Jean-Michel Jarre – Planet Jarre – 50 Years Of Music

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(82:13, 79:58, 2CD, Sony Music, 2018)
Nach einer zwischenzeitlichen Phase der Zurückhaltung hat sich der französische Elektronikpionier Jean-Michel Jarre in den letzten Jahren durch einige Alben und Live-Auftritte wieder ins Gespräch gebracht. So gab es einen weiteren Teil aus der Oxygène-Reihe sowie die beiden Ausgaben seiner in kurzem zeitlichen Abstand erschienenen Electronica Werke.

Nun gilt es, 50-jähriges Jubiläum zu feiern – Respekt! Moment mal, 50 Jahre?! Stammt nicht sein Hit-Debüt „ Oxygène “ aus dem Jahr 1976?! Das ist richtig, doch seine ersten Gehversuche gehen tatsächlich zurück in die End-60er. Und so stammt dann auch das älteste Stück dieser Scheibe, ‚Happiness Is A Sad Song‘, aus dem Jahr 1968. Anfang der 70er dann die ersten Veröffentlichungen noch vor Oxygène, wie beispielsweise „Deserted Places“ aus dem Jahr 1972.

Wie feiert man nun ein solch bemerkenswertes Jubiläum? Im Albumtitel schon mal alles andere als bescheiden als „Planet Jarre“. Und der Urheber hat sehr wohl überlegt, wie dieser Planet gestaltet werden sollte. Es handelt sich nicht um ein Best Of-Album im herkömmlichen Sinne, auf dem lediglich alle veritablen Hits zu finden sind. Nein, bei seiner facettenreichen Musik muss bei der Auswahl nicht ausschließlich auf Verkaufszahlen geschaut werden. Bei der Analyse seiner eigenen Musik stellte der Elektronik-Meister fest, dass seine Musik im Wesentlichen in vier Kategorien aufgeteilt werden kann, was die unterschiedlichen Arten der kompositorischen Herangehensweise betrifft. Und diese vier Spielarten bilden eigene Sektionen auf dem in einem dickem Digipak (Dickipak?) präsentierten Doppelalbum, etwa gleichverteilt auf den zwei CDs untergebracht.

Die Kategorien sind mit Soundscapes, Themes, Sequences und Explorations & Early Works überschrieben. Sie enthalten zwischen neun und zwölf Titel, was bedeutet, dass hier keine Longtracks zu erwarten sind.

Soundscapes
Den Anfang macht das Thema Soundscapes. Hier stehen atmosphärische Titel im Vordergrund. Manchmal etwas getragen, manchmal bombastisch, ohne auffällige Beats. Durch seine Vorliebe für Filmmusiken hat er sich frühzeitig auch schon für Ambient-artige Musik interessiert. Wie sich das musikalisch niedergeschlagen hat, sieht man in diesem Abschnitt. Es geht gleich mit einem Klassiker los, nämlich ‚Oxygène 1‘, dem im direkten Anschluss eine 2016er Oxygène-Neuauflage gegenübergestellt wird (Nummer 19, um genau zu sein). Es folgen Tracks von den Alben „Equinoxe“, „Rendez-vous“, „Waiting For Cousteau“, und auch Aktuelles wie ‚The Heart Of Noise‘ aus der „Electronica“-Zeit ist vertreten.

Themes
Es folgen elf Stücke unter dem Stichwort „Themes“. Ein essentieller Faktor in Jarres Musik ist das Stichwort Melodie. Diesbezüglich hat der Franzose bekanntlich einige Ohrwürmer in seinem Programm. Und so geht es hier hauptsächlich um seine Gassenhauer wie unter anderem ‚Oxygène 4‘ oder ‚Magnetic Fields II‘. Melodien, die fast jeder kennt, die man bei einem derartigen Sampler aber keinesfalls aussparen sollte. Und es wurde tatsächlich sehr viel untergebracht, denn mit deutlich über 80 Minuten ist die Spielzeit bis an die Grenze ausgereizt.

Und auch auf CD 2 wird diesbezüglich nicht gegeizt.
Sequences
„Sequences“ heißt es für die ersten neun Tracks, da hat man ja schon eine ungefähre Vorstellung, wohin die Reise nun geht. Die rhythmischen Arrangements spielen hier eine wesentliche Rolle – logisch. Das geht hin bis zur Techno-Mucke bzw. sogar zum Rave (‚Exit‘). Da passt es ins Bild, dass auch wieder Nummern der beiden „Electronica“ Alben auftauchen. Auch zwei gut gelungene neue Nummern aus dem Jahr 2018 sind vertreten, nämlich ‚Coachella Opening‘ und ‚Herbalizer‘. Jarre hatte sich schon sehr früh mit Sequenzen beschäftigt, damals noch alles selbst eingespielt.

Explorations & Early Works
Die restlichen zwölf Songs stehen unter dem Motto Frühwerke und Erkundungsfahrten. Es geht recht experimentell zur Sache, manche Titel sind dabei durchaus noch melodiös, anderes besteht eher aus reinen Klanglandschaften, elektronischen und perkussiven Spielereien. Neben Titeln aus den 80ern gibt es einen 2018er Demo-Ausschnitt seiner ‚Music For Supermarkets‘ und mit ‚Aor Bleu‘ einen weiteren aktuellen Song. Dem gegenübergestellt finden sich einige Kompositionen aus den frühen 70ern sowie der oben erwähnte Titel, der das 50-Jährige rechtfertigt. Teils irritierendes, weil sehr abstraktes Kontrastprogramm im Vergleich zu der Art Musik, die üblicherweise mit dem Namen Jarre verbunden wird.

Eine sehr gelungene Zusammenstellung, bei der zu erkennen ist, dass sich der Künstler durchaus Gedanken gemacht hat, wie sein spezielles Jubiläum gewürdigt werden sollte.
Auch als Deluxe-Versionen erhältlich (2-CD plus 2-MCs(!) oder 4-LP plus Book plus 2CDs).
Bewertung: 11/15 Punkten

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Jean-Michel Jarre – Planet Jarre – 50 Years Of Music

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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