Jean-Michel Jarre – Electronica 2

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jean-michel-jarre-electronica-2-heart-noise-album-new(74:17, CD, Sony Music, 2016)
Teil 2 der „Electronica“-Reihe mit dem Untertitel „The Heart Of Noise“ hat nicht lange auf sich warten lassen. Ähnlich konzipiert wie schon der hier vorgestellte Vorgänger, bietet auch dieses Album wieder ein buntes Gemisch aus Jarre‘scher Elektronikmusik, Electropop, und Soundtrack-Artigem. 18 Titel tummeln sich auf diesem Werk, und auch hier arbeitet Jarre wieder mit illustren Gästen zusammen. Dabei sind Szenengrößen vertreten, die man nicht großartig vorstellen muss. Allerdings wird der Prog-Sektor dabei ausgespart, was wohl kaum überrascht. Das Album beginnt mit dem in zwei Parts aufgeteilten Titelsong, der moderne Elektronikmusik der Marke Jarre präsentiert. Unterstützt wird er dabei vom französischen EM-Musiker Rone. Mächtige Soundtrack-artige Musik, die einen gelungenen Einstieg bietet, und die sich auch gut als Konzert-Intro vorstellen lässt. Später mehr zu diesem Thema.

Im direkten Anschluss folgt eine Nummer, die exemplarisch einen wesentlichen Baustein der „Electronica“-Reihe darstellt, nämlich radiokompatibler Synthi-Pop. Bei dieser melodiösen Nummer braucht es auch keine zehn Sekunden, um anhand des Gesangs zu erkennen, mit wem JMJ hier zusammengearbeitet hat. Das sind natürlich eindeutig die Pet Shop Boys. Und auch die anschließende Nummer mit Julia Holter ist einprägsam und radiokompatibel. Überhaupt scheint Jarre bei der Auswahl der Kolleginnen bzw. Kollegen, mit denen er zusammenarbeiten wollte, den Fokus auch darauf gelegt zu haben, wer Elektronikmusik erfolgreich in den Mainstream transferiert hat. Die nachfolgende Nummer mit Primal Scream hat schon Ohrwurmcharakter und reiht sich nahtlos in die Reihe radiotauglicher Songs ein.

Auch der nachfolgende Künstler ist bekannt: Gary Numan, 80er-Ikone des Synthi-Rocks. Doch auch der Freund orchestraler, bombastischer Elektronikmusik kommt auf seine Kosten. Jarre betrachtet den gerade ziemlich angesagten Hans Zimmer als denjenigen Filmmusik-Komponisten, der die Elektronikmusik in Kombination mit orchestralen Arrangements in Hollywood salonfähig gemacht hat. Und so erstaunt es nicht, dass es zu einer Zusammenarbeit dieser beiden Musiker gekommen ist. Der Titel dieses Stückes lautet „Electrees“, und zu hören bekommt man genau die Art von Musik, die man sich von diesem Duo auch vorgestellt hätte, also opulente Synthi-Flächen. Eine ebenfalls sehr gelungene Nummer ist die Zusammenarbeit mit The Orb. Weitere bekannte Namen, die auf ‚The Heart of Noise’ auftauchen, sind die kultigen Yello oder auch Cindy Lauper. Als Musiker eher nicht in Erscheinung getreten war bisher Edward Snowden. Das tut er auch hier nicht, allerdings spricht er den Text zu dem Techno-artigen, ausgesprochen rasanten ‚Exit‘. Sehr wichtig war JMJ auch die Teilnahme des in Frankreich sehr bekannten Chansonniers Christophe, mit dem er bereits in den 70ern auf dessen beiden Alben ‚Les Paradis Perdus‘ und ‚Les Mots‘ zusammengearbeitet hat. Abgerundet wird das Album durch zwei Jarre-typische Instrumentaltitel.

Jean-Michel Jarre wird mit diesen beiden Alben im Gepäck auf Tour gehen (siehe auch im entsprechenden Teil auf dieser Seite). Da darf man also schon mal gespannt sein, wie das alles live umgesetzt werden soll. Kaum vorstellbar, dass alle auf den beiden „Electronica“-Alben vertretenen Künstler auch auf der Tournee zu erleben sind. Aber Jarre wird hierfür sicherlich schon Lösungen parat haben. Und eine gigantische Bühnenshow vermutlich auch. Wie schon bei Teil 1 gesagt, ist angesichts der Stilvielfalt eine Punktebewertung recht schwierig und unter Prog-Maßstäben schon mal sowieso in diesem Falle unsinnig. Da muss nicht zwangsläufig alles gefallen, aber die Mischung macht durchaus wieder Spaß, und so fällt das Urteil hier ebenso wie beim Vorgänger aus. Und wer sich – wie der Rezensent – fragt, ob es sich bei Teil 1 um einen Pressfehler handelt, was die Covergestaltung betrifft, der findet hier die Auflösung:

Bewertung: 10/15 Punkten (JM 10, KR 10)

PS: Der Künstler tourt bei uns im Juli, Oktober und November.

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Jean-Michel Jarre – Electronica 2

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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