Red Kite – Red Kite

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(42:00, CD, LP, Digital, RareNoiseRecords/JustForKicks, 2019)
Red Kite ist eine Allstar-Band mit bekannten Musikern aus der norwegischen Jazz-Rock Szene. Mit ihrem selbstbetitelten Debüt „Red Kite“ präsentiert die Band einen Mix aus Rock, Psychedelic und komplexen Fusion-Jazz-Gebilden.

Besetzung:
Even Helte Hermansen – Gitarre
Trond Frønes – Bass
Bernt André Moen – Keyboards
Thorstein Lofthus – Schlagzeug.

‚Ptah, The El Daoud‘

Der Opener ist gleich zu Anfang schwierig zu verdauen. Fast zwei Minuten lang folgt ein Trommelwirbel dem anderen, untermalt von dem Anstimmen der restlichen Instrumente. Der Zuhörer gewinnt den Eindruck, dass es sich hierbei um einem Soundcheck/Warm-Up vor einem Konzert handeln könnte. Bei 11:45 Minuten Spielzeit kann man aber ruhig mal knapp zwei Minuten verplempern. Dann geht es aber endlich richtig los. Während der Reise durch den Song sucht man nach einiger Zeit vergeblich den roten Faden. Der Track scheint eine riesige Jam-Session zu sein, die sich irgendwo zwischen The Doors und Tito & Tarantula ansiedeln lässt. Nur weitaus virtuoser.

‚13 Enemas for Good Luck‘

Deutlich angenehmer als sein Vorgänger kommt ‚13 Enemas for Good Luck‘ daher. Umgeben von hypnotischen Tendenzen findet sich der Hörer in einer Soundcollage wieder, die an ‚Set The Controls For The Heart Of The Sun von Pink Floyd erinnert. Auch wenn es zur Songmitte hin dann endlich rhythmusmäßig zur Sache geht, wird der Hoffnungsschimmer auf eine einheitliche Struktur kurz darauf wieder in wilden virtuosen Eskapaden zunichte gemacht.

‚Flew a little Bullfinch Through the Window‘

Mit einem Hauch Stimmung von Freddy Fredrickson ‚Mr. Downtown‘ wird man angenehm in den Song geführt. Das anhaltende „Spy vs. Spy“-Feeling wird mit dem Einsatz des vermeintlichen Refrains aufgelöst und zum ersten Mal zeigen Red Kite stimmig-melodische Anleihen mit Wiedererkennungswert. Danach geht es gleich wieder zurück in das dunkle und mystische Großstadtfeeling der Strophe. Die Nummer würde in jedem Spionagefilm gut reinpassen.

‚Focus on Insanity‘

Mit ‚Focus on Insanity‘ stimmen Red Kite ihr nächstes Fusion-Jazz-Epos an. Dieser ist deutlich flotter als der Opener ‚13 Enemas for Good Luck‘ und wirkt gefühlt zugänglicher – trotz der scheinbar niemals enden wollenden virtuosen Bearbeitung der Instrumente. Der Song endet in einem Rhodes-lastigen Finale.

‚You don’t know, you don’t know‘

Beim Schlusslicht des Albums ‚You don’t know, you don’t know leitet die Band den Zuhörer ungewöhnlich ruhig und sparsam instrumentiert durch den Song. Hier setzt die Band auf akzentuierte Einsätze von Gitarren und Keyboards, welche mit Hall und Echo für eine sphärische Stimmung sorgen. Für Red Kite untypisch gechillt, als ob man zum Schluss nochmal die Hektik rausnehmen wollte.

Nach dem Hören wird zumindest eins klar: Es ist schwierig hier Maßstäbe sonstiger Prog-Produktionen anzusetzen. Die Musiker lassen keinen Zweifel an ihrem handwerklichen Geschick. Trotz der anspruchsvollen Performance ist hier alles fehlerlos auf den Punkt gespielt. Die Band hat ihr Spiel zu jeder Zeit unter Kontrolle. Leider lässt das Debüt der vier Norweger an zu vielen Stellen den Groove vermissen. Verschachtelte Drum-Pattern und das pausenlose Herumreiten auf den Instrumenten sind keine Garantie für Dynamik, die man sich hier und da vielleicht gewünscht hätte. Freunde des Prog-Rocks werden hier wahrscheinlich nicht auf Ihre Kosten kommen. Dazu überwiegt der Fusion-Free-Jazz Anteil zu sehr. Aber dafür die Hardcore-Jazzer welche Brand X zu ihren besonders notorischen Zeiten gern schon mal zum Frühstück verdauen.
Anpieltipps: ‚Focus on Insanity /  ‚Flew a little Bullfinch Through the Window‘
Bewertung: 8/15 Punkten (AF 8, KR 11)

Surftipps zu Red Kite:
Bandcamp
Spotify
Wikipedia

 

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Über den Autor

André Fedorow

Progressiver Musiker, Songwriter, Produzent und Redakteur. Hört so ziemlich alles was es an Musik gibt, außer Schlager. "You can't really dust for vomit." -- Nigel Tufnel

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Red Kite – Red Kite

von André Fedorow Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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