Frank Makowski – Canon der Finsternisse

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(71:16, CD, Digital, Eigenproduktion, 2019)
Wahrlich nicht alltäglich, was in diesem Fall zur Besprechung vorliegt. Das geht gleich mit der Aufmachung los, die alles andere als herkömmlich ist. In einem Pappschuber sind neben der CD drei Postkartenähnliche Drucke beigefügt, die zeigen, worum es thematisch auf diesem Album geht, nämlich um Astronomie. Der “Canon der Finsternisse” ist ein Werk des österreichischen Astronoms Theordor Egon Ritter von Oppolzer, das die Berechnung von rund 8000 Sonnen- und mehr als 5000 Mondfinsternissen für den Zeitraum 1207 v. Chr. und hochgerechnet bis 2162 n. Chr. enthält. Heutzutage erscheint es als fast unmöglich, wie man zur damaligen Zeit lediglich mit 10 Mathematikern ohne Hilfe von Rechenmaschinen zu derart genauen Ergebnissen kommen konnte, wobei die grafischen Übersichten sogar nur von einer Person stammten. Das Werk wurde 1885 der Öffentlichkeit vorgestellt und zwei Jahre später gedruckt, was der Autor aber leider nicht mehr erleben durfte, da er Weihnachten 1886 im Alter von nur 45 Jahren starb. Das Werk ist hier frei zugänglich.

Zum Musiker: Frank Makowski blickt bereits auf mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Elektronischen Musik-Szene zurück. Umso erstaunlicher, dass dies nun offenbar das erste Album unter seinem eigenen Namen ist. Die ersten Alben wurden Anfang der 90er unter dem Namen Tranquility veröffentlicht, es folgten einige Veröffentlichungen mit [‚ramp], die als Trio starteten in der Besetzung Ringlage, Makowski und Parsick. Lambert Ringlage stieg schon frühzeitig aus und man machte eine Weile als Duo weiter, später wurde dies dann zu einem Soloprojekt von Stephan Parsick.
Nach seinem Ausstieg folgte 2007 noch eine Veröffentlichung unter dem Namen The Speed of Dark, danach wurde offensichtlich eine lange Pause eingelegt. Doch nun ist der Musiker wieder zurück, und zwar mit einer hochinteressanten Veröffentlichung unter seinem eigenen Namen.

Dass er sich des Themas Astronomie angenommen hat, spiegelt sich auch in der vorliegenden Musik wider, denn man fühlt sich manchmal wie auf einer Reise in den endlosen Weiten des Universums. Für den Rezensenten das absolute Highlight ist gleich der fast 13-minütige Opener ‘Fliegende Schatten – Canon 1’, der eine fast magische Wirkung hat und den Zuhörer in seinen Bann zu ziehen vermag mit wunderbaren choralen Arrangements, Pianotupfern und einer faszinierenden Mischung aus melodischer Elektronik, Neo-Klassik und Ambient. Im weiteren Verlauf wird der Ambient-Anteil höher geschraubt, wird es teils noch experimenteller. Auch die recht abstrakten Figuren beeindrucken, und ebenso taucht man gelegentlich in kontemplative Phasen ab, es wird extrem ruhig und atmosphärisch dicht.

In der Beilage wird darauf hingewiesen, dass das Hören mit guten Kopfhörern dringend empfohlen wird. Das macht Sinn! Außerdem steht dort ein weiteres, eher in diesem Zusammenhang ungewöhnliches Wort: „Konstruiert, aufgenommen und produziert 2018/19 von Frank Makowski“. Eine fürwahr beeindruckende Konstruktion ist dies geworden, in der Elektronische Musik, (Dark)Ambient, Soundtrackartiges und Meditatives wunderbar vermengt wird. Ein tolles Gesamtkunstwerk, das uns der Musiker hier vorlegt!
Bewertung: 12/15 Punkten

Surftipps zu Frank Makowski:
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Frank Makowski – Canon der Finsternisse

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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