t – Solipsystemology

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(72:56, CD, Giant Electric Pea, 2019)
Mit “Die Tour-Leiden des (nicht mehr ganz so) jungen t” gab t a.k.a. Thomas Thielen auf dieser Seite einen tiefen Einblick, welch selbstlosen Idealismus es bisweilen braucht, um als unabhängiger Künstler neben seinem normalen Beruf eine Tour mit Prog-Musik auf die Beine zu stellen. Passend zur anstehenden Tour liegt mit “Solipsystemology” das mittlerweile siebte Studioalbum des Multi-Instrumentalisten und Produzenten in Personalunion vor. Dass man es als Einzelkämpfer bei der Suche nach dem passenden Label auch nicht immer einfach hat, offenbart der Blick in seine Historie seit 2002, denn nach Galileo Records, ProgRock Records, Progressive Promotion Records, ist t inzwischen beim prestigeträchtigen IQ-Label GEP gelandet.

Nach dem zwischenzeitlichen Art Pop-Ausflug mit Clouds Can kehrt t wieder mit komplett eigener Musik, in seinem für ihn typischen melancholischen Art Rock-Stil, zurück.

“Solipsystemology” ist der dritte Teil der Trilogie über einen postmodernen Pygmalion, dessen Geschichte mit den beiden Vorgängeralben “Fragmentropy” (2015) und “Epistrophobia” (2016) ihren Anfang nahm. Deswegen werden hier die sieben Titel  thematisch als einzelne Chapter 7-9 zusammengefasst. Vom Layout und in der optischen Präsentation wird das bestehende Konzept aller bisherigen Veröffentlichungen fortgesetzt, so dass damit eine große Klammer über das bisherige Gesamtwerk entsteht.

Das schwermütige Songmaterial auf “Solipsystemology” schwankt zwischen intimen, zerbrechlichen Augenblicken, wie auch ausufernden, expressiven Klangexkursionen (die einzelnen Tracks sind zwischen 6 und 14 Minuten lang). Inhaltliche Brüche, mächtige Melodiebögen und plötzliche Dynamikwechsel sind bestimmende Stilmerkmale, in gewisser Weise also eine konsequente Fortsetzung der letzten Alben. Melancholie und Melodik halten sich die Waage, zusammengehalten vom einem düsteren, gelegentlich wuchtigen, geradezu bombastischen, aber in gewisser Weise gleichfalls hoffnungsvollen Unterton. Im instrumentalen Bereich ist es vor allem die Gitarre, die die Führungsrolle übernimmt, während die Keyboards trotz sparsamer Sololäufe mehr als atmosphärische Komponente eingesetzt werden. Hinzu kommen weiterhin noch kurze Saxophoneinlagen.

Man kann sich mit Adjektiven wie leicht verschroben oder sperrig dieser anspruchsvollen rockmusikalischen Exkursion nähern, findet aber gleichzeitig sanftmütige Atmosphäre oder positive, euphorische Harmonien als wohltuenden Kontrast. “Solipsystemology” funktioniert in erster Line als konzeptioneller, musikalischer Fluss mit vielschichtigen, detailliert herausgearbeiteten Stimmungswechseln und sorgsam eingewobenen soundtechnischen Spielereien, bei dem die einzelnen Songs mehr in den Hintergrund treten und eine gemeinsame Einheit bilden.
Bewertung: 11/15 Punkten

Ab März sind t und Crystal Palace übrigens auf von BetreutesProggen.de präsentierter gemeinsamer Tour, zusätzlich steht noch ein Auftritt auf dem Night Of The Prog Festival 2019 an.

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

1 Kommentar

  1. Avatar

    Lieber Kristian,

    ich war nie bei progrock.co.uk, sondern bei Shawn Gordons Label (USA). Das ist wichtig, weil Shawn Gordon, im Gegensatz zu diesem Label, halb Prog-Europa ziemlich übel belogen hat und ihm noch eine Menge Geld schuldet. Auch mir! Lass dieses Label nicht damit in Verbindung gebracht werden.

    Grüße
    t

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t – Solipsystemology

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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