Haken – Vector

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(49:19, CD, InsideOut Music/Sony Music, 2018)
“Wir können keine einfache Musik machen”. Mit dieser Aussage bringt Sänger Ross Jennings die Entwicklung von Haken recht schlicht auf den Punkt. Durchlebte die Band in der Vergangenheit bereits diverse musikalische Metamorphosen, ohne eine gewisse eigene Identität zu verlieren, so hat man sich auf “Vector” für eine deutliche Verschiebung hin zu komplexem, zeitgemäßen Prog Metal entschieden.

Natürlich finden sich immer noch anderen Färbungen aus dem sinfonischen Progressive Rock Bereich und auch den melodischen Pfad hat man keineswegs verlassen, trotzdem ist “Vector” vom Grundsatz her deutlich härter, aggressiver und teils von einer brachialen Hochgeschwindigkeitsfahrt ohne Stoppmechanismen durchzogen. Dabei hatten sicherlich die Aktivitäten von Haken als Backingband für Mike Portnoy’s Shattered Fortress einen Einfluss auf dieses Werk, denn mitunter ist auf diesem Album, wie z.B. beim Longtrack ‘Veil’, die Dream Theater-Inspiration deutlich zu erkennen.

Haken setzen zwar auf die virtuose Kraft des Progressive Metals, flirten immer wieder mit moderner Elektronik, bieten den verschachtelten Breaks ein gehöriges Maß an satter Melodik als Unterbau. Trotzdem sind gerade wuchtige Komplexität, stolpernde Rhythmik und direkte Aggressivität deutliche Merkmale, die “Vector” als roter Faden durchziehen. Man erkennt den deutlichen Metal Einfluss, trotzdem gibt es eben auch jene besinnlichen Augenblicke, die in ganz anderen musikalischen Terrains anzusiedeln sind.

Das knapp vierminütige ‘The Good Doctor’ ist für den Hybridgedanken ein gutes Beispiel. Der Chorus geht prima ins Ohr, mit hymnischer, eingängiger, fast schon poppiger Breitseite sorgt man für die nötige Zugänglichkeit, während der Song jedoch von Härte, Komplexität und elektronischen Elementen durchzogen ist.

Neben den variablen stimmlichen Qualitäten von Ross Jennings setzt das Sextett auf die Fähigkeiten von Charlie Griffiths (Gitarre), Rich Henshall (Gitarre, Keyboards), Diego Tejeida (Keyboards), Conner Green (Bass) und Raymond Hearne (Schlagzeug), wobei man gemeinsam die diversen Ideen für die sieben Songs auf “Vector” ausarbeitete. Die aktuell örtlich verteilte Situation der Bandmitglieder – Keyboarder Diego Tejeida lebt in Mexiko, Bassist Connor Green in den U.S.A. – löste man per File-Austausch, als Produzenten holte man zudem ex-Periphery Bassisten Adam Nolly Getgood mit an Bord, der in der Vergangenheit u.a. beim Devin Townsend Project, Sikth an den Reglern saß.

Selbst wenn es grundsätzlich heftiger zur Sache geht, ist auf “Vector” mit dem melancholischen, getragenen ‘Host’ ebenfalls ein kompletter, durchaus gelungener Kontrastpunkt enthalten. Trotzdem schwebt über dem Album ein gewisses Fragezeichen. Vielleicht ist “Vector” mitunter eine Spur zu überdreht, wurde zu viel an Riffakrobatik und brachialer Rhythmik hineingesteckt, trotzdem gewinnt die Technik letztendlich nie den kompletten Überhang, da Haken immer noch ein Gespür für griffige Tonfolgen und stimmige Kompositionen haben. Die Band versteht definitiv ihr Handwerk, setzt keineswegs auf bloße Wiederholung. Wie man zu diesem Album steht, hängt somit letztendlich vom eigenen Geschmack ab.

Wie bei InsideOut üblich, ist das Album in verschiedenen Formaten – 2CD Mediabook, Standard Jewel Case, 180g Gatefold 2LP, Digital – erhältlich.
Bewertung: 11/15 Punkten (GH 12, KR 11, KS 11)

Haken (Foto: Wansdworth)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Haken – Vector

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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