellen. Die 2019er Version von Chandelier hat noch sehr viel mit der Band zu tun, die das Debütalbum „Pure“ veröffentlichte, denn bis auf Keyboarder Tobias Budnowski, der nicht zu diesem Wagnis zu bewegen war, sind noch alle mit von der Partie. Und ein Mann für die Tasten war dann auch schnell im näheren Umfeld gefunden, denn Riemer war schon Mitglied der Band Elleven, in der Rubarth nach seinem Ausstieg bei Chandelier trommelte.

Und so waren folgende Musiker anno 2019 auf der Bühne:

Martin Eden – Gesang
Christoph Rombach – Bass
Udo Lang – Gitarre
Herry Rubarth – Schlagzeug
Armin Riemer – Tasteninstrumente.

Und um den Song ‘All My Ways‘ vom „Timecode“ Album möglichst originalgetreu präsentieren zu können, hat man dann auch tatsächlich den ehemaligen Grobschnitt-Mann Toni Moff Mollo auf die Bühne geholt.

Das Intro läuft von Band, die Jungs erscheinen auf der Bühne und es ertönt (nicht zum letzten Mal) … Genesis. Und um zu zeigen, woher der Name kommt, lenkt Sänger Martin Eden die Aufmerksamkeit des Publikums auf eine bestimmte Stelle, nämlich „the scent grows richer, he knows he must be near, he finds a long passageway lit by chandelier vom fantastischen ‚The Lamia‘ vom Genesis Album „The Lamb Lies Down On Broadway“.

Und dann darf es losgehen, und zwar passenderweise mit `Start It‘, das das 92er Album „Facing Gravity“ eröffnet. Schnell zeigt sich, dass die Band nichts an ihrer Qualität eingebüßt hat. Das passt alles gut zusammen, und Frontmann Martin Eden hat das Publikum in der ihm eigenen Art schnell auf seine Seite gebracht. Bei dem Song schaut auch IQs Peter Nicholls mal kurz rein, wie auf der DVD gut zu erkennen ist. So wie die ganze Band, die ihren Set, der eine gute Mischung aus den drei Alben bildet, souverän präsentiert. Und wie man es von früher schon kannte, schleicht sich dann der klassische Instrumentalpart von ‚firth of fifth‘ in das Medley aus ‚Glimpse of Home‘ und ‚Jericha‘ ein, Gitarrist Udo Lang übernimmt hier also einen ausgesprochen verantwortungsvollen Part – und meistert dies auch.

Chandelier führen ihren melodischen 90er Neo-Prog perfekt auf und scheuen sich auch nicht, eine Ballade wie ‚Stay‘ live zu präsentieren. Erstaunlicherweise fehlte allerdings der Ohrwurm ‚Ferengi Lover‘ vom letzten Studioalbum. Bei der DVD hätte man die Ansagen nicht unbedingt rausschneiden müssen, denn sie ist ja laufzeittechnisch nicht wirklich völlig ausgereizt. Schade, denn das macht ja auch ein bisschen den Reiz von Live Konzerten aus.

Ein rundweg gelungener Auftritt, der nun auch noch in Ton und Bild festgehalten ist und dem Fan bedenkenlos zu empfehlen ist. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass sich die Band entgegen vorangegangener Aussagen nun doch anscheinend entschlossen hat, weiter zusammenzuarbeiten. Tolle Entwicklung!
Bewertung: 11/15 Punkten

Surftipps zu Chandelier:
Homepage
Chandelier Blog (ident. m. HP)
Facebook
Chandelier
GAD Records
YouTube

Abbildungen: Chandelier

image_pdfArtikel als PDF herunterladenimage_printArtikel drucken
Teilen.

Über den Autor

Avatar

Antworten

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Chandelier – Live At Loreley

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
0