Alex Henry Foster – Windows in the Sky

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Alex Henry Foster - Windows in the Sky (2018/2020)(61:30, LP, CD, Digital, Hopeful Tragedy Records / Sony Music Entertainment, 2018/2020)
“Windows in the Sky” ist das Debüt-Album des Quebecer Musikers Alex Henry Foster. Die Platte war in seiner kanadischen Heimat bereits im Jahre 2018 veröffentlicht worden und hat dort immerhin Platz 3 der Billboard Charts erreicht. Nach einer erfolgreichen Europatour im Vorprogramm von …And You Will Know Us by the Trail of Dead im Frühjahr 2020 (vgl. unser Konzertbericht: 12.02.20, Köln, Stadtgarten), bei der man einen Vorgeschmack auf das Album bekommen konnte, erschien “Windows in the Sky” am 1. Mai nun endlich auch in Deutschland.

“Windows in the Sky” ist also die erste Solo-Platte von Alex Henry Foster, der ansonsten als Frontmann der Alternative-, Post- und Noise-Rock-Band Your Favorite Enemies tätig ist. Obwohl Foster auch auf Solopfaden weiterhin von seinen fünf Bandkollegen (unter dem Alias The Long Shadows) musikalisch unterstützt wird, schlägt die Musik doch in eine ganz andere Kerbe, als die seiner Hauptband.

© Stéphanie Bujold

Während der Sound von Your Favorite Enemies von knackig-eingängigen Songs geprägt ist, besticht “Windows in the Sky” durch seinen Kontrast aus poetischen Spoken-Words-Passagen, vor Gefühlen berstendem Gesang und atmospährischen Soundscapes.

“Windows in the Sky” enstand in Selbstisolation, die Alex Henry Foster wählte, um den Krebstod seines Vaters verarbeiten zu können. Das Resultat ist ein sehr intimes, fast poetisches, aber auch fragiles Album, bei dessen Hören man nicht nur die Trauer und den den Schmerz Fosters nachvollziehen kann, sondern auch die Hoffnung und den inneren Frieden spürt, den der Musiker während des für ihn heilenden Entstehungsprozesses gefunden hat. Alex Henry Foster selbst bezeichnet “Windows in the Sky” als Befreiung.

 

“Windows in the Sky” ist kein einfaches Album für den Hörer geworden. Möchte man sich auf seine Musik nicht nur einlassen, sondern sie auch wirklich nachvollziehen, so ist es unabdinglich, sich näher mit den Texten zu beschäftigen. Zwar kann die Musik auch alleinstehend überzeugen (vor allem live!), doch entfaltet sie ihre volle Ausdruckskraft erst in Kombination mit den sehr persönlichen WortenFosters. Es ist eine Symbiose, die tiefe Einblicke in das Seelenlebens des Musikers gewähren lässt. Während die Musik teilweise wie ein Orkan über einen hinwegfegt, handelt es sich bei den Vocals größtenteils um gesprochene Poesie.

 

Obwohl “Windows in the Sky” einem wie ein Konzeptalbum vorkommt, bezweifle ich, dass dieses von Foster im Vorhinein als solches angelegt war. Es erscheint vielmehr als Songzyklus, der sich nach fast zweijähriger Isolation des Künstlers zwangsläufig mit dessen Erfahrungen rund um den Tod seines Vaters beschäftigen musste. Die Stücke behandeln, eng miteinander verwoben, die Themen Schmerz, Sterblichkeit, Erinnerungen, Liebe, Reue, Bedauern, Trauer, Depression, Vergangenheitsbewältigung und die eigene Sterblichkeit.

Am Ende steht mit ‘The Love That Moves (The End Is Beginning)’ ein Lichtblick, denn das Lied handelt von Liebe, Hoffnung und Spititualität – Alex Henry Foster hat nach langer Trauer endlich seinen inneren Frieden gefunden.

 

Musikalisch bewegt sich Foster mit seinen Kompositionen im Fahrwasser von Post Rock a la Mogwai, Sigur Rós und Noise Rock im Stile von Swans, während sein Gesangsstil eher von Anne Clark und Nick Cave geprägt ist.

Einzelne Stücke hervorzuheben macht bei dieser Scheibe nur wenig sind, da es sich um ein Gesamtkunstwerk handelt. Denn nur wer “Windows in the Sky” von Anfang bis End durchhört, kann den Trauerprozesses des Alex Henry Foster nachvollziehen.
Tiefgreifend. Emotional. Berührend.
Bewertung: 13/15 Punkten

Tracklist:

© Stéphanie Bujold

1. The Pain That Bonds (The Beginning Is the End) (5:00)
2. Winter is Coming In (7:44)
3. Shadows of Our Evening Tides (7:43)
4. The Hunter (By the Seaside Windows) 14:36)
5. Snowflakes in July (7:18)
6. Summertime Departures (5:23)
7. Lavender Sky (6:16)
8. The Love That Moves (The End Is Beginning) (7:32)

Besetzung:
Alex Henry Foster (Gesang, Synthesizer, Gitarre)
The Long Shadows:
Sef Lemelin (Bass)
Ben Lemelin (Lead-Gitarre)
Jeff Beaulieu (Gitarre)
Charles (Moose) Allicie (Schlagzeug)
Miss Isabel (Keyboards)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Alex Henry Foster Kanaan zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

flohfish

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Alex Henry Foster – Windows in the Sky

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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